08.02.2010
Zugriffszahlen
IVW Online: Warum Abendblatt.de die Umstellung auf Paid Content besser verkraftet als Morgenpost.de
Gebannt blickt die Branche vor allem auf die IVW-Zahlen der Sites des "Hamburger Abendblatts" und der "Berliner Morgenpost", denn beide Springer-Portale haben Mitte Dezember 2009 in Teilen auf Paid Content umgestellt. Mit den Januar-Zahlen liegen nun erstmals aussagekräftige Werte vor: Abendblatt.de kommt mit 6,47 Millionen Visits nahezu auf das Niveau des bislang erfolgreichsten Monats November 2009 (6,49 Millionen), als alle Inhalte noch kostenlos zu nutzen waren. Der Dezember (5,6 Millionen Visits) war wegen der Weihnachtsfeiertage sowieso leicht zu toppen. Gegenüber dem Gratis-Vorjahresmonat (Januar 2009: 5,2 Millionen Visits) sind die Besuche in diesem Januar gar um 24 Prozent gestiegen.
Anders die Page Impressions: Im Vorjahresvergleich sind die Klicks in diesem Januar um 16 Prozent auf 36 Millionen gestiegen, im Vergleich zu November 2009 (50,6 Millionen) jedoch stark um fast 30 Prozent eingebrochen. „Abendblatt"-Chefredakteur Claus Strunz hatte diesen Befund - stabile Visits, sinkende PIs - bereits vor knapp drei Wochen angedeutet und mit der speziellen Nutzung der so genannten „Freemium"-Angebote (Lokales und Regionales sind kostenpflichtig; gratis bleiben Sport, Kultur und Service) erklärt. Es könnte allerdings auch an der massiven Umgehung der Bezahlschranken etwa durch Google News liegen: Mithilfe passender Suchworte ist es bisher leicht möglich, Bezahltexte gezielt gratis aufzurufen.
Aus diesen Werten kann man ablesen, dass - gemessen an der relevanteren Währung Visits - Abendblatt.de die Umstellung auf Paid Content besser verkraftet hat als Morgenpost.de. Das dürfte auch daran liegen, dass es in Berlin einen harten Wettbewerb vergleichbarer Titel („Berliner Zeitung", „Tagesspiegel") gibt. Anders in Hamburg, wo Springer zudem noch das Lokalressort von Welt Online abgeschaltet hat, um Abendblatt.de bei der Umstellung auf Paid Content vor interner Gratis-Konkurrenz zu schützen. Zwar ist das Online-Abo aufgrund dieser Wettbewerbssituation in Hamburg (7,95 Euro pro Monat) etwas teurer als in Berlin (4,95 Euro) - doch könnte damit gerade auch der Anreiz der Hamburger User steigen, die Mühen einer Umgehung durch Google News auf sich zu nehmen. Anders in Berlin: Hier kann der Nutzer einfach die Sites anderer Zeitungen besuchen.
Wie viele Online-Abos konnte Springer seit Mitte Dezember verkaufen? Der Verlag mag hier noch keine Zahl nennen und möchte erst weitere Erfahrungen sammeln. Für Hamburg sind indes vage Zahlen bekannt: „Abendblatt"-Chef Strunz hatte intern von etwa 1000 verkaufen Online-Abos gesprochen - das war vor drei Wochen. Daraus kann man hochrechnen, dass Abendblatt.de im ersten Jahr einen niedrig sechsstelligen Vertriebserlös erzielen dürfte, falls es bei diesem Abopreis bleibt. rp
Kai sagte am 08.02.2010 um 17:23
Ich würde wetten,...
die Bilanz sieht nur deshalb so schön aus, weil alle Seiten gezählt werden, bei denen ein Nutzer - auf welchem Wege auch immer - auf eine Seite kommt, auf der er dann zwar die Überschrift und eine kurze Zusammenfassung und natürlich den Abo-Hinweis lesen kann - und mehr auch nicht. Beispiel: http://www.morgenpost.de/berlin/article1253186/S-Bahn-drohen-Millionen-Einbussen.html
Matz sagte am 08.02.2010 um 19:28
Wette gewonnen, Kai
Genauso ist es! Außerdem: Das Abendblatt verliert pro Jahr rund 10.000 verkaufte Print-Exemplare - und gewinnt bis jetzt gerade mal einige Hundert Online-Abos. Trotz Werfen von Nebelkerzen wird Herr Strunz den Flop nicht lange verbergen können!Weitere Nachrichten aus Digital vom 08.02.2010:
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