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Alternativen zu Apple: "Bild" und "Spiegel" suchen Anschluss zu Telekom und Co


von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

Bild.de sucht Anschluss bei der Telekom 

Bild.de sucht Anschluss bei der Telekom

Die Verlage eruieren weitere Möglichkeiten, ihre Inhalte digital kostenpflichtig zu vertreiben. Die jüngsten Deals: Axel Springer und "Spiegel" machen jeweils gemeinsame Sache mit den Mobilfunkern. So erweitert Springer sein Mobilportal Bild.de um zusätzliche Inhalte seiner zwölf Print-Regionalausgaben. Diese neuen lokalen Mobilinhalte sind kostenpflichtig. Bezahlt wird via Handyrechnung der Mobilfunkanbieter; für Telekom-Kunden gibt es zumindest in der Einführungsphase Sonderkonditionen.
 
Der "Spiegel" indes kooperiert künftig mit der Deutschen Telekom beim Payment seines E-Papers. Bisher liefen Bestellung, Verbreitung und Zahlungsabwicklung des Digitalheftes nur über Spiegel Online, künftig können die Transaktionen auch über Telekom-Verträge erledigt werden, zunächst sogar mit 50 Prozent Rabatt. Zudem wird das "Spiegel"-E-Paper auch über T-Online.de vertrieben. Bei einer gemeinsamen Diskussion auf der Computermesse Cebit in Hannover gaben Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, "Spiegel"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron und Telekom-CEO René Obermann die Kooperationen bekannt.
Damit versuchen beide Medienhäuser, sich alternative digitale Vertriebswege zu Apples App-Store aufzubauen, in dem „Bild" und „Spiegel" bereits vertreten sind. Allerdings wächst bei den Verlagen das Unbehagen vor einer dominanten Kooperation mit Apple, weil die Kult-Firma - und nicht der Verlag - die Beziehung zum Endkunden hält, die Verkaufspreise und Provisionen bestimmt sowie sich nicht scheut, Inhalte zu zensieren. Zumindest auf Pricing-Hoheit und Content-Ambitionen will die Telekom verzichten: "Wir sehen uns als Distributionsplattform und bieten Bezahlverfahren und Streaming-Technologien", so Obermann. Die Telekom habe großes Interesse, ihre Netze mit Inhalten auszulasten.
 
Kurzfristig sei mit Apps, Mobilportalen und Co „kein großes Geschäft" zu machen, sagte Döpfner in Hannover. Aber: „Es kann eines Tages für Verlage der Kern unseres Geschäfts werden." Daher gehe es jetzt darum, die Mediennutzungsgewohnheiten zu verändern und eine Akzeptanz von Bezahlinhalten im Web zu erreichen. Angesichts schwindender Werbeerlöse, die bei den Verlagen landen, sei dies eine „Schicksalsfrage" für die langfristigen Perspektiven für Profi-Journalismus in der digitalen Welt.
 
Döpfner glaubt dabei an eine „Konkurrenz der Online-Kioske", betrieben etwa von Geräteherstellern wie Apple, Softwarekonzernen wie Google und Microsoft sowie den Telekommunikationsunternehmen - davon könnten die Verlage nur profitieren, so der Springer-Chef. Die verlagsbetriebene Plattform, für die Bertelsmann gerade Mitstreiter sucht, erwähnte er hier nicht; Springer will dort vorerst nicht mitmachen.
 
Anders der „Spiegel", der auch dort mit dabei sein will. Dies hindert Chefredakteur Müller von Blumencron indes nicht daran, schon jetzt auch eine bezahlpflichtige App für Apples mit Spannung erwarteten Tablet-Rechner iPad anzukündigen. Dieser „multimediale Auftritt" werde mit dem Deutschland-Start des iPad online gehen und „deutlich anders" daherkommen als die bisherigen Digitalangebote des Hauses. Das Basisangebot Spiegel Online allerdings werde immer gratis bleiben - auch wenn sich Chefredakteur Müller von Blumencron über die ausschließliche Werbefinanzierung „frustriert" zeigte: Trotz aller Arbeit seit 1994 erziele das Portal bisher nur einen Jahresumsatz von gerade einmal 20 Millionen Euro, das sei weniger als ein Zehntel des Print-Umsatzes. rp
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