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Ex-G+J-Boss Buchholz über die FDP, Neidkultur – und seinen Ärger über den "Stern"


von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

Bernd Buchholz liebäugelt mit der Politik

Bernd Buchholz liebäugelt mit der Politik


Am Donnerstagabend betrat er erstmals wieder öffentliches Parkett: Bernd Buchholz, bis Anfang September Vorstandschef von Gruner + Jahr. Auf der Publishers‘ Night des Verlegerverbandes VDZ trat er an zum Meet & Greet, herzte Verlagsfrauen, umkumpelte Medienmänner - und plauschte im abgetrennten VIP-Bereich mit der versammelten Politik-Prominenz der FDP: Wirtschaftsminister und Parteichef Philipp Rösler, Außenminister Guido Westerwelle sowie Rainer Brüderle, der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion. Diese Herren waren wohl die Kernzielgruppe von Buchholz‘ Besuch auf der Verlegerparty - denn schließlich will er für die FDP in den Bundestag. Darüber plaudert Buchholz jetzt in der "Welt". Und sagt auch noch ein bisschen was zu seiner Zeit bei G+J.

 
Über die Gründe und Umstände seines Abschieds von G+J, über die HORIZONT.NET und andere Medien viel geschrieben haben, „kann und will ich hier nicht reden, ich habe schließlich eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterschrieben", so Buchholz in der „Welt". Nur so viel: „Es gibt nun mal Situationen, in denen Gesellschafter und Vorstandschef eines Unternehmens zu dem Schluss kommen, dass es besser ist, sich zu trennen."
Und nun eben wieder zurück in die Politik (von 1992 bis 1996 saß er für die Liberalen im schleswig-holsteinischen Landtag, seit 1993 als Parlamentarischer Geschäftsführer). Buchholz, der sich bei aller Nichteinmischung in die Redaktionsarbeit „gelegentlich maßlos geärgert" habe über die zuweilen betont FDP-kritische Haltung des Verlagsflaggschiffs „Stern", will im März von der schleswig-holsteinischen FDP für Platz 2 der Landesliste nominiert werden, gleich hinter Wolfgang Kubicki. Ein sicherer Listenplatz, wenn es die FDP in den Bundestag schafft. Und wenn nicht? „Dann bricht die Welt auch nicht zusammen."
 
Im "Welt"-Interview springt Buchholz vor allem dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück („Ein guter Mann") zur Seite, der aktuell mit der Diskussion über seine Redner- und Buchhonorare zu kämpfen hat. Dass der sich über Wochen für Nebeneinkünfte rechtfertigen müsse, statt sich mit politischen Inhalten zu befassen, stehe „exemplarisch für die teilweise absurden Politik-Ersatzdebatten" und sei „Ausdruck einer Neidkultur, die ich völlig daneben finde". Er selbst, der in seinen Jahren bei G+J „sehr ordentlich verdient" habe (allein die Abfindung wird auf über 5 Millionen Euro taxiert), genieße „die persönliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit, die man manchmal benötigt, um genau das zu sagen, was man denkt".
 
Es könne ja sein, dass er, der ehemalige Top-Manager, das Klischee der FDP als Partei der Besserverdiener vordergründig bediene. Aber er werde sich „auf keinen Fall darauf beschränken, ausschließlich Wirtschaftsfragen zu debattieren". Das läge auch nicht im Interesse der FDP. Denn in der Gerechtigkeitsdebatte müssten auch die Liberalen Antworten geben. Er selbst identifiziere sich seit seinem 18. Lebensjahr mit dem Liberalismus als Grundidee von Freiheit und Verantwortung.
 
Nur schade, dass die „Welt" den bekanntlich diskussionsfreudigen Buchholz nicht mit der Kernfrage aus der Reserve lockt, ob denn die FDP überhaupt die Partei der Freiheit ist - oder nicht eher eine Klienteltruppe, die etwa an nicht-liberalen Gesetzen wie Pflichtmitgliedschaften in berufsständischen Kammern, Meisterzwang und Verboten von Online-Apotheken besonders eifrig festhält, um ihre kleinen Zielgruppen (Anwälte, selbstständige Handwerker, Ärzte und Apotheker) vor allzu viel neuer Konkurrenz zu schützen. Und wie es denn die FDP bei ihren Zustimmungen zu den permanenten Euro-Rettungen, die nichts anderes sind als Bankenrettungen auf Kosten anderer, wirklich mit ihrem Sonntagsreden-Freiheitsprinzip der Verantwortung (der Geldhäuser) hält. Mal sehen, ob Buchholz diese Themen nutzt, um sich FDP-intern und öffentlich zu positionieren. Nachzulesen wäre das dann vielleicht besonders pointiert im "Stern". rp
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