Verlage
30.11.2009
G+J will mit Wettbewerbern Online-Kiosk aufbauen / Kritik und Forderungen an Politik
In der Krise rückt man zusammen: Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr will, ähnlich wie Verlage in den USA dies offenbar planen, hierzulande einen gemeinschaftlichen Online-Kiosk zum Vermarkten von Medieninhalten über das Internet gründen.
"Wir brauchen eine Lösung, bei der die Angebote vieler Verlage einfach aufrufbar sind und die Nutzer diese auch einfach zahlen können", sagt G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz in der "Rheinischen Post". Dazu "wäre es schlau, wenn sich die Verleger für die erforderlichen technischen Strukturen in einem großen Rahmen austauschten". Er spreche mit dem einen oder anderen über das Thema, so Buchholz: „Da gibt es verlagsübergreifende gemeinsame Interessen, die ausgelotet werden müssen."
Alle drei Punkte - Online-Kiosk, Zukunft der "FTD" und journalistischer Vorstand - darf man als Replik über Bande lesen auf entsprechende Äußerungen von Hartmut Ostrowski, Chef des G+J-Mutterkonzerns Bertelsmann und Aufsichtsratchef von G+J. Ostrowski hatte sich in der vergangenen Woche in Hamburg, einen Steinwurf vom G+J-Hauptquartier weg, wo zur selben Zeit Buchholz und seine beiden Co-Vorstände tagten, teilweise auffallend operativ zum G+J-Geschäft geäußert: So zeigte sich Ostrowski skeptisch zur Umsetzbarkeit von Paid Content im Internet, dachte laut über eine Neubewertung des Projektes "FTD" nach und brachte das Thema journalistischer G+J-Vorstand ins Spiel.
Gegenüber der "Rheinischen Post" kritisiert Buchholz zudem die Intervention der Politik bei der Nicht-Verlängerung des Vertrages von Nikolaus Brender beim ZDF: "Der Streit um Brender bestätigt, wie froh wir sein können, große private Medienunternehmen als Korrektiv zu den öffentlich-rechtlichen Medien zu haben." Von der Politik fordert der G+J-Chef, "auf keinen Fall" die Mehrwertsteuer auf Medienprodukte vom aktuell ermäßigten Satz zu erhöhen, damit diese trotz Anzeigenrückgängen ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit bewahren könnten. Direkte Subventionen für Medien seien hingegen absolut abzulehnen. rp
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