Bilanz
24.03.2009
Bertelsmann spürte Krise schon 2008 / Vorstand verzichtet auf die Hälfte seines Gehaltes
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24.03.2009
Daher gelte es 2009 vor allem, „die bestehenden Geschäfte zu sichern und unsere Liquidität zu halten", so der CEO. Dies schließe weitere „Optimierungsmaßnahmen" und „äußerste Kostendisziplin" ein. Möglicherweise um entsprechende Gespräche konzernweit für alle Mitarbeiter einzuleiten, verkündete Ostrowski für den gesamten Bertelsmann-Vorstand für 2009 einen Verzicht auf Tantiemen-Ansprüche. Dadurch würde jeder der bisher fünf Vorstandsmitglieder auf mindestens die Hälfte seines Einkommens verzichten, hieß es.
Doch diese Zahlen zeigen nicht das ganze Ausmaß des Umsatz- und Ergebnisrückgangs: Bertelsmann hat im vergangenen Jahr seine 50-Prozent-Beteiligung am Musik-Joint-Venture Sony BMG sowie große Teile seines Buchclub-Geschäfts verkauft; dadurch fehlen dem Konzern in der Bilanz 2008 rund 2,7 Milliarden Euro Umsatz (Basis: 2007). Tatsächlich ist der Umsatz 2008 gegenüber 2007 also um 14,1 Prozent zurückgegangen und das Operating Ebit um 13,4 Prozent. Immerhin hat sich die Trennung von den unprofitablen US-Buchclubs positiv auf die Umsatzrendite des Konzerns ausgewirkt - diese lag im vergangenen Jahr eigentlich ebenfalls bei nur 9,7 Prozent.
Vorboten der Medienkrise stecken vor allem im Bilanzposten „Sondereinflüsse", die den Gewinn vor Finanzergebnis und Steuern (Ebit), der 2008 bei 892 Millionen Euro und damit ein Drittel unter dem Vorjahreswert (1,3 Milliarden) lag, um 676 Millionen Euro (2007: 409 Millionen) stark minderten.
Hierzu zählten außerordentliche Abschreibungen auf gesunkene Firmenwerte (502 Millionen Euro), etwa beim britischen TV-Sender Five (337 Millionen Euro), bei der Direct Group in Frankreich und Portugal (71 Millionen), bei RTL-Radio in Deutschland (34 Millionen) und bei Arvato, sowie Abfindungen und weitere Restrukturierungsaufwendungen zwecks „Ergebnisvorsorge für 2009" (Finanzvorstand Thomas Rabe), etwa bei G+J (35 Millionen Euro) und Random House (51 Millionen), in Höhe von insgesamt 173 Millionen Euro. Dadurch fiel auch der Konzerngewinn um ein Drittel auf nur noch 270 Millionen Euro (2007: 405 Millionen) und liege damit „deutlich unter unseren Erwartungen" (Rabe). Der Schuldenstand sank um 1,1 Milliarden Euro auf - immer noch hohe - 6,6 Milliarden Euro. Die Liquidität des Konzerns sei bereits jetzt über das Jahr 2010 hinaus gesichert, sagte Rabe.
Die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf Konsumverhalten und Werbebuchungen stelle besonders in den werbemarktabhängigen Geschäften eine „Belastung" für den Konzern dar, so Ostrowski. Die größte Konzernsparte RTL hatte ihre Zahlen bereits Mitte März gemeldet. Bei Gruner + Jahr ging der Umsatz um 2,2 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro und das operative Ergebnis um fast 15 Prozent auf 225 Millionen Euro.
Investiert hat Bertelsmann 2008 rund 1,1 Milliarden Euro, davon mehr als ein Viertel in Zukäufe (Mehrheitsbeteiligung an der griechischen TV-Gruppe Alpha Media; Kauf des spanischen Call-Center-Betreibers Qualytel durch Arvato").
Diesen Wert könnte der Konzern in 2009 unterschreiten. Ostrowski revidierte erneut sein sportliches Wachstumsziel bis 2015 (30 Milliarden Euro Umsatz bei 3 Milliarden operativem Gewinn), das er bei seinem Amtsantritt vor über einem Jahr ausgegeben hat: „Wir werden 2009 ein Pausenjahr einlegen. Ein organisches Wachstum von jährlich etwa 4 Prozent ist uns wichtiger als eine absolute Umsatzzahl." Daher könne es sein, dass man die Wachstumsziele „etwas später" erreiche: „Aber wir werden sie erreichen", so Ostrowski. rp
Die Geschäftsbereiche von Bertelsmann im Überblick:
Das Unternehmen
RTL Group
Gruner + Jahr
Arvato
Random House
Direct Group
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