24.09.2009
Onlinemesse
dmexco: Amir Kassaei prangert die Arroganz der Agenturen bei digitaler Markenführung an
Wer setzt sich als Kunden-Navigator durch? Dies war die zentrale Frage bei der dmexco-Debatte „Digitale Markenführung". Die Antworten darauf: teilweise hitzig, vor allem von Amir Kassaei. Der Werbe-Guru prangerte die Arroganz der Agenturszene an: „Die digitale Markenführung kann nur vom Mensch draußen auf der Straße gemacht werden. Der Konsument selbst ist das größte Tribunal überhaupt", so Kassaei. Und weiter: „Wer das nicht einsieht, ist verlogen, kapiert nicht, was in der Welt passiert oder hat den Schuss nicht gehört."
Die Antworten seiner Mitdiskutanten kommen da sehr viel milder herüber: So meint Michael Dunke von Universal McCann beispielsweise, es werde sich die Agentur durchsetzen, die versteht, wie die Kunden ticken. Für Uli Kramer, Geschäftsführer von Pilot 1/0, hängt die Zukunft des Leads in der Markenführung insgesamt von drei Kriterien ab: Erstens die Idee für die Markenbotschaft. Zweitens das Verständnis, wie Menschen Medien nutzen und wie sie Werbung konsumieren. Und drittens die Kompetenz einer Agentur, Inhalte so zu gestalten, dass sich die Kunden auch damit befassen wollen.
Dr. Oliver Hermes sagte am 24.09.2009 um 18:26
Mitinhaber Berger Baader Hermes
Kassaei's These zur digitalen Markenführung klingt sexy und revolutionär, aber ist natürlich grundfalsch. Zwar emanzipiert sich der Konsument, steuert mit und greift als basisdemokratische Bewegung aktiv in die öffentliche Wahrnehmung ein. Aber Marken führt er damit noch lange nicht. Marken werden niemals völlig demokratisch sein. Das will auch niemand, schon gar nicht der Konsument. Richtig ist, dass es auch im digitalen Zeitalter immer noch die Unternehmen sind, die über ihre Marken herrschen, aber eben nicht mehr autonom und autokratisch, sondern in systematischer Vernetzung mit dem wehrhaften Konsumenten. Moderne Markenführung heißt ganz simpel: "Netzwerke und herrsche".
André Luce sagte am 25.09.2009 um 09:03
"Netzwerke und herrsche"
wenn obiger Grundsatz Gültigkeit hätte, wäre die Digitalisierung für die Major-Musikindustrie kein Problem, sondern ein Segen, wie für viele kleinere Künstler. Und genau das kann zur Gefahr für die Marke des 20. Jahrhunderts werden - wenn nämlich die Angebote sozialer und immer mehr 1:1 werden, dann 1. muss jede Marke auch 1:1 sein (womit sie dann etwas anderes ist als klassische Marke, was nichts mit Demokratie zu tun hat und über die Unternehmen somit nicht mehr 'herrschen' können) und sie muss 2. konkurrieren mit zahlloser nicht-werblicher Kommunikation, und diesen Wettbewerb zunehmend verlieren. Die (eine) "öffentliche Wahrnehmung" gibt es nicht mehr. Unternehmen können aber sehr wohl Tehemenfelder besetzten und Kompetenzen aufbauen (first come, first served!), wenn sie die Herausforderung annehmen und den 'Kunden' wahren kommunikativen Nutzen verschaffen. Auch ich sehe die Übertriebenheit in Kassaeis "These", aber anders ist die Branche ja kaum zu erreichen. Außerdem fehlt hier der Kontext seiner Aussagen.
Martin Grudzinski sagte am 26.09.2009 um 12:18
Die Verwirrung geht weiter!
Was meint Herr Dunke mit "Kunden"? Agentur-Kunden oder Verbraucher? --- Bei den meisten Statements zu "Digitaler Markenführung" beschleicht mich das Gefühl, dass die Zitierten gar nicht wissen, was Markenführung ist.
leila P: sagte am 18.10.2010 um 21:57
Kritiklose Werber
Herr Karsai hat recht: Viele Agenturen kreisen arrogant um sich selbst. Wie will ein Agenturmitarbeiter frisch von der Hochschule und nie in einem Unternehmen gearbeitet, denn seinem Kunden Mitte 40 und mit Doktortitel über Marken belehren?Weitere Nachrichten aus Digital vom 24.09.2009:
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