19.01.2010
Trendforscher Peter Kruse: Social Media bestimmt die Kommunikation der Zukunft
Medien und Unternehmen müssen akzeptieren, dass sich Verbraucher in den Netzwerken zu mächtigen Bewegungen organisieren, sagte der Bremer Unternehmensberater und Trendforscher Peter Kruse in seiner Keynote zur Eröffnung des Frankfurter Medienkongresses. Schon 1999 habe das Cluetrain-Manifest die Idee "Märkte sind Gespräche" formuliert, heute sei diese Vision Realität. Da das Internet als Kommunikationsnetzwerk ständig offen ist für neue Ideen, könnten auch Einzelmeinungen schnell die öffentliche Wahrnehmung verändern, wenn sie in den Netzen auf Resonanz stoßen. Ein Prozess, den dann auch Unternehmen nicht mehr ignorieren könnten: "Sobald sich der Longtail zu einer Bewegung organisiert, steigt die Wahrscheinlichkeit dramatisch, dass es dem Schwanz tatsächlich gelingt, mit dem Hund zu wedeln."
Dass es Konsumenten schon heute gelingt, den Unternehmen ihre Vortellungen der Kundenbeziehung zu diktieren illustrierte Kruse an dem Beispiel der Carrot Mobs. Die aktuell wachsende Bewegung organisiert Flashmobs in Geschäften, wenn diese einen Teil des an diesem Tag erzielten Umsatzes anschließend Spenden: "Die Teilnehmer des Flashmobs decken ihren alltäglichen Konsumbedarf und motivieren gleichzeitig Unternehmen zu nachhaltigem Wirtschaften. Solche Formen des Konsumenten-Aktivismus werden wir in Zukunft häufiger sehen."
michael sagte am 19.01.2010 um 14:13
trend?
kann mir nicht einer von den selbsternannten trendforschern irgendwann mal etwas sagen, auf das nicht jeder sich halbwegs mit der materie befasste leser selbst kommt?
Klaas Kramer sagte am 19.01.2010 um 15:48
Trendforschung at it's best
Also dass Peter Kruse jetzt als "Trendforscher" firmiert... Er bezeichnet sich doch bestimmt nicht selbst so.
wolfgang zehrt sagte am 20.01.2010 um 09:21
Nichts ist so alt wie Social Media
Auch wenn meist selbsternannte Web-Päpste und vor allem IT-Agenturen das Thema "Social Media" gerne zur Geheimwissenschaft erklären möchten: "Social Media" ist das Rückbesinnen auf kommunikative Grundtugenden mit neuen technischen Mitteln, nicht mehr und nicht weniger. Und gerade deswegen hochgradig authentisch und extrem wichtig auch in der Unternehmenskommunikation. Vor dreihundert Jahren wäre es bei einem Produktlaunch wichtig gewesen, das das Produkt positives Gesprächsthema auf den Marktplätzen der Region ist. Der mittelalterliche Marktplatz ist durch den virtuellen ersetzt worden, funktioniert aber ansonsten sehr ähnlich. Und genau wie vor dreihundert Jahren ein mittelalterlicher Promoter, der versucht sich mehr oder weniger geschickt in die Gespräche der Schweinebauch kaufenden Marktbesucher einzuschalten, vermutlich in den Burggraben geschubst worden wäre, muss dieselbe Sensibilität heute den Bloggern und Communities gelten. Denn Professor Kruse hat recht: das ist das entscheidene Thema der nächsten Kommunikationsjahre. Trotzdem braucht es keine überbezahlten web x.o-Agenten um auf diesem Marktplatz vertreten zu sein.
Sascha sagte am 20.01.2010 um 14:00
Ist das so einfach?
Zu den vorigen Kommentatoren kann ich nur sagen: Wenn es so einfach ist und alle Welt die Bedeutung von Social Media erkannt hat, wieso fangen die meisten erst jetzt damit an? Aus eigener Praxis kann ich sagen, dass viele Unternehmen ohne Strategie erstmal einen Blog, Twitteraccount etc aufmachen und dann sehen was so passiert. Desweiteren wird die Macht durch Social Media in Zukunft deutlich größer sein, als der damalige "Marktplatz". Der Vergleich von Wolfgang ist etwas zu kurz gesprungen.
Kai Wels sagte am 25.01.2010 um 15:43
Alter Wein in neuen Schläuchen!?
Ich muss Sascha zustimmen. Wenn das alles so simpel wäre, hätten wir in 2009 sicher nicht diesen Hype um soziale Netzwerke wie Facebook, WKW, VZ etc. erlebt, sondern alles wäre schon längst da gewesen. Insofern hat Peter Kruse sehr gut erkannt, dass es zwar keine innovative Methode ist, sich miteinander auszutauschen, aber die Wege, die wir dabei gehen, schon, da es eben nicht mehr der lokale Bezug eines Marktplatzes ist, sondern mittlerweile in Sekunden global relevant wird. Abgesehen davon ist es für Unternehmen kein leichter Schritt, sich den "Marktplatz-Gesprächen" zu stellen, da man durch die bisherigen Kommunikationsformen eher an die einseitigen Kanäle gewohnt sind. Hierfür sind m.M. durchaus solche Spezialisten nötig, die durch genau die nötige Sensibilität und Empathie sozusagen den Weg zurück zeigen können. Schwierig wird es eben nur dann, wenn diese Kommunikationskanäle von hochbezahlten PR-Päpsten befüllt werden, denn dies ist i.d.R. eher weniger "volksnah". Eine PM ist eben kein Social Media, sondern sinngemäß eher eine Proklamation des Fürsten, anstatt den Worten der Bürger zu lauschen.
Samantha Smith sagte am 05.02.2010 um 23:39
Social Media ist PR
Vielleicht suchte die Branche in Anbetracht von Krise und Preisverfall nach einem neuen Hype, um groß in die Offensive gehen zu können? Mir kommt das jedenfalls so vor. Dass PR nicht volksnah ist, halte ich für einen Witz. Wer hat sich früher mit Bürgern und ihren Initiativen unterhalten? Wer Tage der offenen Tür für Anwohner gemacht? Wer mit Verbrauchern kommuniziert? Problem ist leider auch heute, dass viele das Wort PR in den Mund nehmen, die wenig darüber wissen, leider. Sie meinen, PR-Leute schreiben nur Pressemitteilungen... Das Internet nutzen diese Spezialisten schon sehr viel länger, um nicht nur Journalisten anzusprechen. Nur gabe es früher nicht so ein Geklingel wie bei Social Media. Für mich ist Social Media eigentlich PR. Natürlich kann man in Netzwerken auch gut werben, keine Frage.Weitere Nachrichten aus Digital vom 19.01.2010:
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