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03.09.2009

Abmahnung

von Olaf Kolbrück,
Redakteur /Blogger

PR-Debakel: Jako will die Wogen glätten


Jako lenkt ein 

Jako lenkt ein

Nach dem PR-Debakel scheint der Sportartikelhersteller Jako nun um eine Einigung mit dem Blogger Trainer Baade bemüht. Das Unternehmen hatte den Blogger wegen eines kritischen Beitrags gleich mehrfach per Abmahnung und Unterlassungserklärung zur Kasse gebeten. Die Blogosphäre schäumte. Dann erreichte der Kampf David gegen Goliath auch klassische Medien wie „Spiegel Online“.
 
Nachdem Jako zunächst nicht reagierte, will der Ausrüster von Bundesligavereinen wie Eintracht Frankfurt jetzt die Wogen glätten. Das Unternehmen verzichtet offenbar auf finanzielle Forderungen gegenüber Blogger Frank Baade, berichtet das „Handelsblatt“.
 
Jako hatte Baade zunächst wegen eines missliebigen Blogbeitrags einen Kostennote über 1085 Euro geschickt. Das Unternehmen sah sich durch Äußerungen im Beitrag geschädigt. Baade zahlte schließlich 400 Euro, unterschrieb eine Unterlasserklärung. Der Beitrag wurde im Blog gelöscht. Dann aber tauchten Auszüge des Beitrags in einem automatisierte Nachrichtenaggregator auf. Wegen Verletzung der Unterlassungserklärung forderte das Unternehmen aus Mulfingen-Hollenbach nun 5100 Euro.
 
Diese Forderung ist nun wohl vom Tisch. Auch die erste Forderung will Jako bei Wohlverhalten des Bloggers offenbar zurückziehen. Dafür müsste dieser, so das „Handelsblatt, einen Blog-Artikel veröffentlichen, in dem er dem Unternehmen ein freundliches Verhalten bescheinige. „Die sind nur eingeknickt, weil es eine Öffentlichkeit gibt“, zitiert das Blatt den Blogger.
 
Denn die Resonanz ist gewaltig. Während das beklagte Ursprungsposting gerade einmal rund 500 Leser erreicht haben dürfte, haben sich nun binnen weniger Tage allein über 100 Blogs und über 1000 Twitter-Beiträge mit der Casus Jako beschäftigt. Hinzu kommt eine ausufernde Debatte im Fan-Foren wie bei Eintracht Frankfurt. Dort sind mittlerweile über 200 Kommentare zusammengekommen. Bitter für Jako: Hier diskutiert ausgerechnet die Zielgruppe nun nicht immer schmeichelhaft über die Marke.
 
Vollends zum PR-Desaster wird der Fall aber für das Unternehmen, durch die Berichterstattung in den klassischen Medien wie "Spiegel Online", die die Reichweite nochmals deutlich potenzieren.
 
Obendrein haben es kritische Berichte zum Umgang des Unternehmens mit missliebigen Meinungen bei Google bei der Eingabe des Suchbegriffs „Jako“ inzwischen gleich mehrfach auf die erste Trefferseite geschafft.
 
Der Fall erinnert damit an der Versuch der Bahn, ein im Web veröffentlichtes – und zunächst kaum beachtetes - geheimes Strategiepapier mit anwaltlicher Hilfe aus dem Internet zu entfernen. Der Versuch sorgte für erheblichen Wirbel und eine weitere Verbreitung des Dokuments. Die dadurch entstandene Berichterstattung erzeugte Schätzungen zufolge 18 Millionen Kontakte. Der Leserkreis bei der ursprünglichen Veröffentlichung in einem Blog war dagegen überschaubar. ork

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Leser-Kommentare zu diesem Artikel (5)
Ohjemineh sagte am 03.09.2009 um 13:18

Lasse schäumen

Jetzt mal ganz davon abgesehen, wie klug und sinnvoll es ist, irgendjemanden, wie die Firma Jako es getan hat, wegen einer Petitesse mit Abmahnungen und Unterlassungserklärungen zu verfolgen - mich würde ernsthaft interessieren, was passiert, wenn man die sog. "Blogosphäre" einfach mal schäumen läßt: Bisweilen tobt diese anscheinend sehr selbstgefällige Szene ja auch schon, wenn jemand nur seine berechtigten Interessen wahrnehmen will. Und weil "Web 2.0" gerade den Nimbus des total tollen Zukunftsdings hat, das man nicht verpassen darf, berichtet natürlich auch die Presse, die gegen Herdentrieb ja noch nie ganz gefeit war, brav darüber. Aber ansonsten? Zieht so was weitere Kreise? Nö. Was also, wenn man die "Blogosphäre" (dieses Wort allein...) einfach mal schäumen läßt? Ich wage zu behaupten: Wenn die zugrundeliegende Thematik eher banal ist (wie im vorliegenden Fall), verläuft sich das dann irgendwann von selbst, weil es die große Mehrheit eher nicht interessieren dürfte, wenn sich eitle Rechthaber miteinander streiten. Die reflexhaft geposteten "Nachdem Firma X solcherart bewiesen hat, dass sie nichts von Web 2.0 versteht, werde ich nie wieder ein Produkt von ihr kaufen"-Kommentare scheinen mir ohnehin mehr kleiner Leute Wunsch zu sein, es "denen da oben" mal so richtig zu zeigen, als ernsthafte Auswirkungen eines Imageschadens.
Shiraz sagte am 03.09.2009 um 14:37

schäumen lassen?!

einfach mal nichts tun wäre in diesem fall (und vielen anderen) so ziemlich das dümmste, was man aus professioneller sicht tun könnte. das gerade solche issues zu einem unkalkulierbaren risiko werden können, ist eigentlich erstsemesterstoff auf der pr-schule...
Jane sagte am 04.09.2009 um 09:07

Nicht der große Hammer...

Unkalkulierbares Risiko: ok! Nur gleich mit dem großen Hammer auf den oder die Blogger zu hauen, bringt nicht nur böses Blut, sondern stört das Verhältnis zu diesem Teil der Öffentlichkeit dauerhaft. Warum nicht erstmal versuchen, das Ganze gütlich und außergerichtlich zu regeln? Wenn die Argumente sinnvoll dargestellt werden und man respektvoll miteinander umgeht, kann meiner Meinung nach vieles ohne großartiges Tamtam vom Tisch geräumt werden.
Nepomuk sagte am 04.09.2009 um 11:50

Hier meint jeder was'r will

Ob der hier geposteten Kommentare von sogenannten PR-Profis kann der werbetreibenden Wirtschaft eigentlich nur Angst und Bange werden. Es geht doch nix über eine fundierte Ausbildung mit Überblick (pr-schule?????).
miaumio sagte am 06.09.2009 um 23:16

Lasse schäumen - nix gut

.. wenn die Freiburger Fans beim Stand von 2:0 "zieht den Frankfurtern die Jako-Trikots aus" singen, dann wird es auch für Jako spannend .. Als "Täter-Unternehmen" würde ich die virale Welle, wenn sie erst mal angelaufen ist, schon ernst nehmen. Für meinen Geschmack kommen bei solchen Entgleisungen, wie hier bei Jako, die willigen Helfer (aka Advokaten, der Berufstand) zu billig dabei weg.

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