29.06.2010
Debatte
Warum Facebook fürs Marketing so wichtig wird
Wie relevant ist Facebook fürs Marketing? Darüber diskutieren Marketer und Internet-Evangelisten nicht erst seit der in HORIZONT.NET publizierten Verbalattacke von United-Internet-Media-Vorstand Matthias Ehrlich („Gequatsche", „Keine Markenführung möglich").
Seitdem Social Networks wie VZ oder Facebook spürbare Reichweiten-Kings sind (Spiegel Online: „Wie Facebook die Portale austrocknet") versucht der Marketing-Mainstream (inklusive Online-Mainstream) durchaus eigennützig die Argumente der Web-2.0-Vorreiter als visionäre - gemeint war damit: aktuell eher märchenhafte und allenfalls vielleicht mal irgendwann in irgendeiner Zukunft relevante - Marketing-Philosophie abzutun.
Doch die Realität im Sommer 2010 führt sämtliche Bedenken über die Relevanz von Facebook ad absurdum. 10 Millionen Nutzer hat Facebook in Deutschland inzwischen. Weltweit sind es knapp eine halbe Milliarde Menschen, die via Facebook kommunizieren. „Du bist auf Facebook? Das ist doch rufschädigend." - zitiert "FAZ"-Netzökonom Holger Schmidt das Erlebnis eines hochrangigen Telekom-Managers. Um dann festzustellen: Nicht nur der gemeine Konsument, sondern auch 80 Prozent der Führungskräfte nutzen soziale Netzmedien.
Wir haben schon bei anderen Gelegenheiten über den teilweise dramatischen Strategiewechsel großer Marken (VW, Adidas, Beck's, Nike etc.) Richtung Social Web berichtet. In dem am Donnerstag erscheinenden HORIZONT analysiert Online-Reporter und Blogger Olaf Kolbrück diesen Paradigmenwechsel im Detail. Dass sich dieser Wechsel in Zahlen niederschlägt, die auch für klassische Online-Vermarkter Anlass zur Besorgnis sind (und letztlich ökonomischer Hintergrund der Ehrlich-Injurie), zeigt eine Headline des britischen Online-Dienstes New Media Age von vor einem Monat: „Facebook ads make up a third of UK online display market." Auf gut Deutsch: Werbung auf Facebook macht in Großbritannien, traditionell in Sachen Digitalbusiness mindestens zwei bis drei Jahre den Deutschen voraus, schon ein Drittel des gesamten Display-Marktes aus.
„Mein Sohn hat mich gefragt, wie wir ins Internet kamen, bevor es Computer gab." Dieses Bonmot des neuen Jung-von-Matt-Chefs Peter Figge wird seit einem Jahr immer wieder bei Präsentationen und Keynotes auf den großen Branchenveranstaltungen kolportiert. Die Web-2.0-Variante dieses Bonmots hat jüngst ein Marktforscher, der das Medienverhalten von Teenagern untersuchte, zum Besten gegeben. Ein Youngster antwortete auf die Frage, wie er E-Email nutzt: „E-Mail mach ich nur, um Kontakt zu alten Menschen aufzunehmen."
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Thomas sagte am 29.06.2010 um 14:28
Bäuerchen machen
?Mein Sohn hat mich gefragt, wie wir ins Internet kamen, bevor es Computer gab." Die Folgen des übermäßigen Internetkonsums sind ja schwerwiegender als wir angenommen haben.
Karin sagte am 29.06.2010 um 17:25
Danke!
Vielen Dank für diesen amüsanten Artikel! Ich lache noch immer...
Gilbert sagte am 29.06.2010 um 18:45
10 Millionen sind eine klare Währung.
Wie bei allen Marketing-Maßnahmen kommt es auf die Umsetzung an. Facebook hat seine eigenen Gesetze und bindet natürlich auch Ressourcen. Wer das im Rahmen des Marketing-Mix leisten kann und will, wird mit Facebook punkten können Gilbert Röhrborn www.wtm-onnline.de
Stefan sagte am 30.06.2010 um 10:03
Ja, aber...
Zwei Punkte sind mir beim Lesen ihres Artikels in den Sinn gekommen: 1.) Die beschriebene "Diskreditierung der Social Networks bei (Media-) Entscheidern" durch Datenschutzprobleme interessiert den Nutzer nicht. Wie wir an den Entwicklungszahlen sehen, nehmen die Nutzer die Risiken gern in Kauf und "sharen" und "connecten" sich weiterhin über Facebook und Co. Die Ankündigung von Herrn Zuckerberg, dass Facebook 1 Mrd. User anpeilt unterstützt dieses noch. 2. Ausgaben für Online-Werbung in sozialen Netzwerken steigen zwar. Die Vergangenheit zeit jedoch, dass die Absatzzahlen enttäuschend sind. Die Nutzer der sozialen Netzwerke sind wenig zugänglich für Werbung und noch weniger tätigen tatsächlich Käufe aufgrund von Social Media Werbung. Hier kann und wird sicherlich der Weg über die Mund-zu-Mund-Propaganda führen. Das Unternehmen muss sich im Netz authentisch, echt und offen präsentieren um mit seinen (potenziellen) Kunden in den Dialog zu treten. Schon allein mit diesem Vorgehen sind viele deutsche Unternehmen heute schon überfordert. Man möchte sich einfach nicht gegenüber den Kunden öffnen, da man sich damit direkt angreifbar macht. --- http://twitter.com/stelten
Leser sagte am 30.06.2010 um 10:13
Heiße Debatte
Na, das ist ja ne heiße Debatte. Da hat HORIZONT ja voll den Nerv der Zeit getroffen ;-)Weitere Nachrichten aus Digital vom 29.06.2010:
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