Interview
25.03.2009
IPTV-Experte Alexander Schulz-Heyn: "Diversifizierung ist der Trend"
Alexander Schulz-Heyn, Vorstandsvorsitzender Deutscher IPTV Verband, sieht Inhalte-Anbieter angesichts des Wettbewerbs der Videoplattformen um attraktiven Content in einer komfortablen Position. Gute Ausgangschancen hätten auch unabhängige Spartenangebote mit innovativen Ansätzen. IPTV-Angebote von privater Trägerschaft sollten aber auch finanziell gefördert werden.
Inwiefern zwingen die veränderten Sehgewohnheiten TV-Sender und Inhalte-Anbieter geradezu dazu, ihren Content vermehrt auch auf Videoplattformen von Drittanbieter anzubieten? Für TV-Sender ist die Verbreitung von TV Inhalten über das Internet eine neue Herausforderung. Einerseits wissen sie, dass dort in Zukunft Ihre Zuschauer zu finden sind, andererseits werden bei weitem nicht mehr die Werbeumsätze generiert, wie sie es im TV gewohnt sind. Für Rechteinhaber qualitativ hochwertiger Inhalte bietet IPTV jedoch eine enorme Chance. Wo früher nicht mal eine Hand voll ernst zu nehmender Lizenzeinkäufer von Content in Deutschland bestanden, haben heute eine Vielzahl von IPTV Plattformen Interesse daran. Denken Sie auch an die vielen neuen Business-TV -Sender, die vermehrt nach redaktionellen Bewegtbild-Inhalten suchen. Das erhöht selbstverständlich den Marktwert der Inhalte und schafft eine neue Ausgangssituation bei Lizenzverhandlungen für Produzenten. So raten wir vom Deutschern IPTV Verband unseren Mitgliedern aus der Produktionsbranche vermehrt von einem Complete Buy Out ab, sondern empfehlen zu prüfen, welche Potenziale eine eigene Verwertung im IPTV gemeinsam mit einem reichweitenstarken Partner wie Sevenload, MSN oder Myspace für sie bietet.
Der Verband
Der Deutsche IPTV Verband ist ein Zusammenschluss kleiner und mittelständischer IPTV Unternehmen. Der Verband versteht sich als Grassroot-Netzwerk um die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten. Der Verband vergibt jährlich den deutschen IPTV-Award für innovative Komnzeopte und Fortmate im Web-TV. Das Kürzel (IPTV )des Verbandes steht für IPTV Internet Protokoll Fernsehen also die Übertragung von Bewegtbildern über Internet, Intranet, Hochverfügbarkeitsnetze, an alle IP fähigen Endgeräte.
Inwiefern verdrängen die Mainstream-Angebote kleinere Anbieter? Wie können diese dennoch punkten? Mainstream-Angebote werden unabhängige Spartenangebote nicht verdrängen. Tatsächlich ist es umgekehrt. Eine zunehmende Diversifizierung ist der Trend. Der Zuschauer profitiert in Form von einer wachsenden Medienvielfalt und von größerer Einflussnahme. Es ist kein Zufall, dass fast alle innovativen Ansätze von kleinen IPTV-Ideenschmieden kommen, die mit innovativen Web-TV-Formaten und hoher Interaktivität die oftmals jungen Nutzer begeistern und zum IPTV ziehen.
Viele dieser IPTV-Sender haben nicht einmal ein kommerzielles Ziel, sondern sehen den Zuschauer als Partner nicht als Konsument. Wie sollen diese ehrenwerten Angebote langfristig überleben? Der Deutsche IPTV Verband plädiert in der Tat dafür, dass Non-Profit-Formate also werbefreie Formate im Sinne einer Erweiterung hochwertiger Medienvielfalt eine stärke finanzielle Unterstützung erfahren. Es ist angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung und der technischen Möglichkeiten des IPTV nicht mehr einzusehen, dass einseitig nur öffentlich rechtliche Sender den Grundauftrag erhalten. So würden wir uns wünschen, dass auch IPTV Angebote von privater Trägerschaft eine finanzielle Begünstigung erhalten, sofern sie den Public Value Test bestehen. Mit einem Gegenwert von nur 1 Prozent der GEZ Gebühren können wir mehr als 400 neue Programme fördern, mehr als 1000 Jobs generieren, die die Jugend im Internet mit gesellschaftlich relevanten Themen erreichen könnten. ork
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