04.11.2009
Krise
Opel: "Wir leben Chaos"
"Wir leben Autos" - so heißt der Claim, mit dem Krisenkonzern Opel seit kurzem in Deutschland wirbt. Doch derzeit produziert der Autobauer - ungewollt - fast so viele Negativschlagzeilen wie Autos von den Bändern in Rüsselsheim laufen.
Eigentlich war klar, dass Opel an den Zulieferer Magna verkauft wird. Nun will die Mutter GM, mittlerweile ein fast staatliches US-Unternehmen, Opel behalten. Statt „Wir leben Autos" müsste es heißen: "Wir leben Chaos". Auch die Kommunikationsabteilung in der Rüsselsheimer Zentrale hat - wen wundert's? - inzwischen den Überblick verloren. Was die GM-Entscheidung für Opel bedeutet, wollte HORIZONT wissen. Die ebenso richtige wie traurige Antwort: "Hier müssen erst noch viele Fragen beantwortet werden." Zumindest eines steht fest: Die von McCann-Erickson entwickelte Kampagne läuft weiter. Und auch der Claim bleibt derselbe. Vorerst.
Das sieht Professor Ferdinand Dudenhöffer völlig anders. "Die Entscheidung ist für die Marke eine Katastrophe", sagt der Leiter des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Für ihn produziert GM derzeit nur Frust: unglückliche Händler, verunsicherte Kunden und frustrierte Mitarbeiter. Er erwartet, dass der amerkanische Mutterkonzern jetzt die alte Produkt- und Modellpolitik fortführt. "Der GM-Verwaltungsrat ist jetzt noch verrückter geworden."
Eine Meinung, die Michael Brandter teilt. "Es ist zu befürchten, dass GM den bisherigen Weg weiterverfolgt, nämlich mehr Modelle, ständig wechselnde Werbekampagnen und mehr Preispromotions, um die Modelle doch noch an den Mann oder die Frau zu bringen", sagt der Markenexperte. Stattdessen sieht Brandter aber Handlungsbedarf an ganz anderer Stelle. Alle GM-Marken brauchen seiner Meinung nach eine klare Markenpositionierung für die Zukunft. "Diese ist leider zurzeit bei allen GM-Marken inklusive Opel nicht zu erkennen. Schlimmer noch: Wie es aussieht, wird es diese auch in absehbarer Zeit nicht geben", sagt er. Und das freut andere Autohersteller, wie Professor Dudenhöffer feststellt: "Das war ein guter Tag für VW." vs/mir
Matz sagte am 04.11.2009 um 22:55
Nieten in Nadelstreifen - in Detroit und Berlin
Nicht nur Insider konnten in den letzten 20 Jahren sehen, wie ein GM-Missmanagement - das häufig bis nach Rüsselsheim durchfärbte - diesen Konzern an den Abgrund führte. Und die Inkompetenz unserer Politiker, die jetzt Empörung heucheln, ist ein Teil des aktuellen Problems. Der einzige, der dicht an der Wahrheit war, ist ausgerechnet "Newcomer" zu Guttenberg gewesen. Dem wurde aber ganz schnell von Merkel & Co. ein Maulkorb verpasst, weil ja Wahlkampf war. Schade, dass er nicht mehr Wirtschaftsminister sein darf! Und nun ist leider bei dem unsäglichen Herrn Rüttgers schon wieder Wahlkampf - eine Einladung für alle dilletantischen Politiker, sich mit ihrem Geplapper wieder kräftig in die Privatwirtschaft einzumischen.
Karsten Kilian sagte am 09.11.2009 um 20:52
Opel hat kein Markt-, sondern ein Markenproblem!
Es ist traurig mit anzusehen, wie Opel seit Jahren dahinsiecht ... und primär als Spielball zwischen den beteiligten Interessengruppen dient statt als Arbeitgeber mit Zukunft aufgebaut zu werden. Was Opel dringend braucht ist eine solide Markenstrategie, die dem Unternehmen eine Richtung gibt und den Mitarbeitern und Kunden aufzeigt, wo es langgeht. "Wir leben Autos" versteht kein Mensch. Das Unternehmen offensichtlich auch keiner! Aktuell gibt es rein funktional gesehen kaum Gründe, einen Opel nicht zu kaufen, aber auch leider keinen einzigen Grund, sich einen Opel anzuschaffen (außer solide Technik zu einem günstigen Preis vielleicht). Wer Opel ernsthaft retten möchte, muss eine langfristige (!) Markenstrategie entwickeln, mit der Opel wieder "vorfahren" kann. Meines Erachtens ist dies durchaus möglich. Mehr dazu demnächst.Weitere Nachrichten aus Marketing vom 04.11.2009:
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