29.06.2011
Imagepanne
Sex-Skandal: Ergo sagt auf Anzeigen Sorry - und erntet Kritik
Der Sex-Skandal bei der Vertriebstochter HMI bescherte dem Versicherungsriesen Ergo im Mai massenweise Negativ-Schlagzeilen. Nach Bekanntwerden der Lustreise, die die HMI 2007 für mehrere hundert Vertriebspartner nach Budapest organisiert hatte, verordnete sich Ergo sogar eine wochenlange Werbepause, betete den Erfolg der eigenen Werbung klein und verschärfte seine Compliance-Regeln. Jetzt wendet sich das Unternehmen an die Öffentlichkeit.
Auf ganzseitigen Anzeigen, die in großen Tages- und Wirtschaftszeitungen wie der "Financial Times Deutschland", dem "Handelsblatt", der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" erscheinen, nimmt Ergo zu verschiedensten Vorwürfen Stellung. Dabei geht es neben der von der HMI durchgeführten "Incentive"-Reise nach Budapest auch um die fehlerhaften Riester-Formulare, die mutmaßlichen Beratungsfehler und die kompromittierenden Fotos von Handelsvertretern der Versicherung bei "seltsam anmutenden Trinkspielen" (Ergo), die die "Bild"-Zeitung seinerzeit unter der Headline „Hier kokst der Kollege von Herrn Kaiser" veröffentlichte.
In der Fachwelt kommt die Entschuldigungsanzeige von Ergo nicht gut an. Volker Klenk, Managing Partner bei Klenk & Hoursch, findet das Motiv nicht vertrauensbildend, sondern irritierend. Der PR-Experte kritisiert, dass sich Ergo nicht geradeheraus für seine Fehler entschuldigt, sondern nur über Maßnahmen redet. Das sei "viel zu technokratisch". Auch die Tatsache, dass die Anzeige keinen Absender hat, also niemand konkret Verantwortung übernimmt, stößt Klenk übel auf. "Hier spricht ein Logo zu mir. Zu solch sensiblen Themen?" In einer Vertrauenskrise braucht es aus Sicht von Klenk organisatorische Transparenz. "Es muss klar sein, wer für welche Themen zuständig ist. Leider entsteht durch die Anzeige so noch mehr Distanz", glaubt Klenk.
Unabhängig davon wird Ergo in wenigen Tagen den Werbemotor wieder voll auf Touren bringen. Anfang Juli endet die selbstverordnete Werbepause - und die von Aimaq & Stolle in Berlin entwickelten Commercials mit dem Claim "Versichern heißt verstehen" gehen wieder auf Sendung. mas
- Marketing 3. Juni 2011: Ergo macht vier Wochen Werbepause
Bob Draper sagte am 29.06.2011 um 11:19
Schlimmer geht immer
Wenn Menschen fehler machen, unternehmen sie etwas und entschuldigen sich in der Regel. Punkt. Was soll also diese pseudokreative Headline? Die Ergo-Nummer hält noch ein Weilchen an und wird vermutlich von weiteren Geschichten flankiert. Apropos: wie belohnt eigentlich PWC seine Indianer? B.
Jörg Bomhardt sagte am 29.06.2011 um 11:43
Das Allerletzte!
Das soll eine Entschuldigung sein? Lächerlich, hätte die Anzeige begonnen mit einem Satz, der evtl. folgendermaßen gelautet hätte: "Sorry, wir haben Sch... gebaut! Hiermit entschuldigen wir uns..." oder ähnliches, wären da sicherlich Sympathien entstanden, aber so? Und Betriebsinterna haben da eh nichts zu suchen! Aber so? Nein Danke!
Bengt Larrson sagte am 29.06.2011 um 13:18
Einfach nur peinlich.
