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"Huffington Post": Warum die "HuffPo" weder zu G+J noch zu Axel Springer passt


von Volker Schütz,
Chefredakteur

Sucht händeringend nach Partnern: HuffPo-CEO Jimmy Maymann (Bild: Ole Bader/Sandwichpicker)

Sucht händeringend nach Partnern: HuffPo-CEO Jimmy Maymann (Bild: Ole Bader/Sandwichpicker)

Kommt die Huffington Post nach Deutschland – und wenn ja, mit welchem Verlag als Rückhalt? Darüber diskutiert und spekuliert derzeit die Medien-Szene. Spekulation Nummer eins: Bertelsmann/G+J machen mit den Amerikanern gemeinsame Sache. Spekulation Nummer zwei: Kapuzenpulliträger Kai Diekmann übernimmt die Mutter alle Blogs und Webonly-Contentangebote – mit dem Segen von Matthias Döpfner. Realistisch sind beide Spekulationen nicht.
 

Die Vorgeschichte ist bekannt: Ausgerechnet „Bild“-Chef Kai Diekmann hatte Anfang März gestreut, dass Bertelsmann der Launchpartner für eine deutsche Ausgabe der „Huffington Post“ sei. Zu diesem Zeitpunkt machte das wohl gestreute Gerücht sogar Sinn. Zum einen ist bekannt, dass Bertelsmann-Vorstand Hesse darauf erpicht ist, dem Medienkonzern auch im Digitalen einen Stempel aufzudrücken. Zum anderen war zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen unklar, wie die Internet-Strategie von G+J aussieht. Nur eines wusste man: Bei G+J muss und wird etwas passieren.

Seit dem HORIZONT-Interview mit Julia Jäkel Ende März (HORIZONT 13/2013) hat die neue Digitalstrategie von Gruner Konturen bekommen. Sie beruht, kurz gesagt, auf drei Säulen: erstens der Digitalisierung des Kerngeschäfts und der Kernmarken, zweitens dem Ausbau des Vermarktungsgeschäfts (Display, Mobile, Performance) und drittens der Etablierung sogenannter Communitys of Interest (CoI) rund um Themen, in denen G+J schon stark vertreten ist. Erstes Beispiel: der Aufbau der CoI Family inklusive der Beteiligung an dem Webportal Tausendkind.
 

In keine dieser Kategorien passt eine Deutschlandausgabe der Huffington Post. Das US-Unternehmen war 2005 als Blog gestartet, gehört mittlerweile aber zur internationalen Crème de la Crème der Nachrichtenportale mit zahlreichen internationalen Ablegern. Doch in Deutschland tut sich CEO Jimmy Maymann mit der Partnersuche schwer. Im HORIZONT.NET-Interview vor 2 Wochen gab Maymann zu: „Wenn wir in einen neuen Markt streben, sprechen wir möglichst mit allen großen Playern. Das haben wir auch hier getan. Aber wissen Sie, die Deutschen sind auf positive Weise gründlich. Deswegen haben die Verhandlungen etwas länger gedauert als geplant.“ Laut Maymann soll die Arbeitsteilung zwischen HuffPo und Partner folgendermaßen aussehen: Das US-Haus stellt Personal und Technik, der deutsche Verlag übernimmt Marketing und Kooperationen.
 

In der Tat hat, das pfeifen zumindest die Hamburger Spatzen von den Dächern, das G+J-Management die Huffington Post gründlich unter die Lupe genommen. Aber was die Spatzen genauso pfeifen: Die Hamburger haben einen Rückzieher gemacht. Die G+J-Kommunikationsabteilung gibt dazu keinen Kommentar ab. Aber man kann eins und eins zusammenzählen: Die Digitalstrategie von G+J steht. Sie macht, wenn man das überhaupt in der Kürze der Zeit beurteilen kann, Sinn. Keinen Sinn würde es machen, neben den drei Säulen noch eine vierte zu etablieren  und ausgerechnet im dicht besetzten Markt der Nachrichtenportale eine US-Marke einzudeutschen und aufzubauen. Überhaupt: Wenn G+J die eigene Ansage ernst nimmt, seine  Kernmarken im Digitalen zu stärken, gibt es genug zu tun. Im Vergleich zu digitalen Schwergewichten wie Spiegel Online oder Bild Online kämpft Stern.de höchstens in der Bantam-Klasse. Das muss sich ändern, auch um der relaunchten Printmarke dauerhaft zu neuem Glanz zu verhelfen.
 

Mit anderen Worten: G+J wird einen Teufel tun und sich einen Klotz wie HuffPo ans Bein binden.  Bleibt als Spekulation Nummer 2. Kai Diekmann kommt im Juni wieder zurück nach Deutschland. Wer Diekmann kennt, weiß, dass der „Lehrling“ des Internet-Business ("Spiegel") sich mit einer Lehrlingsrolle nicht zufrieden geben wird. Er hat jahrelang gezeigt, wie man aus „Bild“ eine omnipräsente Medienmarke machen kann. Dass Diekmann auf etwas Neues brennt, kann man auch mit gutem Recht vermuten: Was gäbe es für einen journalistischen Neo-Nerd Reizvolleres, als ausgerechnet im Nachrichtenland Deutschland eine international renommiertes Web-only-Nachrichtenportal aufzubauen? HuffPo-CEO Maymann will nach eigenem Bekunden in Deutschland innerhalb von zwei Jahren Geld verdienen und in drei bis fünf Jahren in die Top 5 der Nachrichtenangebote vorstoßen. Solche Ankündigungen wird im Prinzip auch Springer-CEO Matthias Döpfner gern hören. Doch auch in die Digitalstrategie von Axel Springer passt HuffPo nicht so richtig. News-Aggregator und Leistungschutz-Vorreiter wollen nicht so recht zusammenpassen. Auch die Tatsache, dass Axel Springer auf Paid Content setzt, widerspricht dem werbefinanzierten Ansatz der US-Site. Angeblich steht Axel Springer kurz vor der Unterzeichnung eines Vertrages mit HuffPo-Chef Maymann. Eine entsprechende HORIZONT.NET-Anfrage wird von Axel Springer – glaubhaft – dementiert. Und HuffPo-Mann Maymann? Der hatte im HORIZONT.NET-Interview vom 19. März angekündigt, in zwei Wochen Vollzug zu vermelden. Die 14 Tage sind um - und Maymann antwortet auf Anfrage: "Stay tuned." Mit anderen Worten: Es darf weiter spekuliert werden, ob und welcher Verlag mit dem US-Unternehmen gemeinsame Sache macht. vs
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