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29.10.2009

Bilanz

von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

Bauer wächst nur durch Auslandszukäufe / Appell für Paid Content


Heinz Bauer erwartet schwieriges Jahr 2010 

Heinz Bauer erwartet schwieriges Jahr 2010

Die Bauer Media Group in Hamburg rechnet fürs kommende Jahr mit sinkenden Umsätzen und einem stagnierenden Gewinn. Das bekräftigte Großverleger Heinz Bauer am Rande seiner Bilanzpräsentation gegenüber HORIZONT.NET. In diesem Jahr hingegen sorgen allein Großakquisitionen im Ausland noch für eine Ergebnissteigerung.

"Diese Entwicklung wird sich in 2010 nicht wiederholen", schreibt Bauer in seinem Geschäftsbericht. Frühstens "Ende 2010" rechnet er wieder mit einer Umsatz- und Ertragsverbesserung.
 
Hofft auf Paid Content: Bauer-Geschäftsleiter Andreas Schoo 

Hofft auf Paid Content: Bauer-Geschäftsleiter Andreas Schoo

In diesem Jahr wächst Bauer nur noch durch Zukäufe im Ausland: Für 2009 rechnet Bauer zwar mit einem Umsatzzuwachs von 275 Millionen auf knapp 2,1 Milliarden Euro (plus 15,4 Prozent) – dies aber nur deshalb, weil nun erstmals die Umsätze der britischen Verlagstochter Bauer Media (ehemals Emap) in der Bilanz berücksichtigt sind. Mit der Übernahme der Magazin- und Radiosparte des britischen Verlags Emap hatte sich Bauer Anfang 2008 mehrere hundert Millionen Euro (Auslands-) Umsatz hinzugekauft. Dadurch steigen Bauers Auslandsumsätze um über ein Drittel (36,6 Prozent) auf voraussichtlich 1,18 Milliarden Euro in 2009. Mit einem Anteil von 57 Prozent trägt das Ausland (vor allem USA, England, Polen) damit erstmals mehr zum Gesamtumsatz bei als das Deutschland-Geschäft.
Hierzulande dagegen regieren nach wie vor die Minuszeichen: Angesichts des „weiterhin rückläufigen Gesamtabsatzes bei Publikumszeitschriften“ rechnet Bauer in Deutschland mit einem Umsatzrückgang von 4,5 Prozent auf 883 Millionen Euro (2008: 925 Millionen Euro; 2007: 979 Millionen Euro). Bauers Gesamtumsatz betrug im vergangenen Jahr – ohne die Emap-Umsätze – wie prognostiziert 1,79 Milliarden Euro, das waren 1,4 Prozent weniger als 2007 (1,81 Milliarden). Der Anteil der Anzeigenerlöse des traditionell vertriebslastigen Verlags belief sich auf 20,4 Prozent (365 Millionen Euro) und wird 2009 durch den Emap-Kauf auf geschätzt 29 Prozent ansteigen. Die Bauer Media Group publiziert weltweit 308 Zeitschriften. Auf dem deutschen Markt erscheinen 46 Titel. Die Mitarbeiterzahl stieg weltweit von 6600 auf 6970 Personen. In Deutschland sank die Zahl hingegen deutlich von 3300 um ein Fünftel auf 2600 Personen - und wird wegen der bevorstehenden Schließung der Druckerei in Köln wohl um weitere 300 bis 400 Mitarbeiter sinken.
 
Bauer-Geschäftsleiter Andreas Schoo nutzte die Bilanzpräsentation zudem für einen flammenden Appell für Paid Content im Internet: "Kostenlose journalistische Qualitätsinhalte können auf Dauer nicht funktionieren. Wir werden alles daransetzen, dass hier ein Umdenken stattfndet." Er verwies auf die Musikindustrie: Dort sei der ehemalige "Raubritter Napster" als kostenlose Musiktauschbörse vom Markt verschwunden, als vor allem Apple Pay-Geschäftsmodelle etabliert habe. "Ich habe die hohe Hoffnung, dass etwas Ähnliches mittelfristig auch für ehemalige Print-Inhalte funktioniert." Und Schoos Hoffnungen ruhen "auch hier mal wieder" auf neuen Apple-Techniken.
 
Erstmals auf dem Geschäftsleiter-Podium saß die zweitjüngste Verlegertochter Yvonne Bauer. Sie war im Juni in das Gremium aufgestiegen und gilt seitdem als die künftige Verlegerin. Ebenfalls seit Sommer ist bekannt, dass Bauer den Generationenübergang gesellschaftsrechtlich mit der Gründung neuer GmbHs eingeleitet hat. rp
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