Kommentar
11.01.2010
AOL Deutschland: Warum ein Online-Pionier abgewickelt wird
Die Revolution frisst ihre Kinder. AOL hat seinerzeit mit Boris „Bin ich schon drin?" Becker Millionen anderer Deutscher ins Internet gebracht. Heerscharen nicht nur deutscher Journalisten wurden mit AOL, Compuserve und Netscape Web-sozialisiert. Nun wird die Deutschland-Dependance abgewickelt. HORIZONT.NET zu den Gründen des Scheiterns.
1) AOL hat den Deutschen dank Grey zwar einen der besten Spots eines New-Economy-Unternehmens beschert. AOL startete als proprietärer Dienst. Dann wurde daraus Boris Beckers persönlicher Internet-Provider. Dann sollte Time-Warner-Content für den Durchbruch sorgen. Doch eine Identität hat AOL in Deutschland nie entwickelt.
3) Es gab Zeiten, da war das als proprietärer Onlinedienst gestartete Unternehmen an der Börse über 200 Milliarden Dollar wert - heute ist der Börsenwert ein Hundertstel davon. 2000 fusionierten AOL und Time Warner - und leiteten den Crash der New Economy ein. Seit Dezember ist AOL wieder an der amerikanischen Börse NYSE und Unternehmens-CEO Tim Armstrong muss sparen. Und wahrscheinlich hat die US-amerikanische Zentrale erkannt, dass auch eine Top-5-Position unter den deutschen Online-Vermarktern dauerhaft keine Börsenphantasien befriedigen wird.
4) Dass es in Deutschland zu viele Vermarkter für einen immer noch überschaubaren und preislich im Sinkflug befindlichen Markt gibt, sagen die Onlinevermarkter selbst seit zwei Jahren. Dass ausgerechnet einer der Top-5-Anbieter abgewickelt wird, damit hätte nun niemand gerechnet. Doch nicht nur Interactive Media, United Internet Media haben einen Konkurrenten weniger, der ihnen Umsatz und Marktanteil wegnehmen könnte. Auch der eine oder andere Verleger wird beruhigt sein: Denn ausgerechnet mit Content wollte AOL weltweit wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen. Diesen Kampf erspart AOL-Boss Tim Armstrong dem deutschen Markt. vs
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