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09.09.2010

Onlinewerbung

von Bettina Neises,
Redakteurin Ressort Medien

Burda-Vorstand Welte: "Internet ist nur ein bedingt funktionierender Werbekanal"


Philipp Welte sieht im Internet in erster Linie einen Vertriebskanal 

Philipp Welte sieht im Internet in erster Linie einen Vertriebskanal

Eine Woche vor der wichtigsten Digitalmarketing-Messe Dmexco in Köln sorgt Philipp Welte für Zündstoff. Der Zeitschriftenvorstand von Burda bezweifelt die Wirksamkeit von Display-Anzeigen. "Die Realität beweist, dass klassische Werbung im Netz im Gegensatz zur Werbung in Zeitschriften weder sonderlich verkaufsfördernd noch wirklich markenbildend wirkt", sagt der Verlagsmanager im Interview mit HORIZONT. Das Internet sei zwar ein exzellenter Vertriebskanal, "aber nur ein bedingt funktionierender Werbekanal".

 
Der Burda-Vorstand zieht aus seiner Erkenntnis Konsequenzen für die Internetstrategie im eigenen Haus. "Wir werden einen nicht unerheblichen Teil unserer verlagsgetriebenen Online-Aktivitäten auf ein notwendiges Minimum herunterfahren." Es mache wenig Sinn, jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag in Online-Angebote zu investieren, die auf absehbare Zeit keine Rendite erwirtschaften, begründet er seine Pläne. Welche Angebote konkret betroffen sind und wie groß das Einsparvolumen sein soll, verrät er nicht. Nur soviel: "Natürlich ist es heute wichtig, dass große Zeitschriftenmarken im Internet präsent sind. Oft geht es dabei aber weniger um journalistische Inhalte als vielmehr um die Präsenz und Erreichbarkeit der Marken, also um Marketing."
Im Interview spricht Welte ein Problem an, mit dem nahezu alle Verlage derzeit kämpfen: Wie lassen sich journalistische Inhalte im Internet refinanzieren? Nach Weltes Meinung ist das allein über Online-Werbung nicht möglich. "Die nüchterne Erkenntnis der letzten zwei, drei Jahre ist: Das klappt definitiv nicht." Fast alle journalistischen Angebote im Netz seien in Deutschland "tief defizitär". Die 200 Millionen Euro, die alle redaktionellen Verlagswebsites 2009 an Werbevolumen erwirtschaftet haben, seien "praktisch nichts" - insbesondere im Vergleich zu den 1,8 Milliarden von Google. Mit den Kürzungsplänen ist Welte nicht allein. Jüngst hat auch Gruner + Jahr bekannt gegeben, die Nachrichtensite Stern.de Ende September dramatisch einzudampfen.
 

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Um die Internetauftritte von Burda dennoch am Leben zu halten, setzt Welte neben Einsparungen auch auf Bündnisse. "Wirklich inhaltlich getriebene Angebote werden wir effizient gestalten oder in sinnvollen Partnerschaften gezielt weiterentwickeln." Als Beispiel hierfür nennt er die Kooperation von "Bunte" mit der Deutschen Telekom. Innerhalb eines knappen Jahres habe sich die Reichweite mithilfe dieser Zusammenarbeit fast verdoppelt. js/bn
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Leser-Kommentare zu diesem Artikel (3)
Klaas Kramer sagte am 09.09.2010 um 11:17

Stimmt in seinem Mikrokosmos

Er hat genauso Recht wie die Leute, die um 1900 gesagt haben: "Autos werden Pferde nicht ersetzen können, weil sie nicht so schön wiehern." Es geht nicht mehr um Werbung auf dieser Welt, liebe Printmdien, auch wenn das 200 Jahre lang Eurer Geschäftsmodell war.
Baumschlaefer sagte am 09.09.2010 um 22:48

Bilch

Ja wie? Ist das jetzt eine Kapitulation? Ist das Frustration? Jetzt mal im Ernst: Nur weil mit Display-Werbung in Online-Medien nicht die Umsätze erzielen lassen, die man im Print zu erzielen gewohnt war (wo man sich dummerweise dran gewöhnt hatte, Unsummen für Druck und Vertrieb ausgeben zu müssen), heißt das noch lange nicht, dass diese Werbung nicht wirkt! Ich möchte heutzutage ja auch nicht unbedingt in der Haut von Entscheidern im Verlagswesen stecken. Aber die Argumente (war da überhaupt eins?), weshalb online jetzt doch nicht so toll ist, werden immer schwächer. Ich selbst betreibe Portale mit (laut Kunden funktionierender) Displaywerbung und kenne ebenfalls andere Portale mit ebensolcher. Der springende Punkt: Ich kann mit den Umsätzen sehr gut leben. Für einen Verlag würden diese Summen aber niemals reichen. Kann ja auch nicht funktionieren, wenn man weiter an den alten Strukturen hängt nicht begreifen will, dass die Filter- und Distributionsfunktion der Verlage an Wirkung verliert und schon gewaltig verloren hat.
L. Spillner sagte am 13.09.2010 um 13:55

Letztes Aufbäumen eines verzweifelten Printlobbyisten?

Vermutlich müsste seine Aussage heissen: Internet ist für uns bei Burda leider nur ein bedingt funktionierender Werbekanal". Wobei zu fragen ist, was "funktionierend" bedeutet. Fakt ist: Die Reichweite vieler Online-Medien, wenn nicht der meisten, ist inzwischen weit höher als diejenige der entsprechenden Printmedien. Die Reichweite, also die harte Verkaufswährung der Medien ist also da. Nun wäre bzw. ist es Sache der Verlage, diese Medialeistung auch zu vermarkten, zu entsprechenden Preisen. Solange diese Verlage aber lieber überteuerte Printanzeigen verkaufen, wird es - für die Verlage - nicht funktionieren! Daher erinnern mich Weltes Aussagen an den alten Cartoon: "Rettet die Faustkeilindustrie - weg mit den Schmieden" bzw. "Metall ist nur ein bedingt funktionierender ..."

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