Media-Affäre
Ruzicka-Prozess: Warten auf die Aussage von Andreas Bölte
Der heutige 20. Verhandlungstag gegen die ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn war schon nach zwei Stunden beendet und brachte keine neuen Erkenntnisse.
Die sechste Strafkammer des Wiesbadener Landgerichts rief erneut Kunden der Wiesbadener Mediaagentur in den Zeugenstand, die allerdings nicht persönlich vor dem Gericht erschienen waren, sondern per Videoübertragung zugeschaltet wurden. Dabei handelte es sich um Martina T., eine Mitarbeiterin der Firma Apotheker Walter Bouhon (Frei-Öl), deren Etat früher von HMS betreut wurde. Die Zeugin saß im Nürnberger Landgericht und wurde von dort aus über Verträge und Sondervereinbarungen mit der HMS-Agentur befragt. Ihren Angaben zufolge seien die Verträge korrekt gewesen und erfüllt worden. Gleiches antwortete auch der Marketingchef Peter E. des Käseherstellers Bel Deutschland, der vom Münchner Amtsgericht zugeschaltet wurde. Mit Bel hatte Carat auch Sondervereinbarungen vertraglich fixiert, die der Zeuge detailliert erklärte und deren Abrechnung als korrekt bezeichnete.
Für den morgigen Verhandlungstag kündigte der vorsitzende Richter Jürgen Bonk die Befragung von Birgit H. aus dem Marketing von Pit Stop an. Möglicherweise wird danach wieder die Ermittlungsführerin Silke T. vom Polizeipräsidium Hessen West in den Zeugenstand gerufen. Sie soll dem Gericht eine Liste erläutern, die sie über die Geldströme erstellt hat, die von Aegis Media an die Barterfirma Emerson FF geflossen sein sollen. Im Anschluss an diese Befragung sollen weitere Urkunden wie zum Beispiel Rechnungen, Gutschriften oder Kontoauszüge verlesen werden.
Damit nähert sich zumindest dieser Prozessteil seinem Ende. Nahezu alle Kunden wurden befragt, deren Rechnungen als Matrizen für die vermeintlichen Scheinrechnungen von Aegis an Emerson FF und die nachgeschalteten Tarnfirmen gedient haben sollen.
In der Beweisaufnahme fehlt nun noch der Teil, in den die frühere Wiesbadener Werbeagentur Zoffel, Hoff und Partner (heute Wunschkind) verstrickt sein soll. Ebenso fehlt bislang aber auch die Aussage von Andreas Bölte. Er ist Ruzickas Nachfolger als CEO von Aegis Media. Wie inzwischen von der Ermittlungsbeamtin Silke T. vor Gericht bestätigt wurde, hat Bölte gemeinsam mit dem Firmenanwalt von Aegis Johann Christoph Gaedertz die Ermittlungen gegen Ruzicka durch zwei anonyme Anzeigen und persönliche Gespräche mit der Staatsanwaltschaft ins Rollen gebracht. Wie Richter Bonk bestätigt, wird Bölte nach der Sommerpause am 4. August zu diesen Vorgängen befragt. "Das ist ein abgestimmter Termin", betont Bonk gegenüber HORIZONT. Ruzickas Strafverteidiger Marcus Traut sieht diesem Termin mit Spannung entgegen. "Wir haben viele Fragen an ihn, die uns umtreiben. Seit Januar drängen wir darauf, dass Bölte aussagt und die Hintergründe der Anzeigen offenlegt", erklärt Traut.
Sein Mandant sitzt seit Oktober 2006 in der JVA Weiterstadt in Untersuchungshaft. Ruzicka soll mit Linn und weiteren Beschuldigten rund 52 Millionen Euro bei seinem früheren Arbeitgeber Aegis Media veruntreut haben. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.
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