07.05.2010
Angst vor Apple? Aus dem WePad wird WeTab
Als deutsche Antwort auf Apples iPad und Hoffnungsträger der Verlagsindustrie hatte Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen das WePad positioniert. Doch das als selbstbewusster Tiger gestartete Berliner Unternehmen ist auf bestem Wege, mit seinem ehrgeizigen Vorhaben als Bettvorleger zu landen. Jüngster FauxPas: Das WePad muss - auf Druck Apples? - umgetauft werden: WeTab heißt nun der Tablet-PC der im Spätsommer auf den Markt kommen soll.
Das Jahr 2010 ist so alt noch nicht. Doch die Markteinführung des WePad, Verzeihung WeTab, hat jetzt schon das Zeug, in Marketing-Lehrbüchern einmal einen Ehrenplatz dafür einzunehmen, wie man ein Produkt nicht launchen darf. Begonnen hat die Neofonie-Pechsträhne mit einer gründlich misslungenen Präsentation des WePad am 12. April. Vor großer Journalistenkulisse wurde seinerzeit ein Prototyp gezeigt, der statt lauffähiger Software eine eingebaute Videoschleife mit Funktionsbeschreibungen zeigte. In den Blogs, Communities und auf Websites wie Spiegel Online wurde das WePad daraufhin als „Phantom" verhöhnt. Zwei Wochen später wurde dann - einem kleinen erlauchten Kreis - ein funktionierendes WePad präsentiert. „Das WePad lebt" schrieb Kress Online.
So weit so schlecht: Ungewollt bekommt Neofonie für seinen Tablet-PC zwar jede Menge Publicity - die Lust auf das Surfbrett Made in Germany wird dadurch nicht geweckt. Da hilft auch die offizielle Begründung für den Namenswechsel nicht: Neofonie will sein "Produkt am internationalen Markt noch deutlicher abgrenzen". Aha! Das hätte man sich auch früher überlegen können. Wie manches andere auch: Ob und mit welcher Werbeagentur und -kampagne der Produktlaunch erfolgen soll. Welche Verlage zum Start weg mit dabei sein werden. Aber derzeit hat Neofonie-Chef Ankershoffen andere Sorgen als die Frage nach einer Werbeagentur: Hoffentlich hat er sich wenigstens einen Spezialisten für Krisen-PR zugelegt. vs/bn
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