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Werberat: Mehr Beschwerden über weniger Kampagnen


Gerügt: Die Anzeige von Intergenia 

Gerügt: Die Anzeige von Intergenia

Mit 1985 Beschwerden lag die Zahl der Zuschriften aus der Bevölkerung an den Werberat im Jahr 2002 dreimal so hoch wie im Jahr zuvor. Allerdings entfielen allein auf eine einzige Werbekampagne weit über 1000 Beschwerden. Insgesamt musste der Werberat über 270 einzelne Werbeauftritte entscheiden - 11 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Bei rund einem Drittel schloss sich der Werberat den Kritikern an. In 81 beanstandeten Fällen wurde die Sujets entfernt oder geändert.

In der Jahresbilanz des Gremiums hat vor allem "eine Protestwelle, die es in den drei Jahrzehnten Werberat so noch nicht gegeben hat", so der Werberat-Vorsitzende Jürgen Schrader, das Bild verfälscht. Grund der Aufregung war eine Kampagne der "Bild"-Zeitung mit leicht bekleideten Frauen und anzüglichen Sprüchen wie "Mittags krieg ich Hunger. Auf Sex." Weil allerdings die Kampagne für ein redaktionelles Angebot warb, galt auch für die Werbung die Pressefreiheit.

Immerhin gleich zwei Rügen erteilte der Werberat aber dem Schweizer Hersteller von Fleisch-Maschinen Dorit, der für seine Geräte unter der Überschrift "Best ham" mit einem nackten Frauenpo und der Copy "Jeder Schinken braucht die korrekte Behandlung" geworben hatte. Öffentlich getadelt wurde auch die Firma D & W. Sie pries Autozubehör mit dem Bild einer aufreizend posierenden Frau und dem Satz "Lecken verboten" an. Eine öffentliche Rüge kassierte eine Anzeige von Intergenia. Die Werbung für Internetaktivitäten war garniert mit einem kopulierenden Paar und der Frage "Habt Ihr kein Zuhause?". Den Vorwurf der Verharmlosung von Gewalt muss sich in einer öffentlichen Rüge MTV für ein Zeitschriftenmotiv, das einen Tritt in die Genitalien zeigte, gefallen lassen. Auch die Autovermietung Sixt wird gerügt, weil sie in einem TV-Spot Preisverhandlungen mit einer Pistole im Mund des Mitarbeiters darstellte.

Positiv registrierte der Werberat, dass die Zahl der Provokation trotz Wirtschaftsflaute und Werbekrise weiter zurückgegangen sei. Deutlich zugenommen haben im vergangenen Jahr indes die Beschwerden über Werbeaktivitäten der Hersteller von Lebens- und Genussmitteln. Mit 31 kritisierten Aktivitäten (Vorjahr: 23) liegt die Branche an der Spitze. An zweiter Stelle folgen die Medienunternehmen - trotz "Bild"-Kampagne allerdings mit rückläufiger Tendenz (30 Fälle gegenüber 35 im Jahr 2001). ork

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