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Media-Affäre

von Elke Jacob,
Korrespondentin

Urteil: Ruzicka muss 11 Jahre hinter Gitter


Lange Haftstrafe für Aleksander Ruzicka (rechts)

Lange Haftstrafe für Aleksander Ruzicka (rechts)

Nach 64 Verhandlungstagen verkündete heute die sechste Wirtschaftsstrafkammer am Wiesbadener Landgericht ihr Urteil im Ruzicka-Prozess. Der ehemalige CEO der Wiesbadener Mediaagenturgruppe Aegis Media wurde der schweren Untreue für schuldig befunden und zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.
 
Der Mitangeklagte David Linn erhielt zwei Jahre auf Bewährung. Dass die Strafe des ehemaligen Einkaufschefs von Aegis Media zur Bewährung ausgesetzt würde, hatte sich bereits in den vergangenen Verhandlungen abgezeichnet. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Linn ein Schuldeingeständnis mit Aegis Media unterzeichnet hat und rund 1,9 Millionen Euro an die Agentur zurückzahlen will.
Ruzicka blieb indes bis zum letzten Verhandlungstag bei seiner Behauptung, dass er alles zum Wohle von Aegis Media getan habe. Die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Jürgen Bonk konnte er davon nicht überzeugen. Sie folgte in vielen Punkten der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, wonach Ruzicka und weitere Beschuldigte Millionen bei Aegis Media veruntreut haben. Anders als die Ermittler kommt das Gericht aber nicht auf eine Schadenssumme von 48, sondern von 35 Millionen Euro.
 
  Die Kammer blieb nur wenig unter dem Strafmaß der Staatsanwaltschaft, die für Ruzicka 13 Jahre und sechs Monate Haft gefordert hatte. Der Prozess gegen Ruzicka und Linn begann im Januar 2008. Während der Haftbefehl gegen Linn bereits Ende 2006 ausgesetzt wurde, sitzt Ruzicka seit Oktober 2006 in Untersuchungshaft. Sein Strafverteidiger Marcus Traut kündigte an, in Revision zu gehen.
 
Von Interesse für Agenturen, Medien und Werbungtreibende dürften auch die Anmerkungen von Richter Bonk zur Werbebranche sein. Sie sei für Außenstehende schwer zu durchschauen. Mediaagenturen würden sich beim Verkauf von Freispots in einer Grauzone bewegen. Die Agenturen entwickelten sich weg von klassischen Treuhändern hin zu einer eigenen Wirtschaftsstufe. ejej/mam
 
Mehr zum Urteil im Ruzicka-Prozess lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 20/2009 vom 14. Mai.
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