Ruzicka-Prozess
09.09.2008
Ruzicka-Prozess: Linn bestätigt Anklagepunkte
Der frühere Aegis-Manager David Linn hat im Untreueprozess gegen ihn und seinen früheren Vorgesetzten Aleksander Ruzicka heute noch einmal zentrale Punkte der Anklage bestätigt. Die in der Anklageschrift genannte Summe von abgeflossenen Geldern sei im Wesentlichen stimmig, so Linn. Das Gleiche gelte für die Rolle der Firma Emerson FF, die laut Linn "kein Lieferant von TV-Spots war, sondern in erster Linie eine Verrechnungsstelle".
Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten und weiteren Personen vor, durch die Umleitung von agentureigenen TV-Freispots rund 52 Millionen Euro bei Aegis Media abgezweigt und auf eigene Konten transferiert zu haben. Eine Schlüsselrolle soll dabei die Firma Emerson FF gespielt haben. Die genannte Summe stimmt in etwa mit der überein, die Linn im Oktober 2006 - also nach den polizeilichen Durchsuchungen bei Aegis - selbst ermittelt hat, als er die Freispot-Kontingente überprüfte.
Bei seiner gestrigen Vernehmung hatte der frühere CFO Ihlefeld betont, dass es ihm nicht möglich gewesen sei, an die Zahlen für den Gesamtbestand der agentureigenen Freispots heranzukommen. Dies sei auch nicht wichtig gewesen, da für die Bilanz ohnehin nur die kapitalisierten Freispots eine Bedeutung hätten.
An dieser Stelle hakte heute die Verteidigung von Ruzicka noch einmal ein. Anwalt Marcus Traut erklärte, dass die Annahmen der Anklage durch die Aussage von Ihlefeld "nachhaltig erschüttert" worden seien. Denn wenn nur die Ist-Zahlen relevant für die Gewinn-und-Verlust-Rechnung seien, dann könnten auch nur diese einen strafrechtlich geschützten Wert darstellen. Das Vorliegen eines Vermögensnachteils für Aegis Media sei also widerlegt, so Traut.
Dieser Sichtweise widersprach auf ausdrückliche Nachfrage des vorsitzenden Richters Jürgen Bonk der Mitangeklagte Linn. Wenn man davon ausgehe, dass die praktizierte Form der Kapitalisierung von Freispots ohne Einverständnis von Aegis erfolgt sei, "dann gibt es sicherlich entgangene Gewinnmöglichkeiten für die Agentur", so Linn. In diesem Zusammenhang betonte er auch, dass er keinen Anlass habe, sich von seinen Aussagen bei seiner polizeilichen Vernehmung Ende 2006 und seiner Einlassung vor zwei Wochen zu distanzieren. Damals hatte er Verfehlungen eingeräumt und zugegeben, über die mutmaßlich Tarnfirma Camaco rund 2 Millionen Euro kassiert zu haben - ohne genau zu wissen wofür.
Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. Dann wird ein Ermittler der Steuerfahndung befragt. mam
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