Standort-Kampagnen
"Be Berlin" fällt bei Hauptstädtern durch
Erst handelten sich die Macher der Hauptstadtkampagne Plagiatsvorwürfe aus der Berliner Kreativszene ein - und jetzt auch noch das: Der jüngst vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit präsentierte Auftritt mit dem Slogan "Be Berlin" kommt bei den Bürgern gar nicht gut an, wie eine Forsa-Umfrage zeigt.
60 Prozent der Hauptstädter finden die Kampagne schlecht, nur 34 Prozent gut, ermittelte das Meinungsforschungsinstitut im Auftrag der "Berliner Zeitung".
Das Votum der Berliner ist besonders bedenklich, weil sie selbst im Mittelpunkt der Marketing-Maßnahme stehen: Der Auftritt rund um die Website www.sei.berlin.de will mit Erfolgsgeschichten aus der Hauptstadt zunächst die Identifikation der Bürger mit der Metropole fördern. Zum Tourismusmotor soll der Auftritt, für den 2008 und 2009 jeweils 5 Millionen Euro im Haushalt bereitstehen, erst in einer späteren Phase werden.
Doch Sympathie erntet das Konzept laut der Umfrage am ehesten bei jungen Leuten bis zum 30. Lebensjahr: 56 Prozent von ihnen geben an, die Kampagne sei gut. In allen anderen Altersgruppen finden zwei Drittel der Befragten das Stadtmarketing misslungen.
Und das, obwohl eine deutliche Mehrheit die Imagepflege für die Hauptstadt prinzipiell für nötig hält: 60 Prozent der Berliner sind der Meinung, Werbung für ihre Stadt sei notwendig. Für die Studie hat Forsa kurz nach der öffentlichen Präsentation der Kampagne Mitte März ingesamt 1000 Berliner befragt.
Das negative Votum der Bürger dürfte auch den beteiligten Dienstleistern wenig Freude bereiten. Den Zuschlag für Konzeption und Kreation der Kampagne, die auch klassische Elemente wie Plakate und TV-Spots umfasst, erhielt die Berliner Agentur Embassy. Von der ebenfalls in der Hauptstadt ansässigen Agentur We do stammen kreative Elemente wie die Schlagzeilenmechanik. Im Bereich Kommunikationsdesign gewann Fuenfwerken Design, ebenfalls aus Berlin.
Zum umfangreichen Agenturpool der Kampagne zählen außerdem OMD (Mediaplanung) sowie Code Couture, A&B Face2Net und Jovoto (Internetauftritt). Ferner sind das Institute of Electronic-Business (Interaktive Medien) sowie die Kleinunpläcking Markenberatung (Strategie) beteiligt.
- Marketing 11. März 2008: Hauptstadtkampagne tätschelt Seele der Berliner
- Marketing 22. Februar 2008: "Be Berlin" wird Berlins neuer Slogan
- Marketing 14. November 2007: Wowereit will Berlin zur Kreativ-Metropole machen
- Agenturen 23. August 2007: Berlin-Ausschreibung sorgt für Unmut bei Agenturen
- Marketing 15. August 2007: Berlin-Board hat sich konstituiert
- Kreation 2. April 2008: Berlin Städtekampagne
- Kreation 11. März 2008: Berlin Städtekampagne
Be whatever.
Sei es drum - jede Stadt bekommt die Kampagne, die sie verdient. Und an der Spree ist es eben "Be Berlin". Bei der Meldung, dass 60 Prozent der Berliner die Kampagne schlecht finden, konnte ich aufathmen. Immerhin haben dann mehr als die Hälfte aller Berliner die Kampagne verstanden! Und das obwohl (zumindest bis dato) keine Motive auf Russisch, Türkisch, Polnisch, Tschechisch, Albanisch, Kroatisch oder Platt-Ostgotisch geschaltet wurden. Werde jetzt gleich mal mein Rütli-Shirt überzeihen damit ich auf dem Weg zur nächsten Dönerbude keinen übergezogen kriege und eine Runde extrascharf über mich ergehen lassen. Und wenn die Motive auch in anderen Sprachen kommen (Sorbisch?) steigen auch die Werte. Verändern wir die Stadt - mit Euren Steuergeldern!Be Berlin
Ein simpler Werbe 'Pre-Test' hätte schon genügt, um VOR der Schaltung Gelegenheit zur Optimierung der Kampagne zu erhalten. Albert Klein www.insightout-consult.comGeldverbrennung
und so verbrennt man geld das eigentlich in berlin ja nicht vorhanden ist. wie soll denn eine holistische kampagne entstehen, die gut ist, wenn 20 agenturen gleichzeitig dran rumschrauben. das ist so was von schwachsinnig. und das ist auch schlecht so?"bi börlinn" ...
... sagen der Bürgermeister und alle anderen im Kampagnenfilm. Und da über zehn Agenturen offensichtlich nur Murx abgeliefert haben, dürfen jetzt alle Menschen fleißig mittexten. Hier ist mein Vorschlag: - sei kopflos, - sei konzeptlos, - bi börlinn. Bin fassungslos über eine millionenschwere "Hauptstadtkampagne", die an Peinlichkeit und Stümperei kaum noch zu überbieten ist.Weitere Nachrichten aus Marketing vom 02.04.2008:
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