16.01.2009
Relaunch
"Der Freitag": Jakob Augstein startet Meinungsmedium in Print und im Netz
Ab 5. Februar gibt es wieder einen Verleger namens Augstein: An diesem Tag erscheint das erste Heft der runderneuerten Wochenzeitung "Der Freitag". Der Journalist Jakob Augstein, Sohn und Miterbe des 2002 verstorbenen "Spiegel"-Gründers Rudolf Augstein, hat den kleinen Titel im Juni 2008 gekauft und bastelt seitdem am Relaunch. Bisher agiert der 41-Jährige als Geschäftsführer und "Mitglied der Chefredaktion", künftig will er als Verleger firmieren. "Es ist die einzige Rolle, in der man sich gleichzeitig der Redaktion und dem Verlag zugehörig fühlen kann", sagt Augstein gegenüber HORIZONT.NET.
Den Relaunch bezeichnet er als "Herausforderung" und "keine leichte Sache": Es gelte, "neue Leser zu gewinnen, ohne die Identität des Blattes zu gefährden und ohne die bisherigen Leser heimatlos zu machen". Ein Satz mit dem Charme einer Floskel - doch in diesem Fall stimmt es: "Freitag", 1990 entstanden aus dem Zusammenschluss der westdeutschen "Volkszeitung" und des Ost-Berliner "Sonntag", galt unter Gründungsherausgeber Günter Gaus ("Spiegel"-Chefredakteur 1969-1973) als Diskussionsforum der Linksliberalen im zusammenwachsenden Deutschland. Doch es wurde mehr diskutiert als akquiriert; 1996 kaufte eine Gruppe von Privatpersonen das damals defizitäre und verschuldete Blatt. Nach allgemeiner Wahrnehmung driftete das Blatt in dieser Zeit nach "links" ab, auf Werbung wurde konsequenterweise verzichtet. Doch immer weniger Leser wussten dies zu schätzen: Zuletzt lag die verkaufte Auflage bei nur noch 11.916 Heften (IVW III/08).
Dem Vernehmen nach beträgt die Druckauflage rund 70.000 Stück, bisher waren es knapp 16.000 Hefte. Der Umfang erhöht sich um acht auf dann 28 vierfarbige Seiten, der Copypreis bleibt bei 2,90 Euro. Verkaufserwartungen mag Augstein nicht nennen. Und warum erscheint "Freitag" donnerstags? "Die großen Magazine und Wochenzeitungen erscheinen in Deutschland nun mal am Montag und am Donnerstag. Das ist gelernt. Und wir wollen nicht versuchen, dem Leser da etwas Neues beizubringen", sagt Augstein. Eine Werbe- und PoS-Kampagne begleitet den Verkaufsstart (Agentur: Scholz & Friends, Berlin).
Doch mindestens so wichtig wie das wöchentliche Blatt soll der Netzauftritt werden. Augstein kündigt das Gesamtprojekt als "Meinungsmedium am Kiosk und im Internet" und als "echte integrierte Medienmarke" an. Vor allem die Website soll zur Plattform für "kritische Debatten und kontroverse Sichtweisen" werden. Zudem wird der gesamte Heftinhalt zur Gratisnutzung online gestellt; auch gibt es Texte, die nur im Netz zu lesen sind. Die Werbevermarktung übernimmt Hi-Media in Neuss, die Anmeldung zu IVW Online erfolgt Anfang Februar.
Die "Freitag"-Zielgruppe, bis jetzt wohl eher älteres links-intellektuelles Bürgertum, beschreibt Geschäftsführer Detlev Hustedt künftig als "souveräne Sinnsucher": Das seien Menschen, für die es einen Wert darstelle, über Wissen zu verfügen, sich Meinungen zu bilden und Haltung zu zeigen. Hustedt war früher Anzeigenleiter von "Welt" und "Woche", Geschäftsführer einer Nachrichtenagentur und zuletzt selbstständiger Berater. "Freitag"-Chefredakteur ist Philip Grassmann, zuvor "SZ"-Redakteur in Berlin. Die mittlerweile über 30-köpfige Redaktion rekrutiert sich auch aus Medien wie "taz" und Stern.de.
Wann ist der Break-even erreicht? "Wir haben Zeit", sagt der designierte Verleger. Aber natürlich: "Die Investitionen müssen irgendwann zurückkommen, um die journalistische Qualität und die verlegerische Unabhängigkeit zu sichern." Ein Satz, der durchaus glaubwürdig klingt aus dem Munde eines Mannes mit dem Nachnamen Augstein. rp
Bastian Dietz sagte am 29.01.2009 um 23:25
Betatest "der Freitag"
Hallo! Meine Bericht zum Betatest von "der Freitag" unter http://www.politikmaschine.de/?p=498 Herzliche Grüße Bastian DietzWeitere Nachrichten aus Medien vom 16.01.2009:
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