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von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

Spiegel-Drama: Austs Freistellung überschattet Wechsel der Chefredaktion


Die Doppelspitze ist im Amt: Von Blumencron (l.) und Mascolo 

Die Doppelspitze ist im Amt: Von Blumencron (l.) und Mascolo

Die beiden neuen Chefredakteure des „Spiegel“, Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo, treten ihr Amt mitten im Kampfgetümmel um den unfreiwilligen und unwürdigen Abgang ihres Vorgängers Stefan Aust an. Der langjährige Chefredakteur Aust, 61, werde „heute mit sofortiger Wirkung als Chefredakteur abberufen und freigestellt“, teilt der Verlag am Dienstagnachmittag mit.

 

Vermittler von Print und Online

Mathias Müller von Blumencron, Jahrgang 1960, beginnt nach Jurastudium und Volontariat 1989 als Redakteur bei „Capital". Ein Jahr später wechselt der gebürtige Hamburger als Korrespondent (Zürich, Berlin) zur „Wirtschaftswoche". 1992 kommt Müller von Blumencron zum „Spiegel" ins Ressort Deutschland II, wird 1996 dort stellvertretender Leiter. Im Oktober 1996 geht er als Wirtschaftskorrespondent nach Washington, ab 1998 berichtet er aus New York. Seit Dezember 2000 ist Müller von Blumencron, HORIZONT-Medienmann des Jahres 2007, Chefredakteur von Spiegel Online.

Nach den Angaben einiger Mitarbeiter wolle Aust dagegen nun eine Einstweilige Verfügung erwirken. Derweil ernennt der Spiegel-Verlag, wie erwartet, Müller von Blumencron und Mascolo offiziell zur neuen „Spiegel“-Redaktionsspitze.
Aust streitet sich mit dem Verlag um die Rechtmäßigkeit und die Modalitäten der vorzeitigen Kündigung gegen ihn, die nach Auffassung des Verlags zum Ende 2008 wirksam wird – wobei es letztlich nur um die Höhe seiner Abfindung und die Dauer des Wettbewerbsausschlusses für Austs Aktivitäten nach seiner „Spiegel“-Zeit gehen dürfte. Ein Gütetermin vor Gericht ist am Montag dieser Woche gescheitert, und spätestens damit war klar, dass die Stabübergabe an seine Nachfolger eher unfeierlich über die Bühne gehen wird.
 
Ist ab heute beurlaubt: Stefan Aust 

Ist ab heute beurlaubt: Stefan Aust

Immerhin dankt der Spiegel-Verlag Aust, der 13 Jahre lang Chefredakteur war, „für seine außerordentlich erfolgreiche Arbeit“. Es sei maßgeblich sein Verdienst, dass der „Spiegel“ im stark umkämpften Zeitschriftenmarkt Deutschlands bedeutendstes und Europas auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin sei.
 
Mathias Müller von Blumencron, 47, bisher Spiegel Online-Chef, und Georg Mascolo, 43, einer der beiden Leiter des Berliner „Spiegel“-Büros, werden ab sofort als Doppelspitze die Redaktion des Nachrichtenmagazins führen. Dieser Lösung hatten nach der internen Einigung der fünfköpfigen Geschäftsführung der Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent am „Spiegel“ hält, vor zwei Wochen auch Gruner + Jahr (25,5) und die Augstein-Erben (24) zugestimmt. Seitdem hat der Streit mit Aust den Verlag daran gehindert, seine neue Chefredaktion offiziell zu präsentieren.
 

Politischer Rechercheur

Georg Mascolo, 1964 in Stadthagen geboren, arbeitet seit 1988 für die Spiegel-Gruppe - zunächst für Spiegel TV. Hier fällt er vor allem durch seine Berichte über das Ende der DDR und die Wiedervereinigung auf. 1992 wechselt Mascolo zum Nachrichtenmagazin und wird bald stellvertretender Leiter des Berliner Büros. Im Jahr 2000 übernimmt er die Leitung des Deutschland-Ressorts in Hamburg, bevor er 2004 für den „Spiegel" als politischer Korrespondent nach Washington geht. Seit Juli 2007 leitet Mascolo, gemeinsam mit Dirk Kurbjuweit, das einflussreiche Hauptstadtbüro in Berlin.
 

Über die Besetzung der Posten der stellvertretenden Chefredakteure sei noch nicht entschieden, sagte eine Verlagssprecherin auf Anfrage. Sicher sei nur, dass Martin Doerry, einer der beiden bisherigen Aust-Stellvertreter, seine Position behalte. Der zweite, Joachim Preuß, hatte bereits angekündigt, den „Spiegel“ mit Aust verlassen zu wollen. Auch über die Besetzung der neuen Chefredaktion von Spiegel Online werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Hier kursieren die Namen der bisherigen Vize-Chefs Wolfgang Büchner und Rüdiger Ditz. 
 
Welche Aufgaben auf die neue „Spiegel“-Doppelspitze warten, lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 4/2008, die am Donnerstag vorletzter Woche erschienen ist.
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