18.03.2008
Bilanz
Bertelsmann verzeichnet deutliche Gewinneinbußen
Drei Monate nach dem Amtsantritt von Vorstandschef Hartmut Ostrowski legt Europas größter Medienkonzern Bertelsmann seine Bilanz für das Jahr 2007 vor. Die Zahlen sind beileibe nicht so, wie sie sich ein frischgebackener Vorstandschef wünschen würde. Der Umsatz ging von 19,3 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf 18,8 Milliarden Euro in 2007 zurück (minus 2,8 Prozent).
Grund hierfür sind laut Bertelsmann der Verkauf des Musikverlagsgeschäfts und der schwache Kurs des US-Dollars. Deutlich geringer als 2006 fiel der Konzerngewinn aus: Bedingt durch Sondereinflüsse betrug der Gewinn im Berichtszeitraum 405 Millionen Euro, im Vorjahr waren es noch 2,5 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite erreichte erneut 9,7 Prozent. Ostrowski: "Wir haben 2007 umfassende Wertkorrekturen vorgenommen und Risiken wie die Napster-Klagen mit entsprechendem Aufwand bereinigt, um den Boden für die neue strategische Ausrichtung auf organisches Wachstum zu bereiten."
Damit bleibt noch viel Arbeit für den neuen Bertelsmann-Chef: Ostrowski hatte im Vorfeld angekündigt, bis zum Jahr 2015 den Umatz auf rund 30 Milliarden Euro erhöhen und den operativen Gewinn auf 3 Milliarden Euro steigern zu wollen.
Wachstumstreiber war 2007 erneut das Fernsehgeschäft: Die TV-, Radio- und Fernsehproduktionsgruppe RTL Group erwirtschaftete mit ihren Sendern und Produktionen 2007 ein Plus von 1,2 Prozent beim Umsatz, der auf 5,7 Milliarden Euro kletterte. Das Operating Ebit stieg um 17,1 Prozent auf 978 Millionen Euro. Gruner + Jahr hat 2007 einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro erreicht (Vorjahreswert 2,9 Milliarden Euro). Der operative Gewinn betrug 264 Millionen Euro und damit 4,7 Prozent weniger als im Vorjahr (277 Millionen Euro). Die Direct Group wies dagegen 2007 einen deutlich gesunkenen Umsatz- und Ergebnisbeitrag auf, Ostrowski schließt einen Verkauf der Unternehmenssparte nicht aus.Hartmut Ostrowski: Wir haben 2007 umfassende Wertkorrekturen vorgenommen und Risiken wie die Napster-Klagen mit entsprechendem Aufwand bereinigt
Nach dem Rückkauf der 25,1-prozentigen Beteiligung der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) im Jahr 2006 war die Verschuldung von Bertelsmann auf Rekordniveau angestiegen. Im Jahr 2007 wurden die Finanzschulden auf rund 6,3 Milliarden Euro zurückgeführt (Vorjahr: 6,8 Milliarden Euro). Da der Konzern in diesem Jahr die Darstellung seiner wirtschaftlichen Finanzschulden umstellt, und künftig unter anderem auch Leasingverbindlichkeiten hinzuzählen, liegt der dadurch ermittelte neue Schuldenstand bei 7,7 Milliarden Euro. Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe: "Bertelsmann hat die aus unserer Sicht angemessene Verschuldungshöhe erreicht."
Für 2008 rechnet Bertelsmann mit einem moderaten Umsatzanstieg. Das operative Ergebnis werde auf oder leicht über dem hohen Niveau von 2007 liegen. Der Konzerngewinn 2008 werde durch den Wegfall von Sondereffekten deutlich zulegen.
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