Media-Affäre
22.09.2008
Ruzicka-Prozess: Ruzicka suchte Nähe zur Prominenz
Waren die Veranstaltungen, die Aleksander Ruzicka in seiner Wiesbadener Villa ausrichtete, privater oder geschäftlicher Natur? Diese Frage stand im Mittelpunkt des heutigen Verhandlungstags im Untreueprozess gegen Ruzicka und seinen Ex-Kollegen David Linn.
Am Vormittag hatte das Gericht zunächst zweieinhalb Stunden über einen neuerlichen Antrag der Verteidigung von Ruzicka beraten, das Hauptverfahren auszusetzen. Der Antrag wurde schließlich abgelehnt.
Dass die Einladungen von Ruzicka, seinem Lebenspartner und der Mutter des Hauptangeklagten kamen, habe ihn nicht stutzig gemacht, so der Gastronom. Gleichzeitig räumte er ein, dass er mehrere Rechnungen umgeschrieben habe - auf Wunsch von Ruzicka. Dieser habe mitgeteilt, an welche Firma - Aegis Media, Camaco oder Watson - die Rechnung adressiert werden solle. Eine Umschreibung von an Ruzicka als Privatmann ausgestellten Rechnungen auf Firmenadressen habe es jedoch nicht gegeben. Die Kosten für die von dem Gastronomen für Ruzicka ausgerichteten Veranstaltungen haben sich auf bis zu 80.000 Euro belaufen.
Im Zusammenhang mit der Befragung des Gastronomen wurde auch bekannt, dass Ruzicka mit einem von ihm privat genutzen Logo als Einladender für den Ball des Weines und den Besuch des Dalai Lama in Wiesbaden aufgetreten sein soll.
Auf Antrag der Verteidigung wurde heute auch die Unternehmenssprecherin von Aegis Media befragt. Sie hat damals im Auftrag einer kleinen Wiesbadener Promotion-Agentur, mit der sie verbunden war, Personal für die Feier bei Ruzicka im Sommer 2005 besorgt. Ihrer Einschätzung nach handelte es sich bei der Sonnenwendfeier um eine private Party - auch wenn zum Teil Geschäftspartner vor Ort waren. "Dass es eine Überschneidung von privaten und geschäftlichen Kontakten geben kann, ist normal", so die Zeugin.
Am morgigen Dienstag geht das Verfahren mit der Vernehmung eins früheren Mitarbeiter von Emerson FF weiter. Über diese Firma soll ein Großteil der laut Anklage veruntreuten 52 Millionen Euro abgeflossen sein. Weiterhin unklar ist, ob und wie Ruzickas früherer Vorgesetzter Jerry Buhlmann in dem Prozess aussagt. Er hat gegenüber dem Gericht angekündigt, dass er nicht nach Wiesbaden kommen kann. Gleichzeitig hat er mitgeteilt, für eine Videobefragung zur Verfügung zu stehen. Buhlmann ist seit kurzem weltweiter CEO der Agenturgruppe Aegis Media. mam
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