12.12.2007
Spiegel Verlag
Kleber gibt dem Spiegel einen Korb
Bei der quasi öffentlichen Suche nach einem Nachfolger für seinen vorzeitig gekündigten Chefredakteur Stefan Aust ist für den „Spiegel" der Worst Case eingetreten: Wunschkandidat Claus Kleber, Leiter und Moderator des ZDF-„Heute Journals", hat dem „Spiegel" einen Korb gegeben. Er bleibt beim ZDF in Mainz. Dies teilte der öffentlich-rechtliche Sender am Mittwochabend mit.
Er traue sich die Aufgabe zu, das Angebot sei eine große Ehre und er habe seine Entscheidung gründlich abgewogen, so Kleber laut ZDF. Aber am Ende stehe die Überzeugung: „Das Fernsehen ist mein Medium. Es ist keine Entscheidung gegen das wichtigste Print-Magazin, sondern eine für das beste TV-Magazin." Man darf zudem vermuten, dass das ZDF Kleber in etlichen Vertragskonditionen weit entgegengekommen ist. Für den „Spiegel" bedeutet Klebers Absage eine Fortsetzung der quälenden Suche nach einem Nachfolger für Aust, dessen Vertrag Ende 2008 ausläuft. „Wir bedauern die Absage sehr und werden jetzt ohne Zeitdruck und in Ruhe weitere Gespräche führen", lässt der Verlag nun mitteilen.
Doch der Wunsch nach Ruhe dürfte vergeblich sein, denn seit dem Bekanntwerden von Austs Demission vor über drei Wochen wurde wild über mögliche Nachfolger spekuliert, die Liste wurde immer länger - unter anderem mit Uwe Vorkötter („Frankfurter Rundschau"), Giovanni di Lorenzo („Zeit"), Heribert Prantl (Innenpolitik-Chef der „SZ"), Frank Plasberg (ARD), Volker Herres (ARD) sowie den „Spiegel"-Redakteuren Gabor Steingart (vorher Büroleiter Berlin, jetzt USA-Korrespondent), Martin Doerry (stellvertretender Chefredakteur) und Matthias Müller von Blumencron (Chefredakteur Spiegel Online). Die beiden Letztgenannten hätten die Stellvertreter von Kleber werden sollen.
Klebers Kür beendete am vergangenen Freitag diese Spekulationen - vorerst. Vorausgegangen war ein schwieriger Einigungsprozess der wichtigsten Gesellschafter: der Mitarbeiter KG (50,5 Prozent) und Gruner + Jahr (25,5). Falls beide Gruppen schnell weitere gemeinsame Kandidaten zur Hand haben, könnte diesen der Makel anhaften, nur zweite Wahl zu sein. Und falls nicht - geht die mitunter von Spott und Häme begleitete Suche nach einem neuen Chefredakteur von vorne los. Dem Image des „Spiegel" dürfte das kaum dienlich sein.
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