Konjunktur
13.07.2010
BDZV: Talsohle im Zeitungsmarkt nicht in Sicht
Das Krisenjahr 2009 war für die Zeitungsbranche das schwerste in der jüngeren Geschichte. Im Anzeigengeschäft mussten die Verlage vor allem aufgrund der Rezession insgesamt ein Minus von 15,9 Prozent (700 Millionen Euro) hinnehmen. Immerhin konnte dieser Einbruch durch den Anstieg der Vertriebsumsätze von 2,3 Prozent (101 Millionen Euro) zumindest etwas abgefedert werden, sodass sich das Gesamtergebnis um 7 Prozent (rund 640 Millionen Euro) verringerte. Der Gesamtumsatz lag 2009 bei 8,46 Milliarden Euro. Dies hat der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) heute bei seiner Jahrespressekonferenz in Berlin bekannt gegeben.
Für 2010 kann der Verband trotz einer leichten konjunkturellen Aufhellung noch keine Entwarnung geben. Laut BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff liegen die Anzeigenumfänge im 1. Halbjahr im einstelligen Minusbereich. Wann die Talsohle endlich durchschritten sein wird, will er nicht prognostizieren. Mit großer Sorge beobachtet Wolff die Experimente der Handelsunternehmen Aldi und Schlecker, ihre Printbudgets zu kürzen. Dennoch gibt er sich optimistisch. Er geht davon aus, dass die Discounter wieder zurückkehren, da sie nicht auf die Zeitungen als Abverkaufsmedium verzichten könnten.
Darüber hinaus wiederholte Wolff bei der Pressekonferenz seine Forderungen an die Politik. Gerade vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Verlage wieder verstärkt auf Bezahlinhalte im Web setzen, kritisiert er die Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Netz. Mit ihren gebührenfinanzierten Online-Auftritten konterkarierten sie jede Marktentwicklung. "Es ist ein Skandal, dass die Rundfunkräte den presseähnlichen Angeboten grünes Licht geben und den Drei-Stufen-Test damit zur Farce machen", so Wolff. Die Zeitungsverleger würden mit allen ihnen zur Verfügung stehenden
juristischen und politischen Mitteln Front gegen diese Praxis machen.
Zudem forderte er von der Regierung erneut, den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Presseerzeugnisse von sieben Prozent nicht anzutasten. "Zeitungen sind wie Lebensmittel. Sie sichern die Teilhabe und den Diskurs in einer pluralistischen und demokratisch verfassten Gesellschaft", begründet Wolff. Beim Thema Leistungsschutzrecht sieht er eine greifbare Chance auf Veränderung. Ende Juni haben der BDZV und Verband Deutscher Zeitschriftenverleger an einer Anhörung im Bundesjustizministerium teilgenommen. Wolff rechnet damit, dass bereits im Herbst ein erster Entwurf für einen Gesetzestext vorgelegt wird. bn
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