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von Santiago Campillo-Lundbeck,
Redakteur Marketing

Microsoft über Internet Explorer: "Ich find dich schschsch ..."


Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Besserung. Diese Weisheit hat auch Microsoft für sich entdeckt und macht im Rahmen seiner Kampagne "The Browser you loved to hate", die die Markteinführung des Internet Explorer 10 begleitet, erstmals den tiefen Hass vieler Online-User zum Thema. In dem aktuellen Online-Video "Do you know this Guy?" (Kreation: Wieden & Kennedy, Portland) ist ein User zu sehen, der auf alle Verbesserungen am Browser stets nur eine Antwort auf Twitter hat: "IE sucks!" Selbst die Ankündigung, dass der Browser eine Insel voller Kätzchen adoptiert und diese an Kinder in der ganzen Welt verschenkt, kann ihn nicht umstimmen.

 
Erst als als der Microsoft-Twitter-Account einen neuen Webstandard für Karaoke ankündigt, wird der Online-Kritiker, der selbst großer Karaoke-Fan ist, schließlich schwach. Aber mehr als ein "IE sucks ... less" ist ihm auch jetzt noch nicht abzuringen. Das Unternehmen selbst scheint zu akzeptieren, dass es in der Online-Community noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten hat, bevor es von den Usern wieder als gleichberechtigte Alternative zu deutlich wachsenden Wettbewerbern wie Mozilla Firefox und Google Chrome akzeptiert wird. Schon die aktuell gültige Version Internet Explorer 9 hatte zwar von der Fachwelt viel Lob geerntet, konnte aber im Browser-Markt keine Trendwende für Microsoft einleiten.
Für die zehnte Version seines Browsers wechselt Microsoft nun proaktiv von der Rolle des Marktführers in eine Herausforderer-Rolle. So hatte die Entscheidung, die Blockierung von Cookies zur Ausgangseinstellung des Browsers zu machen, im Vorfeld für viel PR rund um den Internet Explorer 10 gesorgt.  Auch die laufende Kampagne, die über eine begleitende Website www.thebrowseryoulovedtohate.com skeptische User überzeugen soll, dem Programm eine zweite Chance zu geben, ist teil der Comeback-Strategie.
 
Sein eigenes Produkt selbst so deutlich an den Pranger zu stellen, ist natürlich nicht ohne Risiko. So läuft beispielsweise in Deutschland noch eine TV-Kampagne, die den Microsoft-Browser noch als fehlerloses Portal für alle Online-Aktivitäten präsentiert. Derart wiedersprüchliche Botschaften könnten die Marke dauerhaft beschädigen. Doch gibt es gerade in der jüngeren Marketing-Geschichte der USA ein Beispiel dafür, dass die öffentliche Buße durchaus erfolgreich sein kann. 2009 überraschte die Pizza-Kette Dominos die Öffentlichkeit mit einer Kampagne, in der das Unternehmen zugab, dass seine Produkte für viele potenzielle Kunden schlicht wie Pappe schmeckten. Die von Crispin Porter + Bogusky kreierte Kampagne nutzte die so entstandene Aufmerksamkeit, um die radikal überarbeiteten Pizza-Rezepturen zu kommunizeren und konnte Dominos wieder auf einen Wachstumskurs bringen. cam
 

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