Verlage
20.03.2008
G+J: Druck-Verlust macht Erfolg bei Vermarktung der Medienmarken zunichte
Der Großverlag Gruner + Jahr, der immer noch als "Druck- und Verlagshaus" firmiert, distanziert sich rhetorisch vom Druckgeschäft, um seine Bilanz 2007 besser aussehen zu lassen. Bei der Präsentation der Geschäftszahlen in Hamburg definierte G+J-Vorstandschef Bernd Kundrun die Aktivitäten seiner Zeitschriften- und Onlineangebote sowie das Merchandising und die Messen als "Kerngeschäft rund um unsere starken Medienmarken" - und hob dieses Teilergebnis separat hervor.
Hier konnte G+J in 2007 Umsatz und Ertrag steigern: Die Erlöse stiegen um 2 Prozent auf 2 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis (Operating Ebit) verbesserte sich um 12 Prozent auf 198 Millionen Euro. Die Rentabilität im "Kerngeschäft" stieg damit auf 9,9 Prozent (2006: 9 Prozent).
Die Verluste im Druckgeschäft und Wechselkurseffekte belasten somit die Gesamtbilanz 2007 von G+J: Der Umsatz sank um 1 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,86 Milliarden), davon wurden erneut 54 Prozent im Ausland erzielt. Das Betriebsergebnis ging um 4,7 Prozent auf 264 Millionen Euro zurück (2006: 277 Millionen). Die Umsatzrendite sank damit von 9,7 auf 9,3 Prozent. Damit ist Kundrun wieder ein Stück weiter entfernt von seiner Ziel- und Mindestrendite von 10 Prozent. Die G+J-Gesamtzahlen waren bereits am Dienstag im Rahmen der Bertelsmann-Konzerndaten bekannt geworden. Bertelsmann hält 74,9 Prozent an G+J, die übrigen 25,1 Prozent gehören der Verlegerfamilie Jahr.Bernd Kundrun: Ich bin mir sicher, dass sich unsere Qualitätsmarken mit ihrer Kraft und Kompetenz mittelfristig in vielen Segmenten durchsetzen werden
Die verlegerischen Investitionen hat G+J in 2007 noch einmal gesteigert: von 57,1 Millionen Euro in 2006 (2005: 42 Millionen) auf nunmehr 67,7 Millionen Euro. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem "Expand your Brand"-Programm, also der Verlängerung der G+J-Marken in andere Medienkanäle. Kundrun glaubt allerdings nicht, dass sich seine Strategie besonders schnell auszahlt - und stichelt in der Zwischenzeit mal wieder gegen konkurrierende Verlage, die beherzter (oder riskanter) als G+J ins Internet investieren: "Ich bin mir sicher, dass sich unsere Qualitätsmarken mit ihrer Kraft und Kompetenz mittelfristig in vielen Segmenten durchsetzen werden - auch gegenüber so manchen heute noch hoch eingeschätzten Internetunternehmen." G+J wolle weiterhin in die eigenen Marken und Segmente investieren, anstatt dreistellige Millionenbeträge für hochriskante Web-Akquisitionen aufzuwenden.
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