17.03.2009
Content-Deal
Google News wird zum Web-Verleger
Nachrichtenportale, die vorwiegend auf Agenturmaterial zurückgreifen und auf die Leistung eigener Journalisten eher verzichten, bekommen nun auch offiziell einen scharfen Wettbewerber: Google News, das Aggregator-Portal des Suchmaschinen-Riesen, schließt Werbeverträge mit acht europäischen Nachrichtenagenturen. Bisher gab es nur Lizenzabkommen mit AP, AFP, der britischen Press Association und Canadian Press.
Die neuen Deals nutzen beiden Seiten: Die Nachrichtenagenturen, die im Gratismedium Internet zunehmend Probleme haben, ihre Inhalte zu schützen und damit zu monetarisieren, erschließen sich neue Erlösquellen - denn Google News beteiligt sie an den Werbeeinnahmen. Google wiederum wird offiziell zum Web-Verleger und macht damit so manchem Verlagsportal das Kerngeschäft - Nachrichten sammeln, aufbereiten und vermarkten - streitig. Ohne vermeintlichen „Inhalteklau", sondern mit korrekten Nutzungsverträgen mit den Urhebern.
Aktuell haben Google und die European Pressphoto Agency (EPA) eine Vereinbarung über die Bereitstellung von EPA-Inhalten auf Google News unterzeichnet. Dadurch erhalten Nutzer den direkten Zugriff auf Originaltexte und -bilder der Onlinedienste von acht der insgesamt elf zur EPA gehörenden Nachrichtenagenturen. Mit der deutschen Agentur DPA verhandelt Google derzeit noch, sagt ein Google-Sprecher. Die Verhandlungen dürften nicht einfach sein, denn DPA gehört den hiesigen Zeitungsverlagen - und deren eigene Nachrichtenportale könnten durch Google News entwertet werden.
Einen Seitenhieb auf die Verlagsportale, deren Verantwortliche unter Berufung auf Urheberrechte mit Kritik an Google News oft nicht sparen, kann sich Google nicht ganz verkneifen: Der Deal mit EPA „identifiziert Journalisten und Herausgeber, die für die Erstellung und Verbreitung von Nachrichten hart arbeiten, als ursprüngliche Nachrichtenquelle", sagt Josh Cohen, Business Product Manager von Google News.
In den nächsten Monaten will Google Verlinkungen zu den Agenturinhalten als Nachrichtenquelle einrichten. Bisher hat Google News häufig mehrere Kopien eines von Nachrichtenagenturen veröffentlichten Artikels und Fotos bereitgestellt - nämlich jene, die die Verlage ohne weitere Bearbeitung auf ihre Portalen gestellt haben. Die Verlags-Websites können künftig leichter umgangen werden, denn nun verlinkt Google News über von Google gehostete Sites direkt auf die Originalartikel und -Fotos. Auf diesen Seiten erscheinen Googles Adsense-Werbeanzeigen, deren Einnahmen sich Google mit den Agenturen teilt. rp
- Digital 5. März 2009: Voting: Wie sollten Verlage auf die Vermarktung von Google News reagieren?
- Digital 4. März 2009: Experten-Umfrage: Wie Verlage auf die neue Konkurrenz durch Google-News reagieren sollten
- Digital 27. Februar 2009: Google News wird zur Werbefläche
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