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Gekaufte Follower?

von Ingo Rentz,
Redaktion HORIZONT.NET

Das seltsame Fanwachstum der FDP auf Twitter - und eine noch seltsamere Erklärung


Der FDP-Account hat derzeit knapp unter 37.000 Follower (Bild: Screenshot Twitter.com/fdp_de)

Der FDP-Account hat derzeit knapp unter 37.000 Follower (Bild: Screenshot Twitter.com/fdp_de)


Dass die FDP derzeit um jede Stimme kämpfen muss, ist kein Geheimnis. Nun hat die Partei dieses Motto womöglich zu wörtlich genommen: Die Internetplattform Pluragraph wies nach, dass sich die Zahl der Twitter-Follower der FDP innerhalb weniger Tage fast versechsfacht hat. Für das seltsame Fan-Wachstum hält die Partei eine noch seltsamere Erklärung parat.
 
(Bild: Screenshot pluragraph.de) 

(Bild: Screenshot pluragraph.de)

Wie sich auf der Pluragraph-Statistik (siehe Screenshot links) erkennen lässt, hatte der Twitter-Account der Bundespartei @fdp_de am 6. Februar 6347 Follower. Dann plötzlich steigt die Kurve rasant an, und verzeichnet am 19. Februar schon 36.702 Fans. Innerhalb von zwei Wochen fast sechsmal mehr Fans, ohne nennenswerte Kampagne oder Fan-Aktion? Sehr verdächtig.
Tatsächlich handelt es sich bei der großen Mehrzahl der Follower um Fake-Profile, wie "Hyperland"-Blogger Jens Schröder für das ZDF aufdeckt. Es liegt also der Verdacht nahe, dass die FDP sich bei einem der vielen Spezialdienstleister eine virtuelle Anhängerschaft zusammengekauft hat. Die Partei bestreitet jedoch vehement, nachgeholfen zu haben: "Ich kann definitiv erklären, dass wir weder Twitter- noch Facebook-Accounts kaufen", so ein Parteisprecher zu sueddeutsche.de
 
Über den wahren Grund des sprunghaften Anstieges sei man dagegen selbst aufs Spekulieren angewiesen. Womöglich komme ein Gutteil der neuen Follower aus dem Ausland. Was den Parteisprecher zu einer grotesken Schlussfolgerung führt: Die Abkürzung "fdp" stehe im portugiesischen Sprachraum für das Schimpfwort "filho da puta" (auf deutsch "Hurensohn"). Die Fan-Explosion kann damit jedoch kaum erklärt werden. Denn die Abkürzung ist sicher nicht erst seit Anfang Februar auf Twitter in Gebrauch.
 
Vielmehr gibt es Hinweise darauf, dass die Mehrzahl der FDP-Follower tatsächlich eingekauft wurde. Der Blogger Andreas Rabe berichtete auf unter "Addis Techblog" bereits am 8. Februar über das wundersame Fan-Wachstum. Ihm sei ein Screenshot der Seite Fandealer.de zugespielt worden, auf der sich Unternehmen und Privatpersonen neue Fans für Facebook oder Twitter kaufen können. Auf dem Screenshot sei zu sehen, dass der FDP-Account @fdp_de Follower kauft.
 
Jedoch, merkt Rabe an, müsse sich dahinter nicht unbedingt eine offizielle Aktion der Bundes-FDP verbergen. Es sei durchaus möglich, dass der Account durch irgendjemanden eingetragen wurde, so Rabe: "Das kann ein übereifriges Parteimitglied gewesen sein oder sogar jemand, der der FDP schaden will." ire
 

Update 17.00 Uhr

Die Internet-Plattform Fandealer.de hat mittlerweile bestätigt, dass über sie für das Twitter-Profil tatsächlich Fans eingekauft wurden - allerdings nur 922. Doch der Initiator der Kampagne finde sich nicht unter den Liberalen, sondern bei einer anderen Partei. Mehr Infos hier.
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