Handelskonzerne
20.04.2009
Arcandor: Eick opfert Karstadts Premium-Häuser, Quelle-Filialen und Myby
Der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern Arcandor konzentriert sich stärker auf sein Kerngeschäft und stellt im Zuge dessen einzelne Geschäftsbereiche zur Disposition. Das Konsolidierungsprogramm des neuen Vorstandschefs Karl-Gerhard Eick sieht vor, dass Arcandor an seinem Touristikbereich Thomas Cook festhalten und sich darüber hinaus künftig ausschließlich auf die profitablen Kerngeschäfte von Karstadt und Primondo konzentrieren wird.
Verlustbringer wie etwa der stationäre Einzelhandel von Quelle sowie acht Filialen und die Premium-Warenhäuser von Karstadt sollen zunächst in eine eigenständige Einheit namens Atrys ausgelagert und später entweder verkauft, geschlossen oder mit neuen Partnern fortgeführt werden. "Premium-Warenhäuser wie das KaDeWe zählen international zwar zu den renommiertesten Warenhäusern, sind aber nicht profitabel und gehören auch in Bezug auf ihre Zielkunden, die Sortimente und die Betriebsgröße nicht mehr zum Kerngeschäft der Karstadt Filialen", erklärt Eick.
Nicht mehr zum Kerngeschäft gehört auch Myby. Das im Oktober 2007 gestartete E-Commerce-Portal, an dem der Verlag Axel Springer mit 25,1 Prozent beteiligt ist, soll ebenfalls bei Atrys angesiedelt werden - ob Arcandor mit Teilhaber Axel Springer über eine Komplettübernahme verhandeln wird, ist derzeit laut einer Arcandor-Sprecherin noch unklar. "Dazu können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nichts sagen", so die Sprecherin gegenüber HORIZONT.NET.
Weitere Synergien verspricht sich Vorstandschef Eick von der Bündelung der Beschaffung. Diese soll zukünftig zentral in einer Querschnittseinheit geführt und von der Sortimentsverantwortung der Markengesellschaften getrennt werden. „Das Kerngeschäft von Primondo und Karstadt weist gemeinsam und basierend auf den aktuellen Zahlen ab dem ersten Tag einen positiven Cash Flow auf", gibt sich Eick hoffnungsvoll. Die Neuordnung von Arcandor schaffe die Voraussetzung, den Konzern auf eine solide Finanzbasis zu stellen, so Eick weiter.
Gleichwohl benötigt Arcandor weitere finanzielle Unterstützung, um den Umbau stemmen zu können. Zusätzlich zur anstehenden Refinanzierung im Sommer 2009 über 650 Millionen Euro rechnet Arcandor in den kommenden fünf Jahren mit einem weiteren Finanzierungsbedarf von bis zu 900 Millionen Euro. Derzeit basiere das Refinanzierungskonzept im Wesentlichen auf einer weiteren Bankenfinanzierung. Der Konzern prüft aber eigenen Angaben zufolge zusätzlich auch Optionen für eine staatliche Unterstützung. Erste Sondierungsgespräche mit Vertretern des Bundes und der entsprechenden Landesregierungen wurden bereits geführt. mas
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