31.03.2008
Bespitzelungs-Affäre
Lidl wirbt mit Schweinebauch und warmen Worten / HORIZONT Voting
Normalerweise beschränkt sich Lidl in seinen Anzeigen auf Billigangebote für Waschmittel, Getränke und Gemüse. Doch um die aktuelle Imagekrise zu entschärfen, stellt die Neckarsulmer Discounter-Kette am heutigen Montag ein Entschuldigungsschreiben neben ihre Schweinebauch-Motive.
In verschiedenen Tageszeitungen, darunter "Süddeutsche Zeitung" und "Frankfurter Rundschau", wendet sich das Unternehmen mit dem Brief an Kunden und Mitarbeiter. "Der erweckte Eindruck, Lidl hätte seine Mitarbeiter systematisch bespitzelt, entspricht in keinem Fall dem gelebten fairen Umgang des Unternehmens mit seinen Mitarbeitern", kontert Lidl einen Bericht des "Stern" über die umfangreiche Überwachung von Mitarbeitern bei dem Discounter.
Demnach fiel der Wert für das Gesamt-Image von Lidl seit Beginn des Skandals von plus 29 auf minus 4 Indexpunkte. Im Branchenvergleich der 16 größten Lebensmittel-Einzelhandelsmarken rutschte Lidl vom bisherigen 2. Platz hinter dem Imagemarktführer Aldi auf den mit Norma geteilten letzten Platz.
- Marketing 28. März 2008: Lidl-Image nach Spionagevorwürfen im Keller
- Marketing 27. März 2008: Überwachungsvorwürfe: Lidl erklärt sich seinen Kunden am Rande
Volker Schütz sagte am 31.03.2008 um 15:47
Glaubwürdigkeitskrise
Es gab ja durchaus einmal Ansätze bei Lidl, sich kommunikativ zu öffnen und sich vom Image des schmallippigen Discounters zu verabschieden. Jetzt gibt's einen Imagegau. Ob deshalb der Umsatz bei Lidl zurückgeht? Zumindest der Opa meiner Frau - bis zur Bespitzelungs-Affaire ein richtiger Lidl-Fan, will künftig mehr bei Aldi und Edeka einkaufen gehen.
Ralf Henke sagte am 01.04.2008 um 12:22
Wo bleiben echte Argumente und Maßnahmen?
Ich kann dem Entschuldigungsschreiben von LIDL in keiner Weise glaubwürdige Argumente entnehmen. Mit Diebstählen haben alle Einzelhandelsunternehmen zu kämpfen, ohne sich deshalb zu einer Totalüberwachung von Angestellten und Kunden hinreißen zu lassen. Und überhaupt: Überwachung der Angestellten außerhalb der Verkaufsräume zum Diebstahlschutz?? Was hält LIDL denn bitte von den eigenen Angestellten? Ein Vertrauensverhältnis stelle ich mir anders vor! Angekündigte Stichproben sind sicher ok. Aber so... Und bitte: Wo kommen wir denn hin, wenn ein Unternehmen sich für einen solchen Fehltritt mal eben per öffentlichem Brief entschuldigt und alles ist wieder gut??? Wo bleiben Maßnahmen, die ein schlechtes Gewissen und eine Wiedergutmachung zumindest ansatzweise erkennen lassen: Entschädigungen der Mitarbeiter, öffentliche Entschuldigung der betroffenen Filialleiter oder ähnliches. Fast bedaure ich, schon bislang nicht bei LIDL eingekauft zu haben (mag einfach die Marke nicht und habe keine Filiale in der Nähe), denn so ist mein Boykott des Unternehmens nicht wirklich für mich spürbar. Jedoch kenne ich genügend Menschen, die um die LIDL Häuser in Zukunft einen großen Bogen machen werden. Insgesamt bleibt festzustellen, dass Unternehmen wohl immer mehr dazu neigen, sich allzu wichtig zu nehmen indem sie versuchen, integraler Bestandteil des Privatlebens der Mitarbeiter zu werden und dieses aktiv mitzubestimmen. Eine schreckliche Entwicklung! Ich jedenfalls gehe in erster Linie arbeiten, um meine Familie zu ernähren und nicht, weil ich Teil einer weiteren "Familie" sein will, deren Vorstand sich als Erziehungsberechtigter sieht.Weitere Nachrichten aus Marketing vom 31.03.2008:
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