Bilanz
Bauer wächst nur durch Auslandszukäufe / Appell für Paid Content
Die Bauer Media Group in Hamburg rechnet fürs kommende Jahr mit sinkenden Umsätzen und einem stagnierenden Gewinn. Das bekräftigte Großverleger Heinz Bauer am Rande seiner Bilanzpräsentation gegenüber HORIZONT.NET. In diesem Jahr hingegen sorgen allein Großakquisitionen im Ausland noch für eine Ergebnissteigerung. "Diese Entwicklung wird sich in 2010 nicht wiederholen", schreibt Bauer in seinem Geschäftsbericht. Frühstens "Ende 2010" rechnet er wieder mit einer Umsatz- und Ertragsverbesserung.
In diesem Jahr wächst Bauer nur noch durch Zukäufe im Ausland: Für 2009 rechnet Bauer zwar mit einem Umsatzzuwachs von 275 Millionen auf knapp 2,1 Milliarden Euro (plus 15,4 Prozent) – dies aber nur deshalb, weil nun erstmals die Umsätze der britischen Verlagstochter Bauer Media (ehemals Emap) in der Bilanz berücksichtigt sind. Mit der Übernahme der Magazin- und Radiosparte des britischen Verlags Emap hatte sich Bauer Anfang 2008 mehrere hundert Millionen Euro (Auslands-) Umsatz hinzugekauft. Dadurch steigen Bauers Auslandsumsätze um über ein Drittel (36,6 Prozent) auf voraussichtlich 1,18 Milliarden Euro in 2009. Mit einem Anteil von 57 Prozent trägt das Ausland (vor allem USA, England, Polen) damit erstmals mehr zum Gesamtumsatz bei als das Deutschland-Geschäft.
Bauer-Geschäftsleiter Andreas Schoo nutzte die Bilanzpräsentation zudem für einen flammenden Appell für Paid Content im Internet: "Kostenlose journalistische Qualitätsinhalte können auf Dauer nicht funktionieren. Wir werden alles daransetzen, dass hier ein Umdenken stattfndet." Er verwies auf die Musikindustrie: Dort sei der ehemalige "Raubritter Napster" als kostenlose Musiktauschbörse vom Markt verschwunden, als vor allem Apple Pay-Geschäftsmodelle etabliert habe. "Ich habe die hohe Hoffnung, dass etwas Ähnliches mittelfristig auch für ehemalige Print-Inhalte funktioniert." Und Schoos Hoffnungen ruhen "auch hier mal wieder" auf neuen Apple-Techniken.
Erstmals auf dem Geschäftsleiter-Podium saß die zweitjüngste Verlegertochter Yvonne Bauer. Sie war im Juni in das Gremium aufgestiegen und gilt seitdem als die künftige Verlegerin. Ebenfalls seit Sommer ist bekannt, dass Bauer den Generationenübergang gesellschaftsrechtlich mit der Gründung neuer GmbHs eingeleitet hat. rp
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