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von Bettina Neises,
Redakteurin Ressort Medien

Betreiber von Webradios fordern einheitliche Reichweitenmessung


Laut Michael Schmid lohnt sich eine Investition in Webradio langfristig 

Laut Michael Schmid lohnt sich eine Investition in Webradio langfristig

Die wachsende Nutzerzahl und die steigende Angebotsvielfalt machen Webradio bei Werbungtreibenden zunehmend attraktiv. Allerdings leidet die Vermarktung unter einer fehlenden Währung. Laut der Studie "Webradiomonitor 2010" des Beratungsunternehmen Goldmedia fordert daher mehr als die Hälfte der Betreiber von Webradios eine unabhängige Messung der Zugriffszahlen.
 
"Um das Geschäft weiter anzukurbeln brauchen wir eine einheitliche Reichweitenmessung für die reine Audiospot-Vermarktung", bestätigt Bernhard Bahners. Er ist Director Marketing & Sales sowie Prokurist von Radio.de, einer Plattform, die rund 4000 internationale Webradiosender im Netz bündelt.
Hintergrund: Die einzelnen Webradiosender erreichen bislang noch nicht die erforderliche Zugriffsrate, um in der Radio-MA der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA) aufgeführt zu werden. Dazu müssen nämlich 351 Befragte den Sender in den vergangenen 14 Tagen gehört haben. Auch in den Ausweisungen der IVW und Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (Agof) finden sich bislang nur wenige Angebote. Zu hoch sind für die meisten Programmanbieter die Erhebungskosten.
 
Eine Lösung scheint derzeit nicht in Sicht. Zwar denkt die Agof laut einem Insider darüber nach, ihr Preismodell zu überarbeiten, um auch für kleinere Angebote attraktiv zu sein. Allerdings befinden sich die Gespräche in einem frühen Stadium. Die AG.MA wiederum kann sich nicht vorstellen, die Ausweisungskriterien zu ändern, schließlich handele es sich hier noch um einen Nischenmarkt. Laut Michael Schmid, Senior Berater von Goldmedia, stelle sich hier die berühmte Henne-Ei-Frage. Muss es tatsächlich erst einen großen Markt geben, damit sich eine Reichweitenmessung lohnt? Oder verleiht nicht vielmehr eine solche Messung dem Markt erst den nötigen Schub. Für Schmid ist die Antwort klar: "Am Onlinemarkt hat man gesehen, dass das Geschäft so richtig in Schwung kommt, wenn es erst mal eine Währung gibt."
 
Um die Lücke zu schließen, hat das Beratungsunternehmen auf der Website Webradiomonitor.de eine eigene kostenlose Ausweisung gestartet, die von der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien finanziert wird. Noch beruhen die Zahlen auf den Angaben der Sender. Bis zum nächsten Jahr soll eine unabhängige Messmethode eingeführt werden. Auch der Vermarkter Audimark hat die Initiative ergriffen und mit der Datenbasis von TNS Infratest ein Planungstool für sein Portfolio entwickelt (Mediapredict.de). Eine Ausweitung auf Fremdsender ist geplant. Geschäftsführer Mathias Mroczkowksi will darüber hinaus demnächst mit der Agof Gespräche aufnehmen, um sich für sein Planungstool den Qualitätsstempel einer neutralen Instanz zu holen.
 
Grundsätzlich kommen die Projekte in der Branche gut an, allerdings betont Bahners: "Um von den Werbungtreibenden anerkannt zu werden, kommen wir an einer Reichweitenmessung durch eine anerkannte Institution nicht vorbei." Er hält es jedoch für falsch, die klassische Radio-MA auch für Webradiosender auszuweiten. Es müsse stattdessen eine eigene Studie geben, die die Besonderheiten dieser Gattung berücksichtigt. Bahners plädiert daher dafür, dass sich Agof und AG.MA zusammentun, um die beiden Welten Radio und Internet miteinander verbinden zu können. bn
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