16.05.2008
Allianzen
WPP macht gemeinsame Sache mit Yahoo
Yahoo hat sich im immer härter werdenden Kampf um Anteile im Online-Werbegeschäft etwas Luft verschafft. Das Internetportal, das sich gerade erfolgreich gegen eine Übernahme durch Microsoft gewehrt hat, wird künftig mit der Werbeholding WPP zusammenarbeiten.
Grundlage ist eine strategische Partnerschaft, die Yahoo mit den WPP-Töchtern Group M, 24/7 Real Media and WPP Digital beschlossen hat. Der Vereinbarung zufolge sollen die WPP-Agenturen in Zukunft Werbeplätze für digitale Display-Werbung deutlich effizienter einkaufen können als bislang. So ist geplant, eine proprietäre Media-Handelsplattform aufzubauen, die mit der Yahoo-Plattform Right Media Exchange verknüpft wird. Die elektronische Börse, auf der Werbeplätze versteigert werden, hatte Yahoo vergangenen April übernommen.
Eine Schlüsselrolle kommt bei dem Projekt dem von WPP übernommenen Targeting-Spezialisten 24/7 Real Media zu. Dieser soll als eine Art Schnittstelle fungieren und gemeinsam mit den WPP-Agenturen Lösungen entwickeln, um Internetnutzer auf den von Yahoo vermarkteten Seiten möglichst ohne Streuverluste und kosteneffizient zu erreichen. Der geplante Marktplatz, auf dem die WPP-Agenturen künftig ihre Kunden mit Werbeplätzen versorgen, soll auch Dritten offenstehen.
Im WPP-Reich sieht man der Partnerschaft mit Yahoo mit großem Optimismus entgegen. Nach Ansicht von Mark Read, Strategiechef und CEO von WPP Digital, sind Agenturen sowie Medien- und Technologiekonzerne heutzutage gezwungen, Allianzen einzugehen, um die Wertschöpfung zu erhöhen. "Dank der Übernahme von 24/7 Real Media sind wir nun in der Lage, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen", so Read. Auch Irwin Gotlieb, CEO der Group M, verspricht sich von dem Deal einiges. Die Zusammenarbeit mit Yahoo werde die Digital-Media-Kompetenz der Gruppe erhöhen und die WPP-Agenturen in die Lage versetzen, ihre Kunden besser zu bedienen, so Gotlieb.
Dass ausgerechnet WPP nun mit einem großen Portal- und Suchanbieter auf Schmusekurs geht, überrascht. Grund sind Äußerungen von WPP-Chef Martin Sorrell. Dieser hatte vor einem Jahr den Suchriesen Google nach dessen Übernahme von Doubleclick noch als "langfristigen Feind der Agenturen" bezeichnet. Auch Social Networks wie Facebook steht der WPP-Chef eher kritisch gegenüber. Dass WPP einer Partnerschaft mit einem Webportal wie Yahoo nun doch etwas abgewinnen kann, könnte mit den Aktivitäten des Wettbewerbs zusammenhängen. So hat Publicis erst im Januar 2008 eine Kooperation mit Google beschlossen.
- Digital 6. Mai 2008: Yahoo und Microsoft nehmen Gespräche wieder auf
- Digital 5. Mai 2008: Microsoft verzichtet auf Yahoo
- Digital 10. April 2008: Gerüchteküche: Yahoo führt Fusionsgespräche mit AOL
- Digital 7. April 2008: Microsoft droht Yahoo mit feindlicher Übernahme
- Klartext 4. Februar 2008: Warum sich Steve Ballmer verspekulieren wird
- Digital 1. Februar 2008: Google nährt nach Umsatzplus Übernahmephantasien
- Digital 1. Februar 2008: WPP-Chef Sorrell attackiert Social Networks
- Agenturen 23. Januar 2008: Publicis und Google vereinbaren lose Kooperation
- Digital 30. April 2007: Yahoo kauft Right Media
- Digital 23. April 2007: WPP-Chef Martin Sorrell attackiert Google
Weitere Nachrichten aus Digital vom 16.05.2008:
CBS will CNet schlucken
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