Anzeigenblätter
Deutsche Post und Verleger begraben Kriegsbeil
Die Deutsche Post gibt im Konflikt um das geplante Anzeigenblatt "Online Aktuell" klein bei. Wie HORIZONT.NET aus Unternehmenskreisen erfuhr, wird der gelbe Riese das Projekt in seiner ursprünglich geplanten Form vorerst auf Eis legen.
Damit hat sich der Verband der Deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) im Konflikt mit dem Bonner Unternehmen zunächst durchgesetzt. Nach der Ankündigung der Post, mit "Online Aktuell" ein Wochenblatt in Millionenauflage zu den Themen Internet, Telekommunikation und Computer herausbringen zu wollen, hatte VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner Anfang April noch damit gedroht, "mit allen politischen, wirtschaftlichen und juristischen Mitteln" dagegen vorzugehen, da das Vorhaben nach Ansicht des Berliner Verbands gegen das Kartellrecht verstoßen hätte.
Zu einer juristischen Auseinandersetzung wird es nun offenbar gar nicht erst kommen. Wie der VDZ in einer staatstragend formulierten Mitteilung wissen lässt, wollen der Verband und die Deutsche Post nun sogar eine verstärkte Zusammenarbeit suchen, um die künftigen Herausforderungen – insbesondere im Bereich der Online-Kommunikation – besser bewältigen zu können.
So wollen Post und VDZ etwa neue Geschäftsmodelle entwickeln, in die beide Seiten die Kompetenzen aus ihren Kerngeschäftsfeldern einbringen. Geprüft werden gemeinsame Projekte zur weiteren Optimierung der Logistikketten, Aktivitäten im Bereich der Abonnement-Gewinnung, der Zielgruppenselektion und der reichweitenstarken Vermarktung. Auch neue Produkte, die den Verbrauchern die Nutzung von Zeitschriften erleichtern, sollen Thema sein.
Staatstragende Worthülsen
Friede, Freude, Eierkuchen. Wochenlang hat der VDZ den Untergang der abendländischen (Medien-)Kultur beschworen, wenn die Rede auf die Zeitungspläne der Deutsche Post kam .(Nur die Internet-Strategie der Öffentlich-Rechtlichen sorgt beim Zeitschriftenverleger-Verband für ähnlichen Zorn.) Nun sind die erbitterten Kontrahenten auf einmal beste Freunde? Wer's glaubt, wird selig. Der vom VDZ und der Post herausgegebene Pressetext ist so nebulös wie staatstragend. Das Kriegsbeil mag zwar begraben sein. Aber jeder Karl-May-Leser weiß: Kriegsbeile sind auch schnell wieder ausgebuddelt. Volker Schütz
- Medien 10. April 2008: Deutsche Post plant Anzeigenblätter / VDZ kündigt Widerstand an
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