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von Bettina Neises,
Redakteurin Ressort Medien

Kecker Einstand beim "Handelsblatt": Gabor Steingart kommuniziert in eigener Sache


Hält nichts von Geheimniskrämerei: Gabor Steingart 

Hält nichts von Geheimniskrämerei: Gabor Steingart

Jetzt ist es offiziell: Gabor Steingart bestätigt auf seiner eigenen
Homepage, dass er Bernd Ziesemer als Chefredakteur bei der Wirtschaftstageszeitung "Handelsblatt" ablösen wird. Dabei geht der Journalist, der aktuell als Washington-Korrespondent für das Nachrichtenmagazin "Spiegel" arbeitet, einen sehr ungewöhnlichen Weg: Denn er verbreitete die frohe Kunde schon zu einem Zeitpunkt, als sein künftiger Arbeitgeber sich zu dem Thema noch gar nicht äußern wollte. Inzwischen hat auch die Verlagsgruppe Handelsblatt die Personalie offiziell bekannt gegeben. Ein genauer Einstiegstermin steht bisher nicht fest. Noch wird beim "Spiegel" über den Zeitpunkt für den Abgang verhandelt.
 
Steingart begreift den Wechsel als "Ehre und Herausforderung zugleich". In der Tat kommt auf ihn ein ordentliches Stück arbeit zu, soll das "Handelsblatt" im vergangenen Jahr doch einen Verlust von 5 bis 10 Millionen Euro eingefahren haben. Der 47-Jährige wird das Blatt also künftig mit einem harten Sparkurs führen müssen. Steingart sieht in seiner neuen Aufgabe vor allem eine Chance. "Die heutige Zeit ist ökonomisch schwierig, aber publizistisch reizvoll: Noch nie haben sich mehr Menschen für das Abenteuer Wirtschaft interessiert", schreibt der Journalist auf seiner Website.

Gabor Steingart: Noch nie haben sich mehr Menschen für das Abenteuer Wirtschaft interessiert.

Den nötigen Draht zu seinen neuen Kollegen habe er bereits: "Etliche Redakteure kenne ich noch aus unserer gemeinsamen Zeit als Schüler der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalismus." Hier hat er auch das Motto für seine eigene Arbeit gelernt: "Qualität kommt von Qual." Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Situation des "Handelsblatts" wird er sich wohl in Zukunft ganz besonders quälen müssen, um die Qualität trotz geringerer Mittel beizubehalten.
 
Sein Abschied vom "Spiegel" fällt ihm nicht leicht. Er habe das Magazin auch immer als sein Blatt empfunden. Schließlich hat ihm der Titel seinen Kinderwunsch erfüllt: "Andere wollten Lehrer oder Pilot werden, ich wollte als White-House-Korrespondent in Washington arbeiten."
 
Steingart kam als 28-Jähriger zum "Spiegel". Seine Arbeit für das Nachrichtenmagazin begann er in Leipzig, bevor er als Wirtschaftskorrespondent nach Bonn wechselte. Anschließend war er sechs Jahre lang Ressortleiter Wirtschaft in Hamburg. Danach leitete er sechs Jahre das Hauptstadtbüro in Berlin. Im Sommer 2007, zu Beginn des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes, wechselte er als Korrespondent nach Washington. Steingarts Kolumne "WestWing" erscheint seither auf Spiegel Online.
 
Auch zu Holtzbrinck besteht bereits eine Verbindung. Nach dem Besuch der Journalistenschule arbeitete er für den Konzern zunächst in New York bei der Finanzzeitschrift "Corporate Finance", bevor er Reporter für den "Handelsblatt"-Schwestertitel "Wirtschaftswoche" wurde.  bn
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