Blattmacher
"Spiegel": Blumencron und Mascolo sollen Chefredakteure werden
Es scheint vollbracht: Der „Spiegel" hat eine neue Chefredaktion als Nachfolge für Stefan Aust gefunden. Der HORIZONT-Medienmann des Jahres 2007, Mathias Müller von Blumencron, bisher Spiegel Online-Chef, und Georg Mascolo, einer der Chefs des Berliner „Spiegel"-Büros, werden künftig als Doppelspitze das Nachrichtenmagazin leiten. Möglicherweise sollen sie ihr Amt bereits am 1. Februar antreten. Darauf hat sich offenbar die Mitarbeiter KG, der Mehrheitsgesellschafter des „Spiegel" (50,5 Prozent), in dieser Woche geeinigt.
Der 25,5-Prozent-Gesellschafter Gruner + Jahr soll seine notwendige Zustimmung signalisiert haben. Ein Gesellschafterbeschluss ist aber noch nicht gefallen; dies soll in der kommenden Wochen geschehen. Das Votum der Augstein-Erben (24 Prozent) ist formal ohne Belang.
Noch unklar ist, ob Martin Doerry, bislang stellvertretender Chefredakteur, auf seinem Posten bleibt, künftig das Berliner Büros leitet - oder das Blatt verlässt. Der zweite bisherige Stellvertreter, Joachim Preuß, hat bereits erklärt, das er den „Spiegel" mit Aust verlässt. Ebenfalls noch nicht bekannt ist, welche formale Funktion Blumencron künftig bei Spiegel Online haben und welche Rolle sein bisheriger Stellvertreter Wolfgang Büchner spielen wird. Eine Spiegel-Sprecherin bestätigte alle Spekulationen bisher nicht.
Mit der vermutlichen Entscheidung geht eine wochenlange, quasi öffentliche und damit fast absurde Suche nach einer Nachfolgelösung für den vorzeitig geschassten Aust zuende. Dies dürfte dem Nimbus des „Spiegel" im Leser- und Werbemarkt kaum genutzt haben; andererseits belegte das Presseecho das herausragende öffentliche Interesse am Nachrichtenmagazin aus Hamburg.
Mathias Müller von Blumencron
Mathias Müller von Blumencron, Jahrgang 1960, begann nach Jurastudium und Volontariat 1989 als Redakteur bei „Capital". Ein Jahr später wechselte der gebürtige Hamburger als Korrespondent (Zürich, Berlin) zur „Wirtschaftswoche". 1992 kam Blumencron zum „Spiegel" ins Ressort Deutschland II und wurde dort 1996 stellvertretender Leiter. Im Oktober 1996 ging er als Wirtschaftskorrespondent nach Washington, ab 1998 berichtete er aus New York. Seit Dezember 2000 ist der heute 47-Jährige Chefredakteur von Spiegel Online.
Beim Näherrücken zwischen „Spiegel" und Spiegel Online könnten sich die Hamburger vorstellen, künftig auf den Namenszusatz „Online" zu verzichten. „Ich möchte nicht ausschließen, dass wir dieses Label später einmal aufgeben und damit bereits im Produktnamen dokumentieren, dass beide Medien weiter zusammenwachsen", so Blumencron.
Georg Mascolo
Georg Mascolo, 42, wechselte 1991 von Spiegel TV zum Nachrichtenmagazin. Dort leitete er später das Deutschland-II-Ressort, das für das Geschehen im Land und in den Bundesländern jenseits der Hauptstadt-Politik zuständig ist. Später ging er für den „Spiegel" als Korrespondent nach Washington. Seit Juli 2007 leitet er, gemeinsam mit Dirk Kurbjuweit das einflussreiche Berliner Büro des Blattes.
Dabei könne Print auch von Online lernen: „Manche Printmedien müssten die Onlinewelt als Thema ernster nehmen", so Blumencron. In Ergänzung zu Online mit seinen Multimedia-Features und Verlinkungen „sollten sich Zeitungen und Magazine daher durch mehr inhaltliche Tiefe, optische Ruhe und Opulenz von der eher hektischen Onlinewelt unterscheiden - wobei auch die Gestaltung der Internetmedien etwas mehr Ruhe vertragen könnte", so Blumencron.
Georg Mascolo, 42, stand bisher weniger im Rampenlicht „Spiegel"-interner Grundsatzdiskussionen. Er gilt als Top-Journalist und -Rechercheur und war bereits früher von Aust als einer seiner möglichen Nachfolger ins Gespräch gebracht worden. Dieser hatte Mascolo 1991 zu Spiegel TV geholt.
Mitte November 2007 war überraschend bekannt geworden, dass die Gesellschafter des „Spiegel" auf Betreiben der Mitarbeiter KG den Vertrag mit Stefan Aust, seit 1994 erfolgreicher, aber intern auch umstrittener Chefredakteur, vorzeitig zum Ende 2008 kündigen, anstatt ihn 2010 regulär auslaufen zu lassen. „Wir sind der Meinung, dass der ,Spiegel‘ einen Modernisierungsschub braucht. Wir wollen mehr junge Leute an das Blatt binden. Dazu braucht es eine frische, neue Kraft", lautete die Begründung der Mitarbeiter KG für Austs Demission.
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