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18.11.2009

Airlines

von Michael Reidel,
Ressortleiter Marketing

"Strategischer Fehler": Markenexperte kritisiert neue Billig-Strategie der Lufthansa


Die Lufthansa fährt den Service herunter

Die Lufthansa fährt den Service herunter

Am Dienstag stellte der stellvertretende Lufthansa-Konzernchef Christoph Franz Mitarbeiter und Kunden auf sparsame Zeiten ein. Die Passagiere der Kranich-Airline sollen künftig unter anderem auf Europastrecken enger zusammenrücken und auf die eine oder andere Service-Leistung verzichten. Mit Harald Jossé meldet sich bereits am Mittwoch der erste Markenexperte zu Wort - und spart nicht mit Kritik.
 
Für den Chef des Frankfurter Instituts für Markencontrolling Brand Control ist die geplante Anlehnung an die Konzepte der Billigflieger ein entscheidender strategischer Fehler: "Mit der Reduzierung des Services und Komforts verletzt die Lufthansa ihr entscheidendes Differenzierungsmerkmal – nämlich den Premiumfaktor – gegenüber den Billigfliegern", ist Jossé überzeugt.
Ziel der neuen Lufthansa-Strategie ist es, den Wettbewerbern wie Air Berlin oder Ryanair stärker Paroli zu bieten, Kosten zu sparen und verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Ob genau das gelingt, bezweifelt Jossé. Er ist überzeugt, dass die Lufthansa damit lediglich ihre verbliebenen Stammkunden auch noch an die Billigflieger verlieren wird. "Wer die Hand, die ihn füttern soll, beisst, wird erleben, dass ihn diese Hand nicht mehr füttert", warnt Jossé davor, Einsparungen zu Lasten der Kunden vorzunehmen.
 
Aus seiner Sicht hat die Lufthansa zwei Kernkompetenzen: „Sicherheit und Qualität im Sinne von Komfort und Convenience.“ Da Sicherheit in der Luftfahrt ein absolutes Muss sei, bleibe als einziges Asset der Lufthansa der Komfort übrig. Dieser bestehe bei der Lufthansa aus gut geschultem und höflichem Personal und Services an Bord. Würde die Lufthansa dies aufgeben, wäre dies aus Sicht Jossés für die Marke fatal: „Sie verliert ihre Identität und ihre Daseinsberechtigung." mir
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Leser-Kommentare zu diesem Artikel (7)
Peter Blähser sagte am 18.11.2009 um 17:50

Sinkflug

Harald Jossé hat recht. Ich würde es nur noch deutlicher aussprechen: Die Lufthansa ist mit der neuen Strategie von allen guten Geistern verlassen worden.In schwierigen Zeiten können neben Billiganbietern nur Premiummarken überleben.
Günther Dilly sagte am 18.11.2009 um 18:14

Der kleine Unterschied kann groß sein

Harald Jossé kann man in der Tat nur zustimmen: Wer häufiger fliegt, lernt den Unterschied zwischen Lufthansa und anderen Airlines schnell kennen. Vor allem das höfliche und professionelle Personal kann man nur loben. Das wird durch die Zuverlässigkeit der Lufthansa noch unterstrichen. Wenn ich also demnächst in engen Maschinen sitzen und auf guten Service verzichten muss, wo ist dann noch der Unterschied? Ich bin gespannt!
Martin Grudzinski sagte am 18.11.2009 um 22:38

Klippschulmarketing

Herr Franz hat sich schon mal im Marketing versucht, als er bei der Bahn ein neues Tarifsystem einführen wollte. Das scheiterte allerdings kläglich am Widerstand der Kunden und Franz musste gehen. Gelernt hat er aber nichts.
Heinz Leuters sagte am 19.11.2009 um 11:45

persönliches Leid ...

