26.08.2009
Bilanz
Bertelsmann-Cash-Cow RTL schreibt Verlust
Trotz des rigiden Sparkurses rutscht die RTL Group, Bertelsmanns wichtigster Ergebnisbringer, im 1. Halbjahr 2009 in die roten Zahlen. Der TV-Konzern mit Sitz in Luxemburg schreibt einen Verlust von 62 Millionen Euro - nach 391 Millionen Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum.
Für das Gesamtjahr rechnet RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler jedoch mit schwarzen Zahlen. In den ersten sechs Monaten musste die RTL Group beim Umsatz einen Rückgang von fast 10 Prozent hinnehmen und kommt auf 2,588 Milliarden Euro. Das Reported Ebita sinkt um satte 36,7 Prozent auf 318 Millionen Euro. Im mit Abstand wichtigsten Markt Deutschland verbucht RTL einen Rückgang von 25,5 Prozent.
Schäferkordt hat die Kosten bereits deutlich reduziert: Die operativen Kosten der RTL Mediengruppe sanken um 15 Prozent beziehungsweise 97 Millionen Euro. Deutschland steuert damit im 1. Halbjahr den Löwenanteil zu dem von Konzernchef Zeiler im Frühjahr angekündigtem Sparprogramm bei. Europaweit hat die Gruppe die Kosten um insgesamt 198 Millionen Euro reduziert.
Dabei ist Schäferkordt vergleichsweise leise vorgegangen. Eine große Entlassungswelle wie bei RTL in den Niederlanden oder Großbritannien ist hierzulande ausgeblieben. Stattdessen hat die Deutschlandchefin vor allem das Programm ausgemistet und setzt verstärkt auf sichere Quotenbringer und mehr Wiederholungen außerhalb der Primetime.
Auch wenn der Großteil der Einsparungen aus dem Programm kommt, hat RTL keine Zuschauermarktanteile verloren. In Deutschland ist der Sender RTL das meist gesehenste Programm bei den 14- bis 49-Jährigen. Auch die kleineren Sender Vox und N-TV stehen stabil im Markt. Insgesamt liegen die Sender um 4,5 Prozentpunkte über denen von Pro Sieben Sat 1, zu dem auch N24 und Kabel Eins gehören.
Für die nächsten Monate erwartet Zeiler keine Erholung des Marktes und will den Sparkurs daher weiter beibehalten. "Angesichts der Marktgegebenheiten müssen wir unsere Produktions- und Akquisitionskosten deutlich senken und unsere Prozesse effizienter strukturieren", so Zeiler - und zwar, ohne im Zuschauermarkt zu verlieren. "Das ist eine große Herausforderung, aber machbar", sagt er. Bereits im März hatte Zeiler angekündigt, dass er von dauerhaft niedrigeren Erlösen im Kerngeschäft, dem TV-Werbemarkt, ausgeht und deshalb alle Senderchefs aufgefordert, die Kosten dauerhaft zu senken. Beobachter gehen von einer Kostenbasis aus, die um 15 bis 20 Prozent unter der von 2008 liegt.
Für die RTL-Mutter Bertelsmann dürften die Zahlen ihrer Tochter ein herber Schlag sein. Traditionell trägt der TV-Arm, an dem Bertelsmann rund 90 Prozent der Anteile hält, einen großen Anteil zu Umsatz und Gewinn von Europas größtem Medienkonzern bei, der auf einem Schuldenberg von 6,716 Milliarden Euro sitzt (Stand: 31. März 2009). Diesen zu reduzieren, dürfte den Güterslohern schwer fallen, wenn die Zahlungen aus Luxemburg, die in den vergangenen Jahren überaus üppig waren, ausbleiben. 2008 lag das operative Ergebnis von Bertelsmann bei 1,568 Milliarden Euro, das der RTL Group bei 927 Millionen Euro. Beim Gewinn hatte RTL 2008 gar 296 Millionen Euro ausgewiesen, Bertelsmann nur 270 Millionen Euro. pap
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