In der Imagewerbung hat Ergo vor ein paar Wochen noch erzählt, dass kein Kunde Versicherungs-Kauderwelsch braucht. Und jetzt schalten die zu diesem Thema eine Anzeige in - genau: Versicherungs-Kauderwelsch. Bloß nicht konkret werden, die eigenen Fehler nicht beim Namen nennen. Was außerdem auffällt: Bei einem derart gewichtigen Thema, bei dem das gesamte Vertrauen des Konzerns auf dem Spiel steht, müsste eigentlich Vorstandschef Oletzky persönlich sprechen oder zumindest doch unterschreiben. Chance vertan!
UHU sagte am 29.06.2011 um 13:20
unglaubwuerdig
ergo ist aufgrund ihrer werbung so unglaubwuerdig und unsympathisch geworden, dass einen nichts mehr ueberrascht. so, wie es momentan laeuft, kann man davon ausgehen, dass die gar nichts kapiert haben und es lustig weiter geht.
Urbantschitsch sagte am 29.06.2011 um 13:26
Augen auf beim Anzeigentexten.
Welche Fehler? Grammatische oder semantische? Grammatischer Ausrutscher: Wir tun beides. Fehler als Mensch UND als Unternehmen. Semantischer Ausrutscher: Menschen, die Fehler machen, unternehmen nichts dagegen. Und Unternehmen, die Fehler machen, entschuldigen sich nicht. Aber die Copy lässt aufatmen. Je mehr Fehler, desto größer der Ansporn. Das versteht dann auch wieder der Vertrieb.
Jann sagte am 29.06.2011 um 13:47
Arroganz bleibt Arroganz
Man kann nur um Entschuldigung BITTEN! Sich zu entschuldigen ist eine überhebliche Selbst-Abslulotion.
Bernhard sagte am 29.06.2011 um 14:57
Die gängige Praxis ist schlimmer als der Sex-Skandal
Die Sparer und Versicherten werden weiterhin schamlos abgeschöpft. Fondsgebundene Versicherungen sind geradezu Provisionsmaschinen. Unter www.fonds-etf.de findet sich ein Vergleichsrechner der aufzeigt wie Banken mit normalen Fonds hohe Provisionen erzielen, meist ohne das es die Anleger bemerken. Solange die Kunden die Provisionen in % und ? nicht gesondert unterschreiben müssen dürfte sich an der Vertriebspraxis nichts ändern. Die Finanzindustrie wird weiterhin versuchen die Provisionen zu verstecken, den Parteien Geld spenden und die Politik um das Verbraucherschutzministerium mit Lobbyorganisationen bearbeiten.
Martin Albrecht sagte am 29.06.2011 um 16:19
Festbeißen
Ich selbst war ja auch ziemlich fixiert auf die ERGO-Krise, aber wenn von einer Kommunikationskrise nur noch die Eigenwerbung von den zahlreichen Experten unserer unfehlbaren Branche übrig bleibt, ist es Zeit für Horizont mal über was Neues zu berichten.
proConcept AG sagte am 01.07.2011 um 15:59
Angemessene Entschuldigung
Und wieder stellt sich die Frage, wer die ganzseitigen Anzeigen in verschiedenen großen Tageszeitungen bezahlt - finanziert wird das von den Versicherten, die beispielsweise jeden Monat pünktlich ihre Beiträge in die Lebens- oder Rentenversicherung zahlen und auf eine attraktive Rendite hoffen? Oder zahlen endlich einmal die Vorstände und treten dann anschließend zurück? Das wäre eine angemessene Entschuldigung, um den entstandenen Schaden wieder gut zu machen. Eine Entschuldigung sieht wirklich anders aus. Aber letztendlich ist es auch egal, ob die Anzeige nun einen Absender hat oder nicht. Denn von den Kunden werden die Anzeigen sicher sowieso nicht gelesen. Wir haben sogar im täglichen Kontakt mit unseren Kunden festgestellt, dass in der Bevölkerung nicht einmal klar ist, dass die ganzen Skandale, die in den letzten Wochen aufgedeckt wurden, alle der Ergo zuzuordnen sind. So viel zum Thema ?informierter Verbraucher?.Weitere Nachrichten aus Marketing vom 29.06.2011:
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