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Debatte

von Volker Schütz,
Chefredakteur

Streit um Digital-Strategie: Internet-Manifest gegen Hamburger Erklärung

Seite 1/2
07.09.2009

Google diktiert im Web die Spielregeln 

Google diktiert im Web die Spielregeln

Die meisten Verlage sind nicht zukunftsfähig, weil sie die Spielregeln der digitalen Welt nicht akzeptieren können oder wollen. Mit dieser These - argumentativ durchaus beeindruckend hinterlegt - wenden sich seit geraumer Zeit Web-2.0-Journalisten und Blogger gegen den „Heidelberger Appell" und die „Hamburger Erklärung" der Verlage. Mit einem „Internet-Manifest" versuchen die jungen Wilden nun, den alten Medienhäusern die Welt zu erklären. Ganz schlüssig ist der Versuch nicht.
 

Ein Gespenst geht um in der Welt - das Gespenst des Googlelismus. Alle Mächte der alten Welt haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, die Verleger und die Buchproduzenten, Burda und Döpfner, amerikanische Medien-Tycoons und der SPD-Kanzlerkandidat.
So in etwa stellt sich für den einen oder anderen Internet-Journalisten die Gemengelage zwischen Medienhäusern auf der einen Seite und der neuen Macht der Internet-Medienökonomie dar. Als großangelegter Gegenentwurf zu den teilweise allzu verschwurbelten Veröffentlichungen der Medienhäuser ( „Heidelberger Appell" und Hamburger Erklärung") war das „Internet-Manifest" von einigen der 15 Autoren im Vorfeld der Veröffentlichung angekündigt worden. Die Thesen, die die Schreiber - unter anderem der „Handelsblatt"-Blogger Thomas Knüwer und „FAZ"-Autor Stefan Niggemeier - jetzt ins Netz gestellt haben, bleiben aber eher blasse Aussagen als die große Replik auf die Befürchtungen und Unterstellungen  zahlreicher Verleger, Google würde das digitale Geschäftsmodell der Medienhäuser sabotieren.
Vielleicht gilt aber auch hier: Zu viele Köche verderben den Brei. Wo Schreiber wie Niggemeier in ihren Einzelanalysen scharfsinnig die diskursiven Schwächen vieler Medienvertreter bloßstellen, wirken die 17 Thesen der 15 Autoren an den meisten Stellen wie eine harmlose Best-of-Compilation der Mitwirkenden. Die „Hamburger Erklärung" der Medienhäuser war neu, im Tonfall, in der Argumentation, in der Lautstärke. Beim Lesen des „Internet Manifest" stellt sich vor allen Dingen ein Déjà-vu ein: So oder so hat das jeder Internet-Interessierte an anderer Stelle schon prononcierter gelesen. Oder, wie der Blogger-Kollege zuraunte: „Das ist alter Wein in alten Schläuchen."  - auch wenn die Unterzeile zum Manifest etwas großspurig lautet: „Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen."
 
Beispiel 1. Im Manifest steht:  Das Internet "schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken."  Kein Verleger käme auf die Idee, dies abzustreiten. Im Gegenteil. In der Hamburger Erklärung steht: „Das Internet ist für den Journalismus eine große Chance."
 
Beispiel 2. Im Manifest steht: „Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten." Die Verleger schreiben: „Am Ende muss auch im World Wide Web gelten: Keine Demokratie gedeiht ohne unabhängigen Journalismus."

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