Media-Affäre
Ruzicka-Prozess: Zeugin belastet die Angeklagten schwer
Im Untreue-Prozess gegen die beiden ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn erhöht sich der Druck auf die Angeklagten. Manuela R., die bis Ende 2006 in der Einkaufsleitung von Aegis Media tätig war, hat ihre ehemaligen Vorgesetzten schwer belastet.
Manuela R. gilt als eine Art Kronzeugin der Anklage. Sie sagte aus, dass ihr während ihrer Tätigkeit im Einkauf der Agenturgruppe Unregelmäßigkeiten bei Geschäften mit der Firma Emerson FF aufgefallen sind. Stutzig habe sie zum Beispiel gemacht, dass angeblich zusätzliches Freispotvolumen von Emerson FF gekauft wurde. Dabei sei ihr bekannt gewesen, dass diese Firma gar nicht über solche Kontingente verfüge. Ihr sei klar geworden, dass es sich bei den von Emerson FF in Rechnung gestellten Werbezeiten letztlich um Freizeiten aus dem eigenen Agenturpool von Aegis gehandelt habe, deren Kapitalisierung abgeflossen sei.
Als sie den Angeklagten Linn in seiner Funktion als Einkaufs-Chef darauf ansprach, habe er ihr gesagt, dass auf diesem Wege Erlöse aus der deutschen Aegis-Gruppe direkt zur Konzernmutter in London transferiert werden sollten. Eine weitere Nachfrage bei ihrer direkten Vorgesetzten Claudia Jackson, nach der immer noch gefahndet wird, habe bei dieser zu heftiger Panik geführt. Schließlich habe Jackson eingeräumt, dass die Gelder zweckentfremdet und in private Taschen umgeleitet wurden. Nachdem daraufhin ein Gespräch zwischen Jackson und Ruzicka stattgefunden habe, seien der Zeugin "Sonderzahlungen" angeboten worden.
Aus Angst, ihren Job zu verlieren, so Manuela R., habe sie dieses Angebot angenommen und nicht weiter über den Vorgang gesprochen. Die "Sonderzahlungen" in Höhe von insgesamt 427.000 Euro gingen ihr über die Ausschüttung einer Firma namens Transportland Media zu, die laut Manuela R. eigens zu diesem Zweck gegründet wurde. Organisiert und abgewickelt wurde die Gründung ihr zufolge von Rechtsanwalt Cornelius W. Gegen ihn läuft derzeit ein abgetrenntes Verfahren. Als Treuhänder für die Firma Transportland Media wurde der als Beschuldigte geführte Holger S. eingesetzt.
Ungewöhnlich kamen Manuela R. auch die Geschäfte von Aegis mit der Agentur Zoffel Hoff Partner (ZHP) vor. Dieser Kunde sei "unsäglich" gewesen. Auffällig war für sie vor allem der hohe Anteil an Freispot-Volumen, der für ZHP aus dem Agenturtopf von Aegis eingesetzt werden sollte. Dies führte immer wieder zu kritischen Nachfragen der TV-Sender. Auf Anweisung der Geschäftsführung habe die Einkaufsleitung aber darauf bestanden, dass es beim Kunden ZHP bei dem hohen Freispot-Volumen bleibt. So soll von dem ZHP-Jahresbudget in Höhe von 3 Millionen Euro ein Anteil von 2,7 Millionen Euro aus den Naturalrabatten von Aegis bedient worden sein.
Unklar sind die Motive, die Manuela R. zur Aussage veranlasst haben. Die Verteidigung von Ruzicka und Linn deutete in der Verhandlung an, dass es eine Absprache mit der Staatsanwaltschaft und eine "abgestimmte Aussage" der Zeugin zulasten ihrer Mandanten gegeben habe. Um dies zu klären, wurde ein Antrag auf Einsicht in die Ermittlungsakte von Manuela R. beantragt. Gegen sie wurde wegen Beihilfe zur Untreue ermittelt.
Auf Befragung des Vorsitzenden Richters Jürgen Bonk räumte die Zeugin ein, dass sie seit Montag dieser Woche den Inhalt eines Strafbefehls gegen sie kenne. Ein Strafbefehlsverfahren ist ein vereinfachtes Verfahren zu einer rechtskräftigen Verurteilung ohne mündliche Hauptverhandlung. Die Entscheidung über seinen Erlass obliegt einem Richter. Der Strafbefehl gegen Manuela R. sieht eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und eine Geldbuße von 10.000 Euro vor. Eine Absprache mit der Staatsanwaltschaft über Inhalte ihrer Aussage hat es laut Zeugin nicht gegeben.
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