... könnte man die Erfahrung dieser Woche in Sachen LH nennen - mit dem Canadair Regionaljet von Düsseldorf nach Warschau und zurück: rein in die ´Angströhre´ (die Cockoit Crew nennt das Ding auch Panic Room), benötigtes Handgepäck draussen abgegeben, Anstellen beim Hinsetzen, auf Tuchfühlung mit dem Sitznachbarn sitzen; nicht wirklich ´LH like´. Kosten aber ? 750 hin/zurück Economy. Dann doch lieber heute morgen mit easyjet nach London ? 110 hin/zurück - aber das weiss ich wenigsten was ich kriege und brauch´ mich nicht ärgen.
Bernd Rahmig sagte am 19.11.2009 um 12:35

Service??

Bin häufig innereuropäisch mit der Lufthansa unterwegs, mir stellt sich die Frage, wo der Service noch weiter eingeschränkt werden kann? Ich kann keinen besseren Service erkennen: Online einchecken und buchen, Servicecharge für alles Erdenkliche, lange Schlangen an den Schaltern... oder ist hiermit evtl. die Tasse Kaffee im Flieger gemeint, die es noch kostenlos gibt, dafür zahlt man aber auch den mindestens doppelten Ticketpreis
Stefan Gessenich sagte am 20.11.2009 um 15:18

Den Teufel den ich rief...

werden Lufthansa und die Fraport AG nicht mehr los. In der derzeitigen Wirtschaftskrise ist deutlich erkennbar, dass die Lufthansa AG Ihre Slots am Frankfurter Flughafen nicht mehr füllen kann. Kaum gibt die Kranichlinie hiervon etwas ab, ist sofort die Billigkonkurenz da und erobert Marktanteile. So jüngst geschehen durch Air Berlin auf der Strecke Frankfurt/Hamburg. Dies kann noch als wenig aufregende Marktverschiebung ad akta gelegt werden. Aber wie sieht es künftig aus, wenn der Frankfurter Flughafen massiv seine Kapazitäten erweitert und damit natürlich auch die Konkurenz für den Platzhirschen Lufthansa in ganz andere Dimensionen steigen wird. Über das hinaus hat der Vorstandsvorsitzende Schulte (Fraport AG) schon angekündigt mit der Inbetriebnahme der Nord-Westbahn den Low-Cost-Verkehr am Frankfurter Flughafen deutlich steigern zu wollen. Hinzu kommt die weiterhin massive Förderung der Flughäfen Hahn und Kassel-Calden, beide im unmittelbaren Einzugsgebiet des Frankfurter Flughafens und damit auch der Lufthansa (ein eindeutiger Hinweis auf die politische Planlosigkeit der Koch-Regierung, egal ob mit oder ohne FDP). Die schon fast hilflos wirkende Antwort der Lufthansa AG ist die Ankündigung eines Preiskampfes, den Sie nicht gewinnen kann. Herr Franz sollte hiervon lieber die Finger lassen, ansonsten droht die Lufthansa AG zwischen Ausbauwahnsinn, politischen Fehlentscheidungen, gnadenloser Konkurenz auf den Billigstrecken und deutlich besseren Angeboten anderer Airlines auf den Premiumstrecken zermahlen zu werden. Nun rächt sich der Ruf der Lufthansa nach unendlichen Kapazitäten, da genau hiermit die Konkurenz ein deutsches Traditionsunternhemen zerfleischen wird. Schade eigentlich.
Dieter Faulenbach da Costa sagte am 20.11.2009 um 17:54

Dipl.-Ing. Architekt

Wie eine gut eingeführte Marke platt gemacht wird Lufthansa als Billigheimer? Wohl eher die kruden Gedanken eines Managers der nur in Quartalszahlen, aber nicht langfristig strategisch, denkt. Für den LCC-bereich sollte eine eigene Firma gegründet, doer eine bestehende entwickelt werden. Lufthansa sollte sich zu Prämiummarke im Luxussegment entwickeln. Nur so wird ein Überleben der Lufthansa sichergestellt. Wer einen Konzern auf Kosten der Arbeitnehmer sanieren will, macht schon den ersten Fehler auf dem Weg zum Ruin.

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