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01.09.2010

Verlage

von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

G+J kann Werbeumsätze steigern – doch Vertriebserlöse bröckeln weiter


G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz muss dem Verlag wieder Wachstum bescheren 

G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz muss dem Verlag wieder Wachstum bescheren

Europas größter Zeitschriftenverlag
Gruner + Jahr erzielte im 1. Halbjahr 2010 wieder fast so hohe Werbeerlöse wie Vertriebsumsätze. So stiegen die G+J-Werbeeinnahmen in den ersten sechs Monaten weltweit leicht um 2,1 Prozent auf 382 Millionen Euro, während die globalen Vertriebserlöse im Vergleich zum Vorjahr abermals um 4,9 Prozent auf nur noch 385 Millionen Euro sanken. Zur Interpretation dieser Zahlen sollte man aber das Ausnahme-Krisenjahr 2009 überspringen und das 1. Halbjahr 2008 heranziehen. Im Vergleich dazu sind die Werbeerlöse 2010 um 21,4 Prozent gesunken, die Vertriebsumsätze um 9,4 Prozent.
 
Das bedeutet: Gruner + Jahrs Werbeerlöse haben sich nach dem branchentypischen starken Einbruch 2009 in diesem Jahr auf geschrumpfter Basis immerhin leicht positiv stabilisiert, doch die Vertriebserlöse bröckeln weiter und tragen somit - anders als ursprünglich mal erhofft - kaum zur Stabilisierung des Gesamtumsatzes bei. Hier liegt die Herausforderung mehr denn je darin, das richtige Maß zwischen steigenden Copypreisen und oft sinkenden Auflagen zu finden. Und wenn die Entwicklung so weitergeht, könnten die Vertriebsumsätze die Werbeerlöse bald wieder unterschreiten, wie in den Jahrzehnten vor der Krise auch. Die Gefahr dabei: Der Werbemarkt ist mittlerweile extrem volatil und damit unberechenbar.
Ein Blick in die G+J-Halbjahreszahlen, die teilweise bereits zum Wochenanfang im Rahmen der Zwischenbilanz der Konzernmutter Bertelsmann bekannt geworden sind, zeigt zudem, dass sich der Verlag vor allem mit zwei Maßnahmenbündeln zurück in die schwarzen Zahlen gespart und gerechnet hat: Zum einen stieg das operative Betriebsergebnis (Operating Ebit) gegenüber der 1. Hälfte 2009 von 55 auf jetzt 130 Millionen Euro; hier zeigen die harten Umbau- und Sparaktionen bei der G+J Wirtschaftspresse, in der Vermarktung G+J Media Sales und in der Verlagsgruppe Living („Schöner Wohnen" und Co) Wirkung.
 
Unterm Strich erzielt der Verlag nun ein Betriebsergebnis (Ebit) von 125 Millionen Euro; im 1. Halbjahr 2009 stand noch - erstmals in der G+J-Geschichte - ein Verlust in Höhe von 57 Millionen Euro in den Büchern. Der Grund für diesen Vorzeichenwechsel liegt in der zweiten Maßnahme: Alle mit dem Umbau verbundenen Einmalaufwendungen (Abfindungen, Abschreibungen) hatte G+J bereits für 2009 verbucht, so dass die damalige Zwischenbilanz unter 112 Millionen Euro (Gesamtjahr: 170 Millionen) Sonderaufwendungen ächzte. Im 1. Halbjahr 2010 hingegen belasten nur schlanke 5 Millionen Euro Einmalkosten das Ebit.
 
Nur eines kann man nicht wegrechnen: Der Halbjahresumsatz stagniert bei 1,22 Milliarden Euro, das Medienhaus wächst nicht mehr. Auch dadurch errechnet sich die G+J-Rekord-Umsatzrendite von 10,7 Prozent. Nun muss Vorstandschef Bernd Buchholz dem Verlag wieder Wachstum bescheren. Dies soll bekanntlich durch den Ausbau des Corporate Publishing, der Online-Vermarktung und des China-Geschäfts geschehen. Hinzu soll B-to-B-Information („Professional Publishing") als ganz neue Geschäftssäule kommen. Dadurch erwartet Buchholz, „sowohl im Umsatz als auch im Ergebnis langfristig zu wachsen". rp
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