18.03.2010
Interview
UIM-Vorstand Ehrlich zum AGOF-Ranking: "Das ist kein Beinbruch"
United Internet Media (UIM) ist der Verlierer der "Internet Facts 2009-IV". Im Ranking der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (Agof) rutscht der einstige Marktführer mit einem Minus von 360.000 Unique Usern auf Platz 3 ab. HORIZONT.NET hat mit UIM-Vorstand Matthias Ehrlich über die Gründe gesprochen.
United Internet Media ist im Vermarkterranking auf Platz 3 abgerutscht. Was sind die Gründe für den Abstieg?
Was bedeutet es für UIM, nicht mehr auf Platz 1 oder 2 des Rankings zu stehen?
Matthias Ehrlich: Auf jeden Fall keinen Beinbruch. Zum einen sind wir auch in der wichtigeren Wochenreichweite mit Platz 2 unter den Top 3 der Agof. Zum anderen bleiben wir der Vermarkter mit der größten homogenen Reichweite über unsere drei Portale. Beides - Zugriff als Eigenvermarkter auf Homogenität und das Media-Event an sich - machen den Qualitätsvorsprung aus: die komplette mediale Steuerbarkeit dieser großen Reichweite versus die Nachteile der Drittvermarktung, wo der Vermarkter eher zum Händler als zum Lösungslieferant wird. Für uns ist es wichtiger - und nebenbei gesagt auch lukrativer, weil per Qualität höher vom Kunden bezahlt - auf einer exzellenten Mediabasis hohe Qualität zu liefern und Premiumpartner für Werbungtreibende und Agenturen zu sein, als über teure Reichweitenzukäufe im Drittvermarktungsgeschäft in einem Reichweitenranking an der Spitze zu stehen, dafür aber den Fokus auf eine nachfragegesteuerte Qualität zu verlieren.
Also bereuen Sie es nicht, dass sie nicht in die Drittvermarktung eingestiegen sind?
Matthias Ehrlich: Wir haben diese Entscheidung vor einem Jahr frei treffen können - bei der Frage, ob wir United Internet Media und Adlink mergen, standen eben diese Abwägungen im Raum. United Internet Media hat sich bewusst gegen eine rein auf Reichweiten fokussierte Handelsorientierung und für den Ausbau der Lösungskraft auf Basis homogener Reichweiten entschieden. Schauen Sie sich einfach den Vergleich zwischen traditionellen Vermarktern und reinen Ad Networks an - hier wird der Unterschied in punkto Leistung, Qualität und reine Massendenke in jeder Hinsicht deutlich. Die Drittvermarktung steht irgendwo zwischen beiden Modellen: der Eigen-/Marken-Vermarktung und dem Abverkauf von Handelsplätzen.
Aber zählt angesichts der Konsolidierung im Online-Werbemarkt nicht auch allein die Größe?
Matthias Ehrlich: Der Trend im wichtigsten Kundenkreis, dem der Werbungtreibenden, gibt uns zurzeit recht: Wir fokussieren das, was nachfrageseitig wichtig ist und uns unverändert eine führende Position im Relevant Set der Mediaentscheider sichert. Wenn alle Marktteilnehmer früher oder später über eine entsprechende „Agof-Kosmetik" per Drittvermarktung, Reichweiten-Bundles etc. 50 Prozent Reichweite und mehr für sich reklamieren, rückt das Thema Qualität in der Reichweite gegenüber der reinen Reichweite weiter in den Vordergrund. Dazu zählt neben einer effizienten, weil homogenen Reichweite des Portfolios vor allem die Fähigkeit, auf der Basis hoher Nutzungsfrequenzen schnell Werbedruck in der Zielgruppe aufbauen zu können. Zudem sind für Werbungtreibende und Agenturen Faktoren wie Service, Beratung und vor allem Lösungskraft inzwischen wichtiger als die reine, oftmals heterogene Portfolioreichweite. Hier sehen wir uns in der Pole Position - auf jeden Fall nach der in Branchen-Studien und Vermarktertest bestätigten Ansicht unserer Kunden. Interview: Bettina Neises
- Digital 18. März 2010: Internet Facts: Vermarkter UIM rutscht auf Platz 3 ab
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