Suchmaschinen
18.02.2010
Facebook, Apps und Datenschutz: Philipp Schindler sieht Google vor Herausforderungen
Wann kommen denn endlich mal die leichten Themen, seufzt Philipp Schindler, halb im Spaß und halb im Ernst. Er, der Google-Chef für Nord- und Zentraleuropa, saß am Mittwochabend auf einem Podium in Hamburg und wurde nachdenklich-kritisch befragt von Wolfgang Blau, dem Chefredakteur von Zeit Online. Und wer Googles selbstbewusstes Führungspersonal in den vergangenen Jahren schon öfters auf Podien oder in Interviews erleben durfte, der konnte nun spüren, am Wandel der Themen, Thesen und Wortwahl: die Welt wird auch für das erfolgsverwöhnte Google nicht einfacher.
Das Geschäftsmodell zum Beispiel. Google verdient sein Geld mit (Such-) Traffic im Web. Je offener das Internet, je mehr (möglichst kostenlose) Inhalte alle möglichen Anbieter ins Netz schaffen, desto größer ist der Datenwust, den Google durchsuchen, ordnen und vermarkten kann. Doch geht der Trend im digitalen Raum mittlerweile nicht in eine andere Richtung - in Richtung geschlossener Systeme? Versammeln soziale Netzwerke, allen voran Facebook, nicht immer mehr Web-Funktionen unter einer eigenen Benutzeroberfläche, um die Inhalte und Aktivitäten registrierter User zu durchsuchen, zu ordnen und zu vermarkten? Ist das nicht langfristig eine Bedrohung für Google? „Das sind sicher strategische Herausforderungen für uns", bestätigt Schindler in PR-korrekter Form. Allerdings, fügt er hinzu, werde der Online-Werbekuchen weiterhin so stark wachsen, dass unterm Strich mehr für alle bleibe.
„Offene Systeme bieten den Konsumenten auf Dauer einen höheren Mehrwert", erklärt Schindler. Mehrwert für die User - oder für Google? „Die Anzahl der Suchvorgänge liegt bei offenen Standards um 30 Prozent höher als bei geschlossenen Systemen", sagt er. Doch da Suchen allein für Konsumenten keinen (Mehr-) Wert an sich darstellen dürfte, könnte man die größere Suchfreude auf Seiten Googles vermuten. „Ja, wir haben ein wirtschaftliches Interesse daran", so Schindler. Eine wohltuend realistische Aussage angesichts der jahrelangen Altruismus-Rhetorik, wonach der „Don't be evil"-Konzern doch nur ganz selbstlos der Welt helfen wolle, alle Informationen allgemein nutzbar zu machen.
Um was ging es noch beim Podiumsgespräch, zu dem Zeit Online und die Politik- und Wirtschafts-Digitalinitiative D21 eingeladen hatten? Natürlich auch um den holprigen Start von Googles E-Mail- und Social-Media-Dienst Buzz. „Wir haben das Produkt vielleicht verfrüht und zu intensiv in den Markt gegeben und den Privatsphäre-Schutz nicht transparent genug kommuniziert", resümiert Schindler. Vielleicht verzeihe man einem Unternehmen von Googles Größe keine Beta-Phase mehr, wenn es um Datenschutz geht.
Überhaupt der Datenschutz: Auch bei diesem Thema zeigt sich Schindler verantwortungsbewusst - allein schon deshalb, weil Google von der breiten Akzeptanz seiner Dienste lebt. Und er räumt ein, noch nicht zu jeder Frage (die nicht nur Google, sondern das ganze Web betrifft) eine Antwort zu haben und appelliert an die Medienkompetenz der User: Letztlich entscheide jeder selbst, was er über sich in welchen Foren preisgebe. Zum Streit mit den Verlagen um Werbeerlöse („Fair Share") und Suchverfahren („Fair Search") wiederholte Schindler die bekannten Positionen; zu den laufenden Kartellbeschwerden der Verlage wollte er sich nicht äußern. rp
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