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08.07.2008

Konjunktur

BDZV greift die Post an / Zeitungen leiden unter Anzeigenrückgang


BDZV-Chef Dietmar Wolff sieht kein Ende der Werbeflaute 

BDZV-Chef Dietmar Wolff sieht kein Ende der Werbeflaute

BDZV-Chef Dietmar Wolff greift die Post erneut für ihre Pläne an, Gratistitel auf den Markt zu bringen. "Es wäre skandalös, wenn sich unter der Schirmherrschaft der Politik ein ,Deutscher Post-Verlag` gründet“, so Wolff.
 
Während VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner gegen eine mögliche Kooperation von Post und Verlagen (HORIZONT 26/2008) nichts einzuwenden hätte, bleibt Wolff ablehnend: Es sei unerheblich, ob die Post ihre Pläne letztlich allein durchsetze, oder Verlage als Dienstleister an ihrer Seite habe. „Letztendlich wird sich die Post doch als Verleger aufstellen“.

Zoff vorprogrammiert

Zwischen den Printverlegern bahnt sich ein handfester Streit ein, der Medienstammtischen viel Gesprächsstoff, Journalisten viel Schreibstoff liefern wird. Die Post plant bekanntlicherweise, mit Hilfe einiger ausgewählter Verlage diverse Gratistitel auf den Markt zu bringen. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) findet diese Idee seit kurzem ausgesprochen gut, der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) findet das Vorhaben nach wie vor hinterhältig und gemein. Für die Zeitungsverleger ist die Post das, was Google laut Martin Sorrell für Agenturen ist: ein „Frenemy", kurzfristig ein Freund, mittelfristig ein Feind. Dass der VDZ mit dem Feind gemeinsame Sache macht, ist aus BDZV-Sicht ein Super-GAU. Immerhin kann der Zoff in den eigenen vier Wänden ausgetragen werden: Beide Verbände residieren im Haus der Presse in Berlin - das wird von Bloggern in ferner Zukunft möglicherweise als das Haus, in dem der Streit der der toten Holzindustriellen tobte, erinnert werden. vs

Wolffs ablehnende Haltung ist verständlich, haben die Zeitungen in Deutschland doch mit einer Anzeigenflaute zu kämpfen. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres ist das Werbevolumen im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent zurückgegangen, teilt der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) mit.
 
"Unser Medium leidet ebenso wie andere klassische Werbeträger unter einer Werbeflaute", so Wolff. "Wir müssen davon ausgehen, dass sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzt".
 
Vor allem der Handel hat seine Budgets stark eingeschränkt: Bei den Geschäftsanzeigen verbuchten die Zeitungen einen Rückgang von 2 Prozent. Grund für das schwächelnde Print-Anzeigengeschäft seien neben der allgemein rückläufigen Konjunktur auch steigende Werbeinvestitionen bei Online-Medien.
 
Die Zeitungsauflagen sind im ersten Quartal um 1,85 Prozent gesunken. Die Umsätze stiegen insgesamt um 0,5 Prozent - damit liegt das Wachstum allerdings unter dem Inflationsniveau.
 
Mit der Entwicklung der Zeitungsreichweiten im Internet zeigt der BDZV sich indes zufrieden: Innerhalb eines Jahres hätten die Verlage die Zahl der regelmäßigen Nutzer um vier Prozent auf 15,5 Millionen gesteigert.
 
Mehr zu diesem Thema lesen Sie in HORIZONT 28/2008, die am Donnerstag, 10. Juli erscheint.
 

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