Media-Affäre
Ruzicka-Affäre: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den gefeuerten Ferrero-Mediachef Herbert Korrell
Mit sofortiger Wirkung hat sich der Frankfurter Konsumgüterkonzern Ferrero von Mediadirektor Herbert Korrell getrennt. Es bestehe der dringende Verdacht, dass seine Ehefrau Geld im Zusammenhang mit der Ruzicka-Affäre erhalten habe, so das Unternehmen. Diesen Sachverhalt habe Korrell Ferrero verschwiegen. Die Unternehmensleitung sei „sehr betroffen" darüber.
Ferrero betont, keine Toleranz für Verfehlungen jeder Art gegen seine ethischen Prinzipien zuzulassen. Näher will sich das Unternehmen zu den Vorgängen erst äußern, wenn neue Erkenntnisse vorliegen. Mit der Entlassung von Korrell weitet sich die Ruzicka-Affäre nun auch auf die Kundenseite aus. In einem separaten Verfahren ermittelt die Wiesbadener Staatsanwaltschaft gegen Korrell und seine Ehefrau Erika. Der Vorwurf gegen den Mediadirektor von Ferrero lautet: Verdacht der Untreue. Wie Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse bestätigt, wurde im Februar ein eigenständiges Ermittlungsverfahren gegen das Ehepaar eingeleitet. Ferses Angaben zufolge sollen Korrells 250.000 Euro veruntreut haben.
Vom Gärtner zum Bock
In dubio pro reo. Dennoch: Die fristlose Entlassung von Herbert Korrell bringt nicht nur seinen Ex-Arbeitgeber Ferrero in Erklärungsnot. Auch der Branchenverband OWM muss endlich aus der Versenkung raus. Probleme aussitzen, darin war vielleicht Helmut Kohl Meister. Die Organisation Werbungtreibender im Markenverband ist es nicht. Auch mit dem Finger auf die anderen, sprich Agenturen und Vermarkter, zu zeigen, wird in diesem Falle nicht weiter helfen. Korrell ist schließlich nicht irgendwer. Sondern war auch Schatzmeister und stellvertretender Vorsitzender der OWM. Lieber Uwe Becker: Quo vadis Media, quo vadis OWM? Volker Schütz
Der Weg, den die mutmaßlich veruntreuten Gelder von Aegis Media bis hin zu dem Ehepaar Korrell genommen haben sollen, lässt sich wohl am besten mit einem Springbrunnen vergleichen. An der Spitze steht Aegis Media, die Rechnungen von der Bonner Firma Emerson FF über den Einkauf von TV-Werbeplätzen bekam und beglich. Dabei handelte es sich den Ermittlern zufolge um Freispotvolumina, die von den TV-Vermarktern gewährt wurden. Emerson FF erhielt im Anschluss Rechnungen der angeblichen Tarnfirmen Watson Communications und Camaco über "nicht erbrachte Leistungen", wie es in der Anklageschrift heißt. Das Gleiche gilt offenbar auch für die Gesellschaft Krenrich, an die Emerson FF Gelder überwies. Analog zu dem bisher bekannten Procedere erhielt Krenrich daraufhin zweimal eine Rechnung von Korrells Firma und überwies an diese insgesamt 250.000 Euro.
„Bei den Ermittlungen zum Verbleib der bei Aegis abgeflossenen Gelder ist man auf den Vermögenszuwachs bei der Ehefrau des Beschuldigten Korrell gestoßen, für den es keine plausible Erklärung gibt", erklärt Ferse. Da die Geldströme aus den Bezahlungen von Scheinrechnungen, also von Aegis an Emerson FF stammten und dabei als Bezugsfirma die Firma Ferrero angegeben war, bestünde laut Ferse die Möglichkeit, dass es sich um Gelder von Ferrero handelte. Näheres hiezu müssten die Ermittlungen ergeben. Der Untreuevorwurf gegen Korrell aber bezieht sich auf die Rechnungen von Aegis an Ferrero, die er hätte kontrollieren und Unregelmäßigkeiten seinem Arbeitgeber melden müssen.
Sollten die Ermittlungen diesen Verdacht bestätigen, wird unter Umständen auch gegen das Ehepaar Korrell Anklage erhoben. Herbert Korrell war seit vielen Jahren Mediadirektor bei dem Süßwarenhersteller Ferrero, der seit den frühen 1970er Jahren auf der Kundenliste von Aegis Media steht. Außerdem war Korrell viele Jahre Vorstandsmitglied und Schatzmeister der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM), die seit langem vehement die Intransparenz im Mediageschäft und vor allem die Usancen der Mediaagenturen kritisiert. Dass nun ein Mitglied aus ihren eigenen Reihen in den Ruzicka-Skandal verstrickt ist, muss der OWM und ihrem Vorsitzenden Uwe Becker ernsthaft zu denken geben. Von dem deutschen Mediasystem haben offensichtlich nicht nur die Agenturen profitiert, sondern möglicherweise haben auch die Werbekunden die Hand aufgehalten.
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