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Handel

von Santiago Campillo-Lundbeck,
Redakteur Marketing

Schlecker-Insolvenz: "Die Lage ist wirklich dramatisch"


Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI Retail Institute 

Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI Retail Institute

Bei der insolventen Drogeriekette Schlecker keimt etwas Hoffnung auf. Am Donnerstagmorgen vermeldete der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, dass sich das Unternehmen mit der Markant Gruppe auf die Fortsetzung der Einkaufskooperation geeinigt habe. Dies sei ein "wichtiger Baustein, um die uneingeschränkte Betriebsfortführung von Schlecker sicherzustellen", erklärt Geiwitz, der nun auch die Gespräche mit den anderen Lieferanten "positiv abschließen" will. Experten halten es allerdings für fraglich, ob Schlecker tatsächlich die Wende gelingt. HORIZONT.NET sprach mit Michael Gerling, Geschäftsführer des Kölner EHI Retail Institute, über die Schlecker-Insolvenz und welche Probleme der Drogerie-Konzern lösen muss. Die Bilanz des Handelsexperten fällt niederschmetternd aus.
 
Wie schockiert waren Sie, als Sie die Nachricht von Schleckers Insolvenz erhielten? Es ist eine traurige Entwicklung, aber in der Branche überrascht die Insolvenz keinen. Der Abwanderungsprozess der Kunden war ja schon seit längerem in Gang.
Wie ist dieser rasante Absturz eines Erfolgsunternehmens überhaupt zu erklären? Hat sich Schlecker zu sicher gefühlt? Das Unternehmen hat ja in den 80er und 90er Jahren ein gigantisches  Wachstum hingelegt. Alle Zahlen sprachen dafür, dass man auf dem richtigen Weg war. Und so hat es dann nach der Jahrtausendwende zu lange gedauert, bis man die Stagnation als Signal ernst nahm. Schlecker hat letztlich viel zu spät reagiert.
 
Doch am Ende hat man reagiert: Neuer Claim, neuer Markenauftritt, neues Filialkonzept. Warum sind Initiativen verpufft? Im Handel dauert es eine Weile, bis die Kunden die Zustände bei einem Unternehmen als so dramatisch empfinden, dass sie nicht mehr die Filialen besuchen. Aber dann dauert es auch umso länger, bis sie wieder zurückkommen. Diese Zeit hatte Schlecker zum Schluss einfach nicht mehr.
 
Welche Chance sehen Sie noch für die Marke Schlecker, den Kontakt mit ihren Kunden wieder aufzunehmen? Die Lage ist im Moment wirklich dramatisch. Die Kunden können bei Schlecker kein klares Profil erkennen. Und das ist am Ende der entscheidende Punkt: wenn eine Marke nicht glaubwürdig erklären kann, wofür sie eigentlich steht, lässt sich auch keine klare Botschaft vermitteln.
 
Wie wäre es denn mit der traditionellen Botschaft der Marke „Wir bieten Billigpreise"? Das müsste doch den Nerv des deutschen Schnäppchenjägers treffen. In den Anfangsjahren hat sich Schlecker als Preisbrecher positioniert. Ob sich das wieder erreichen lässt, nachdem das Unternehmen sich gesundgeschrumpft hat und damit auch faktisch über weniger Einkaufsmacht verfügt, ist zumindest fraglich. Zuletzt hat man ja versucht, die Marke über das Thema Nähe zu profilieren. Aber den Kunden ist heute die Sortimentskompetenz eines Drogeriemarkts wesentlich wichtiger als der Faktor Nähe.
 
Erwarten Sie, dass die Wettbewerber, den Schwächezustand des einstmaligen Branchenprimus nutzen, um die Schleckerkunden mit Werbemaßnahmen in die eigenen Filialen zu locken? Ich glaube, dass wir keine derartigen Kampagnen sehen werden. Die Marktführer im Drogerie-Segment sind so gut aufgestellt, dass sie das gar nicht nötig haben. cam
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