HORIZONT.NET
04.09.2008

EU Parlament fordert hausfrauenfreie TV-Werbung


Szene aus dem aktuellen Persil Gel-Spot 

Szene aus dem aktuellen Persil Gel-Spot

Adieu Persil-Tante, Ariel-Klementine und Omo-Oma. Kochende und putzende Hausfrauen sollen nach dem Willen des EU-Parlamentes aus der Fernsehwerbung verschwinden. Es will Klischees in der Reklame verbannen, um Diskriminierung zu unterbinden. Auch das Argument Gleichbereichtigung wird genannt.
 
Am gestrigen Mittwoch forderten die Abgeordneten in Brüssel mit großer verbindliche Regeln für Werbung, das berichtet der Spiegel. "Geschlechtsspezifische Klischees in der Werbung stecken Frauen, Männer, Mädchen und Jungen in eine Zwangsjacke, beschränken Individuen auf vorgegebene künstliche Geschlechterrollen, die oftmals herabwürdigend, beschämend und erniedrigend für beide Geschlechter sind", argumentiert die schwedische EU-Abgeordnete der Vereinigten Linken, Eva-Britt Svensson, in einem Bericht für den Frauenausschuss.
 
Insgesamt unterstützten 504 Abgeordnete die Initiative zur Fernsehwerbung. 110 stimmten dagegen, 22 enthielten sich. jm
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (2)
Helgerianer sagte am 04.09.2008 um 12:42

Wie Satire zur Wirklichkeit wird

Das Schlimme ist: Was sich jetzt wie Satire liest, wird irgendwann so kommen. Nicht jetzt, nicht nächstes Jahr - aber irgendwann. Zunächst als ?freiwilliger? Kodex, später als Gesetz mit der entsprechenden Werbekontrollbehörde dazu (da entstehen wieder schöne Jobs für verdiente Bürokraten!). Das war schon so bei Zigaretten- und Alkoholwerbung und ist kurz davor bzw. gerade umgesetzt z.B. bei Auto-, Glücksspiel- und Süßigkeiten-/Lebensmittelwerbung. Es ist natürlich Unsinn, dahinter eine politische Verschwörung zu wittern (These: Weil die Politik die freien Medien zumindest in Westeuropa schlecht zensieren kann, versucht sie, deren Werbefinanzierung zu erschweren - um sie dann, siehe Frankreich, mit Staatsgeld/Subventionen gefügig zu machen. Ziel: Eine Art öffentlich-rechtliche Presse, mit Politikern in irgendwelchen Gremien, und wenn es nur um die Geldzuteilung geht ?) Nein, das ist Unsinn, so weit vorausschauend und planvoll handelt kein Politiker. Vielmehr hat wohl der gute alte Max Weber Recht: Die Bürokratie vermehrt sich selber, indem sie sich ständig neue Aufgaben sucht. Klingt harmlos, ist aber in Wahrheit viel gefährlicher als irgendein großer Plan - weil?s schleichend geht, nur in kleinen Schritten ("Ach, das ist doch jetzt nicht so schlimm") und daher keiner so richtig merkt, wie Freiheit und Wohlstand mal wieder weniger werden.
Werbinator sagte am 04.09.2008 um 17:24

Ja, ist denn schon wieder...

1. April? Nein, natürlich meinen sie das ernst in Brüssel. Und gut meinen sie es erst recht! Aber was ist denn mit den männlichen Klischeebildern - wie diskriminierend und herabwürdigend ist das denn, wenn immer nur männliche Bauarbeiter in der Werbung abgebildet werden? Frauen an die Maurerkelle! Spannend wird es, wenn verschiedene gutmenschelnde Ansprüche miteinander kollidieren. Müsste man im Sinne einer dem Bevölkerungsanteil angemessenen Berücksichtigung nicht viel mehr Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund in der Werbung zeigen? In der Putz-Szene des Ausgangsszenarios zum Beispiel? Ach nein, das ist ja schon wieder ein anderes Rollenklischee. Aber was soll's - alles nichts, das nicht in einer 600-seitigen EU-Verordnung detailliert geregelt werden könnte...

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